2. Advent -Schmecken und Verkosten

Vom Schmecken und Verkosten

2. Advent
2. Advent
So 8. Dez 2019
MArtin Weber

Das, liebe Schwestern und Brüder, ist die Überschrift über die diesjährigen Predigten zu dieser Zeit. Am letzten Sonntag war das Riechen dran, heute das Schmecken und Verkosten!

Passt ja auch gut! Wenn man so über den Nikolausmarkt geht. Schon rein dienstlich muss ich da viel essen, schmecken und verkosten: Die guten Thüringer Bratwürste von der Sumba Aktion, das Raclette der Kongo Hilfe, natürlich die Rollbratenbrötchen – und gerne probiere ich auch noch mal die „Grumbeerpannkuche“ von der Disharmonie…. Nebenbei bekommt man jetzt schon allerhand selbstgemachte Plätzchen geschenkt- und manche von Ihnen gehen schon im Geiste das Weihnachtsmenue durch. Es stimmt schon:  Es geht viel um das Essen in unserem Leben, um das Schmecken und Verkosten.

Ich bin mir nicht sicher wie Johannes der Täufer dies beurteilt hätte. Ein Feinschmecker ist er ja nicht gerade. Im Evangelium heißt es, dass er sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt hat- und dass er den Leuten ganz schön ins Gewissen geredet hat. Das erinnert uns daran: Eigentlich ist die Adventszeit eine Buß- und Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Trotz all der Köstlichkeiten, die ich aufgezählt habe, trage ich violett- die entsprechende liturgische Farbe dazu. Deshalb, da komm ich nochmal auf`s Essen zurück, gab es früher am Heiligen Abend oft Fisch, die klassische Fastenspeise oder ein einfaches Essen. Weil erst mit der Christmette- und die war um Mitternacht - Weihnachten richtig begonnen hat. Und ich denke, wir dürfen diesen Gedanken auch nicht aus dem Sinn verlieren! Advent ist Vorbereitung, Erwartung, Sehnsucht. Weihnachten erst Erfüllung und Antwort.

Was kann das heißen? So sehr die Weihnachtsmärkte inzwischen auch vielen von uns eine liebe Gewohnheit geworden sind: Sie sind nur ein schwacher Hinweis auf die Freude, die Gott in der Menschwerdung seines Sohnes schenkt. So sehr es schön ist zu genießen- und so sehr es stimmt: Wer nicht genießt wird ungenießbar. So sehr sollten wir auch daran denken, wie gefährlich es für uns als Menschen und Christen ist, bloß „satt“ zu sein. Johannes erinnert daran: Bringt Frucht, die eure Umkehr zeigt! Das ist die Frage an uns: Wo müssen wir umkehren? Woran sieht man, dass wir Christen sind? Unterscheiden wir uns überhaupt noch von denen, denen das alles egal ist? Solche Fragen kann man auch sehr gut wieder einmal in der Beichte überdenken. Vor Weihnachten haben wir samstags einen Nachmittag, wo dies möglich ist. Oder auch in der Bußandacht.- Johannes mahnt uns: Nehmt den „Mund nicht zu voll“ und übertreibt es nicht mit dem Drumherum: Schaut auch hin, wie ihr an Weihnachten zur Krippe geht! Wie es in euch aussieht!

Kommen wir trotzdem noch mal aufs Essen zurück. Da geht es ja nicht nur um das Schmecken, auch um das Verkosten. Wir kennen das ja von allen möglichen Verkostungen. Immer wieder beliebt:  Nicht nur Wein, auch Whiskey und Gin. Nicht nur Schokolade, auch Trüffel und Schinken. Da kommt es darauf an, nicht zu schlingen. Sondern die guten Sachen im Mund und Gaumen zu behalten, um die Nuancen zu schmecken, zu verkosten. Übrigens ist das auch sonst ein guter Vorschlag, bei den normalen Mahlzeiten nicht zu schnell zu essen, sondern langsam.

Es gibt in der Bibel eine interessante Stelle. Da geht es um die Berufung des Propheten Ezechiel, der im 6. Jahrhundert vor Christus wirkte. Und da heißt es: „Du aber, Menschensohn, höre, was ich dir sage. Öffne deinen Mund und iss, was ich dir gebe. Und ich sah: Eine Hand war ausgestreckt zu mir; sie hielt eine Buchrolle….. Und er sagte zu mir: Iss diese Rolle. Dann geh und rede zum Haus Israel. ……Ich aß sie und sie wurde in meinem Mund süß wie Honig“.

Ob der wilde Honig des Johannes eine Anspielung auf diese Stelle ist, weiß ich nicht. Aber ich finde das ein faszinierendes Bild: Ezechiel verkostet sozusagen das Wort Gottes- und erst jetzt ist er bereit, es auch zu verkünden. Mit anderen Worten: Es genügt nicht, das Wort Gottes nur oberflächlich zu hören. Es muss mir vielmehr eine Leib- und Magenspeise werden! Wie soll das gehen? Indem wir uns mit dem „Wort Gottes“, mit der Bibel, beschäftigen. Das tun wir im Allgemeinen zu wenig. Manche in Bibelgesprächskreisen oder beim „Bibel- teilen“.

In der Messe ist uns der „Tisch des Wortes Gottes“ bereitet. Mit ein – oder wie im Advent – mit zwei Lesungen und dem Evangelium. Manchmal rauschen diese Worte an uns vorbei. Aber immer wieder spricht uns ein Wort, ein Bild, eine Geschichte besonders an. Das sollten wir uns merken, aufschreiben, immer wieder im Gebet wiederholen.

Über Maria, die Mutter Gottes, gibt es die schöne Aussage: „Sie bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“. Das ist ein Teil unseres inneren Lebens, unseres geistigen Lebens als Christen: Dass wir das Wort Gottes schmecken, verkosten, wiederkäuen, wiederholen, im Herzen bewahren. Das ist eine Speise, die unseren inneren Hunger stillt. Und wir können uns sicher sein:  Bei Gott wird niemand nur abgespeist mit leeren Worten.

Liebe Schwestern und Brüder,

so gehen wir jetzt hinein in die Feier der Eucharistie. Das, was wir an Weihnachten feiern: Dass Gott Mensch geworden ist in Jesus, dass Gott Fleisch geworden ist- das feiern wir auch jetzt: Christus will uns eine wirkliche Speise sein. Sein Fleisch und Blut. ER selbst in den Gaben von Brot und Wein.