11. Sonntag im Jahreskreis

Die 4 B unseres Christ – seins

Predigt lesen (c) PG Heusenstamm
Predigt lesen
So 14. Jun 2020
Martin Weber

Liebe  Schwestern und Brüder,

dieses Evangelium berührt mich immer wieder.-Dieses Evangelium, das von den müden und erschöpften Menschen spricht. Und von dem Mitleid Jesu.

In den müden und erschöpften Menschen können wir uns wiederfinden. Nicht immer, aber immer wieder. Sehr viele Menschen sind belastet, leisten und tragen viel. Schon in normalen Zeiten – und jetzt auch noch unter Corona Bedingungen. Gerade junge Familien waren in den vergangenen Wochen stark gefordert. Oder jene, die sich in diesen Tagen um kranke Angehörige sorgen oder Abschied nehmen mussten. Da könnten viele Geschichten erzählt werden.

Jesus nimmt das in seiner Zeit wahr – und er hat Mitleid. Kein billiges Mitleid, das wir uns zu recht verbeten würden. Sondern eines, das aus der Tiefe seines Herzens kommt; eines, das vom Erbarmen Gottes spricht. Am nächsten Freitag ist dem ein eigenes Fest in unserer Kirche gewidmet: Das Herz Jesu Fest. Das Mitleid Jesu ist viel mehr als Gefühl – es wird zum Handeln. Und wir, die wir zu Jesus gehören, dürfen dabei mitwirken. Bei dem Erfüllen dieses Auftrags helfen uns vier Erfahrungen:

  1. Das erste ist: Jesus fordert seine Jünger auf zu beten. Um viele Arbeiter für die Ernte. Wir verbinden das oft mit dem Gebet um Priester und Ordensleute. Das ist wichtig. Die Kirche braucht das Priestertum und Menschen, die Ordensstand Jesus nachfolgen. Aber vor allem geht es bei diesem Gebet um das Kommen des Gottesreiches überhaupt. Um die Vater -  Unser Bitte: Dein Reich komme. Das muss erbetet werden – und gleichzeitig zeigt es unsere Bereitschaft, daran, am Aufbau des Gottesreiches,   Mutter Teresa sagt einmal: „Die Frucht des Gebetes ist die Liebe. Die Frucht der Liebe ist der Dienst!“
  2. Dazu bevollmächtigt Jesus seine Jünger. Sie erfahren und spüren es hautnah: Dass mit Jesus ihr Leben gelingt, reicher wird, dass sie seine Kraft empfangen, dass Hoffnung und Zuversicht wachsen. Das ist die Option für ein kraftvolles, mutiges Christ sein. Dieses Selbstbewusstsein vermisse ich bei mir, bei uns oft.  Stattdessen ist viel Klein- Klein, Behördenmentalität, Dienst nach Vorschrift.  
  3. Das Dritte: 12 Männer werden beim Namen gerufen. Der  Evangelist Matthäus zählt die Namen der Apostel auf: Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, Jakobus und Thaddäus, Simon und Judas. Jeder dieser Männer hat seine ganz persönliche Geschichte mit Jesus. Ist von Jesus beim Namen, in die Nachfolge gerufen worden.  Das gehört ganz elementar zum Christsein:  Zu merken, dass es um mich geht! Ganz persönlich. Dass Jesus mir Auftrag und Vollmacht gibt, in seinem Namen zu handeln.
  4. Und schließlich: Jesus schickt die Jünger los und beauftragt sie das Gleiche zu tun, wie er: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nah! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“
    • Das Himmelreich ist nah: Gott ist euch nahe. Er steht vor der Tür und klopft an. So wie wir es auch erfahren haben.
    • Heilt Kranke: Steht den Menschen zur Seite. Bekämpft das, was Menschen unter Druck setzt und krank macht. Verscheucht die Angst, die auf den Magen schlägt. Sorgt in dem Chaos und Wirrwarr dieser Zeit für einen klaren Kopf.
    • Weckt Tote auf: Befreit Menschen aus tödlicher Einsamkeit. Lehrt die Menschen im anderen den Nächsten und nicht den Feind zu sehen. Dies ist übrigens auch das beste Rezept gegen jede Form von Rassismus. Vor allem erzählt von dem Sieg Jesu über den Tod.
    • Macht Aussätzige rein. Nehmt Menschen in eure Gemeinschaft auf. Plappert nicht die Vorurteile nach, die andere vorgeben.  Nehmt die Anstrengung auf euch, vermeintlichen Außenseitern nachzugehen.
    • Treibt Dämonen aus: Helft Menschen, sich aus ihren Zwängen und Ängsten, die sie unglücklich machen, zu befreien. Stellt euch gegen Gier, Egoismus und Neid. Sprecht Worte, die die Luft, die wir atmen, wieder 

Liebe Schwestern und Brüder,

manchmal fühlen wir uns selbst müde und erschöpft- wie die Menschen, von denen Jesus spricht. Und dennoch beruft, bevollmächtigt und beauftragt er uns Mitarbeiter beim Aufbau des Gottesreiches zu sein.