14. Sonntag im Jahreskreis (5. Juli)

Predigt lesen (c) PG Heusenstamm
Predigt lesen
So 5. Jul 2020
Martin Weber

Zweimal, liebe Schwestern und Brüder, benutzt Jesus in diesem Evangelium das Wort Ruhe.

Er möchte den Menschen, die eine schwere Last zu tragen haben, Ruhe verschaffen. Und er verspricht allen, die zu ihm kommen, Ruhe für ihre Seelen. Diese Worte Jesu sprechen uns ganz persönlich an, wecken eine Sehnsucht, sind wirksamer und wirklicher Trost. Sie sagen uns: Die Verbundenheit mit Jesus, der Glaube an ihn führt zu einem Frieden, den die Welt nicht geben kann. Es geht nicht darum, Gott durch unsere Leistung zu beeindrucken. Diese Vorstellung war zurzeit Jesu weit verbreitet und steckt bis heute in uns. Sondern darum, uns von Gott beschenken zu lassen. Darum geht es auch in dieser Stunde, da wir Gottesdienst feiern. Nicht wir dienen zuerst Gott – sondern Er dient und beschenkt uns. Mit seinem Wort, das tröstet und befreit. Mit seinem Sakrament, in dem Jesus wirklich und wahrhaft gegenwärtig ist; Gemeinschaft, Kommunion schenkt.

Liebe Schwestern und Brüder,

vor einigen Wochen haben wir ein Fest gefeiert, da wurde genau dieses Evangelium auch vorgelesen – und zwar beim Herz Jesu Fest. Die Herz Jesu Verehrung war früher in katholischen Kreisen selbstverständlich. Bilder, die das Herz Jesu darstellen. Lieder, die davon singen. Die Herz Jesu Freitage – immer die ersten im Monat – die hochgehalten wurden. Gewiss, da gab es auch Kitschiges und Sentimentales. Aber es ist schade, dass diese Spiritualität uns immer mehr abhandenkommt. Das Herz ist das Symbol der Liebe Gottes. Und das Realsymbol der Liebe Gottes ist niemand anderes als Jesus selbst. Jesus ist, so sagt es unser Glaube, wahrer Mensch und wahrer Gott. Und als wahrer Gott ist er der ewige Sohn des Vaters. Von ihm schreibt der Evangelist Johannes, dass er der Einzige ist, der am „Herzen des Vaters ruht“. Was für ein wunderschönes Bild. Und er gibt seine Ruhe auf, entäußert sich in seiner Menschwerdung, um uns in diese Ruhe und Geborgenheit und Liebe Gottes mit hinein zu nehmen.

Damit gewinnt das Wort Jesus noch einmal eine weitere Dimension: Mit Christus dürfen wir am Herzen Gottes ruhen. Uns erquicken und erfrischen lassen. Dürfen unsere Lasten abgeben. Auch alle Angst und Verwirrung und Sorge.

Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft dieses Sonntags! Manchmal mag es einem Prediger gelingen, diese Botschaft zu vertiefen. Gute Worte dafür zu finden. Darum mühe ich mich jeden Sonntag. Sehr oft aber gelingt das der Musik eher und leichter und spielerischer. Nachher wird die Schola ein neues geistliches Lied singen. Die Melodie stammt von Barbara Kolberg, der Text von Paul Weissmantel. Wenn ich die Zeilen dieses Liedes höre, das sich im Anhang des Limburger Gesangbuches findet, verspüre ich etwas von jener Ruhe, die uns Jesus versprochen hat: in meinem Sein, meinem Fühlen und Denken…….

Leises Einspielen des Liedes- und die erste Strophe wird gesungen:

In das Dunkel deiner Vergangenheit/ in das Ungewisse deiner Zukunft/ in den Segen deines Helfens/ in das Elend deiner Ohnmacht/ in all dein Sein, in dein Fühlen und Denken lege ich meine Zusage: Ich bin da!