29. Dezember 2019 / Heilige Familie

Von heiligen, scheinheiligen, heilen und eiligen Familien…..

Heilige Familie (c) Norbert Holzamer
Heilige Familie
So 29. Dez 2019
Martin Weber

Liebe Schwestern und Brüder,

der Sonntag nach Weihnachten ist immer der Sonntag der „Heiligen Familie“. Dass Jesus in eine Familie hineingeboren wird, ist zunächst einmal ein Hinweis auf die wahre Menschheit Jesu. Der Sohn Gottes ist ganz und gar Mensch und zum Menschsein gehört auch, dass Menschen in Familien groß werden. Mit Vater und Mutter, mit Großeltern und Verwandten. Da kann jeder mitreden, denn wir alle sind in Familien großgeworden. Was uns aber regelmäßig befremdet: Der Zusatz der „heiligen“ Familie. Jeder weiß, dass es in Familien Stress und Streit, Pleiten, Pech und Pannen gibt. Die Rede von der buckeligen Verwandtschaft meint immer auch, wenn wir ehrlich sind, die eigene Familie. Schauen wir deshalb einmal hin: auf die heiligen, scheinheiligen, eiligen und heilen Familien.

Heilig ist die Familie, weil es im Schöpfungsplan Gottes eingezeichnet ist, dass Mann und Frau füreinander bestimmt sind, dass sie „ein Fleisch“ werden und so auch das Leben weiter geben. So steht es in den ersten Seiten der Bibel, wo im Buch Genesis von der Schöpfung die Rede ist. Ehe und Familie gehören so zu den Konstanten der Menschheit. Es mag viele Arten von Partnerschaft geben; die von Mann, Frau und Kind, bzw. Kindern ist eine ganz besondere.-  Heilig sind Ehen und Familien, in denen Gott eine Rolle spielt. In denen sich Eltern als Mitarbeiter der göttlichen Liebe verstehen, wenn sie Leben weiter geben und hüten. Katholische Christen verstehen die Ehe als Sakrament. Ihr Bund, in dem sie sich Liebe und Treue versprochen haben, ist ein schwacher Verweis auf jenen großen Bund, den Gott mit der Menschheit, den Christus mit seiner Kirche geschlossen hat. Die Ehe als Sakrament, als heiliges Zeichen.

Wenn wir nun wieder in den etwas graueren Alltag zurückkehren, ist festzustellen, dass es so manche scheinheiligen Familien gibt. In dem Sinn, dass das äußere Bild nicht mit dem wirklichen Zustand übereinstimmt. Außen hui, innen pfui sozusagen. Da können zwei tolle Autos vor dem schmucken Eigenheim stehen, und trotzdem gehen die Ehepartner lieblos miteinander um, werden Kinder mit den Tablets allein gelassen und abgespeist und das Einzige, was vorgelebt wird, sind Egoismus und Oberflächlichkeit. Manche Familien tradieren, überliefern Gewalt, Missbrauch, Suchtverhalten. Bei anderen bestimmen alte Rivalitäten und Abneigungen auch nachfolgende Generationen, weil es irgendwie zum Comment gehört.

Gott sei Dank gibt es viele heile Familien. Nicht, dass da immer alles eitel Sonnenschein ist. Sondern in dem Sinn, dass das Heil, das Wohl der Familienmitglieder wechselseitig ein Anliegen ist. Das beginnt bei den Kindern. Alle Untersuchungen zeigen, dass Kinder umso gesünder und heiler sind, wenn sie verlässliche Bezugspersonen haben. Eine Mama, die sich sorgt. Ein Papa, der da ist. Besonders wichtig ist das in den ersten Lebensjahren. Ich bin mir nicht sicher, ob die bedenkenlose Propagierung frühestmöglicher Fremdbetreuung wirklich so positiv ist. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass es hier – leider Gottes - an allerletzter Stelle wirklich um das Wohl der Kinder geht.

In den Familien werden Kinder zu sozialen Wesen, lernen, dass das Leben aus Geben und Nehmen, aus Schenken und Beschenkt -. Werden besteht. Und dass es eine Solidarität in der Familie geben muss. Die Eltern sind für die Kinder da, die Kinder später für ihre Eltern. In der Lesung ist von den alten und pflegebedürftigen Eltern die Rede. Das ist auch heute wichtig. Es hat sich viel verändert im Leben. Aber auch heute kümmern sich Kinder in der Regel um ihre Eltern, wenn es denn nötig wird. Sie organisieren die Pflege. Sie halten den Kontakt, auch wenn es eine Fremdbetreuung im Altenheim gibt und vieles mehr. Familien sind nicht immer heil, aber sie heilen so manches. Ohne Familien wären wir ganz schön arm dran.

Weniger heilige, aber sicher gibt es sehr viele eilige Familien. Vielleicht bräuchte man da ein Tempolimit. In vielen Familien herrscht ein gewaltiger Stress. Die Termine auf die Reihe zu bringen. Hausaufgaben und Klassenarbeiten vorbereiten. Die Abholzeiten für die Kita und die eigenen Arbeitszeiten harmonieren. Die Freizeit organisieren und den Kindergeburtstag vorbereiten. Die Reihenuntersuchungen beim Kinderarzt. Die Sport und Musiktermine unter einen Hut zu bringen. Und dann auch noch Kommunion- oder Firmvorbereitung.

 

Eilige Familien: Mancher Stress – der ist einfach da. Mancher aber auch hausgemacht. Das zu unterscheiden ist schon der erste Schritt zur Besserung. Familien müssen schauen, dass sie entschleunigen. Weniger machen. Den Kindern noch Freiraum lassen. Stille Zeiten, wie Advent und Fastenzeit schätzen. Den Gottesdienst als zweckfreie Zeit hochhalten. Sich als Familie Auszeiten nehmen. Nicht alles zum „Event“ machen, das Einfache wertschätzen.

Liebe Schwestern und Brüder,

die Sternsinger besuchen heute und morgen viele Häuser und Familien in Heusenstamm und Rembrücken. Sie schreiben C+M+B auf die Türpfosten: Christus, segne dieses Haus. Segne die Familie, die in diesem Haus, in dieser Wohnung lebt. Gib deinen Segen, dass in ihr Heiliges und Heilendes hochgehalten und gelebt wird. Das Eilige und Scheinheilige dagegen bleibe möglichst fern.