1. Advent: So riecht Weihnachten - Riechen

Advent mit allen Sinnen

1. Advent (c) Hans Haindl / Pfarrbriefservice
1. Advent
Mo 2. Dez 2019
Martin Weber

Liebe Schwestern und Brüder,

Advent und vor allem Weihnachten: Das ist nichts, was wir nur mit dem Kopf, das können wir nur mit allen Sinnen feiern. Zu diesen Sinnen gehört das Riechen, das Schmecken, das Hören und Sehen und schließlich auch das Tasten und Berühren. Nur im Zusammenklang dieser Sinne geht es.

So will ich an diesem 1. Advent das Augenmerk auf das Riechen lenken.

Das Riechen steht nicht zufällig am Anfang. Das Riechen ist ja der einzige Sinn, der beim Menschen bereits bei seiner Geburt komplett ausgeprägt ist. Riecheindrücke können sich deshalb sehr früh einprägen. Über das limbische System sind diese Eindrücke in unserem Gehirn direkt mit Gefühlen und Emotionen verbunden, während es die Aufgabe der Großhirnrinde ist, das in bewusste Geruchsbestimmungen zu übersetzen. Das mit den Gefühlen klappt bei den meisten Menschen sehr gut: Wir empfinden etwas als angenehm oder anregend - oder aber abgestanden und fad. Mit den Geruchsbestimmungen tun wir uns schon schwerer. Das merken Sie bei jeder Weinprobe: Ich staune da immer, wenn Leute die frischen Zitronen, die Holunderblüte oder den Pfirsich herausriechen oder was es sonst noch alles gibt!

Wo sich aber bestimmt die meisten einigen können: Advent und Weihnachten sind Riechzeiten par excellence. Schon seit frühester Kindheit verbinden wir diese Zeiten mit besonderen Gerüchen: nach Zimt und Vanille, nach Plätzchen, nach Glühwein und heißem Tee, nach Tannennadeln und vielem mehr. Das gehört zu dieser Zeit, das macht Appetit auf diese Zeit.

Gestern Morgen haben wir mit den älteren Messdienern das Weihrauch- Dienen geübt. Auch hier geht es ums Riechen: Der Wohlgeruch des Weihrauchs ist eine besondere Form der Verehrung und der Anbetung. Wo man Weihrauch benutzt, ehrt man den heiligen Gott. Es freut mich, dass das auch in diesem Gottesdienst der Fall ist.

Bisher haben wir die passive, aufnehmende Seite des Riechens betrachtet. Manche Wissenschaftler sagen, dass das unbewusst auch soziale Prozesse fördert. Männer und Frauen kommen zueinander, Freunde finden sich, wenn sie „einander riechen können“. Manchmal riecht man die Armut von Menschen, weil sie unter schlechten Bedingungen leben oder Hygiene nicht richtig gelernt haben.

Es gibt aber auch die aktive Seite des Riechens: Ich rieche nach etwas. Deshalb wollen wir gut riechen. Manche geben viel Geld für ein Deo, ein Parfüm, ein Rasierwasser aus.

Im Korintherbrief greift der Apostel Paulus das einmal auf. Er sagt den Christen in Korinth, dass sie „Christi Wohlgeruch“ sind, dass sie den Lebensduft Christi verbreiten sollen. Wir sollen also ein Wohlgeruch vor Gott und für andere Menschen sein. Das bedeutet: Wir sollen attraktiv, anziehend sein. Aber nicht um auf uns zu verweisen, sondern auf Jesus Christus, von dem der Wohlgeruch ja kommt.

Die Adventszeit ist Vorbereitungszeit, auch Umkehrzeit. Sie lässt uns fragen, wie es um unseren Wohlgeruch als Christen bestellt ist. Drei Hinweise möchte ich dazu geben:

  • Manchmal merken wir, dass die Luft schal, abgestanden, stickig ist. Da muss man mal durchlüften, ein Fenster öffnen. Auch wenn der Luftzug kalt sein kann. Eine ähnliche Funktion hat ein offenes Wort. Eine ehrliche Aussprache. Eine notwendige Klärung. Zuweilen drehen wir uns nur um uns selbst, um immer den gleichen Käse. Wie hilfreich, wenn uns jemand mal darauf hinweist, auch korrigiert. Auch wenn uns das im Moment vielleicht gar nicht gefällt.
  • Manchmal stinkt etwas zum Himmel. Da wird gelogen, betrogen, hintergangen, beschissen auf Teufel komm raus. Da werden Leute ausgenutzt, die sich nicht helfen können. Da wird gemobbt und verleumdet und soziale Medien werden zu asozialen. Der Hass, das Ausfällig- werden und Ausflippen schon bei kleinsten Anlässen verbreitet sich. Als Christen dürfen wir da nicht nur verlegen wegschauen. Sondern den Mund aufmachen. Etwas tun. Eingreifen.
  • Und: Zuweilen ist etwas faul. Auch das riecht man. Vielleicht sogar in meinem Leben. Das Gebet und der Gottesdienst werden immer unwichtiger und gleichgültiger. Die Äußerlichkeiten dagegen immer wichtiger. Ich definiere mich über sie. Dann ist die Adventszeit nur noch eine halli- galli Zeit. Und gar nicht mehr auch die stille Zeit, die so schön und wertvoll sein kann. Da gilt es wieder „wesentlicher“ zu werden

Der Prophet Jesaja ruft uns in der heutigen Lesung zu: „Wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn!“ Paulus ganz ähnlich: „Legt ab die Werke der Finsternis. Legt an die Waffen des Lichts! Legt als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an“. Und es ist Christus, der uns im Evangelium sagt: „Darum seid wachsam und bereit“.

Wenn wir das beherzigen, das wäre wirklich „dufte“- Damit nicht nur der Weihrauch schön duftet- sondern wir selbst Wohlgeruch Christi sind.