Dieser Weg wird kein leichter sein

KB-Kommentar (c) PG Heusenstamm
KB-Kommentar
Di 18. Feb 2020
Martin Weber

Dieses Lied von Xavier Naidoo kommt mir öfters in den Sinn. Auch wenn ich an die Wege denke, die in unserer Kirche gegangen werden.

Da ist zunächst der pastorale Weg unseres Bistums. Größere Einheiten sollen entstehen und vor Ort soll geschaut werden, was zusammenpasst. Ein Dekanatsprojektteam koordiniert die vielfältigen Überlegungen und Beratungen, die es auf den verschiedensten Ebenen gibt. Bis Mitte Juni soll ein erster Vorschlag in Mainz beraten werden. Bisher verspüre ich viel positive Energie, viel Bereitschaft Veränderungen anzugehen und den Blick für die Chancen und Möglichkeiten dieses Prozesses. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu ahnen, dass es auch andere Phasen geben wird. Manches in unseren Gemeinden muss „sterben“, damit Neues wachsen kann. Das wird wehtun.

Am ersten Advent hat in der Kirche Deutschlands der sogenannte „synodale Weg“ begonnen. Zwei Jahre - das ist der angezielte Zeitraum - diskutieren katholische Christen darüber, wie die Kirche sich wieder erneuern kann. Es geht, nicht zuletzt im Gefolge des „Missbrauchsszenarios“ um Macht, Sexualität, Frauen und priesterliche Lebensform. Im Vorfeld der Synode gab es ein gewaltiges publizistisches Trommelfeuer. Das sei „die letzte Chance“ für die Kirche überhaupt, es sei „fünf vor zwölf“ und wenn es nicht gelinge zu Ergebnissen zu kommen, sei dies eine „Katastrophe für alle Christen“. Schlechte Zeiten für Kritiker, die in dieser Sicht nur „Dunkelmänner“ sein können. Dabei ist unklar, welchen Status diese „Synode“ hat und vor allem auch welche Kompetenz. Viele der Fragen, die ventiliert werden, können nur weltkirchlich beantwortet werden. Manche tangieren die Glaubenslehre selbst. Zum Beispiel die Frage des Weiheamtes für Frauen. Und unter der Hand wird der Eindruck erweckt, als sei alles verhandel- und abstimmbar. Dass die Kirche aber keine NGO (Non-Governmental Organizations), sondern menschlich und – von Christus her – göttlich ist, kommt so nicht mehr in den Blick. Meine Befürchtung ist, dass am Ende mehr Frustration zurückbleibt, als dass Glaubensfreude gewonnen und Aufbruch geschafft wird.

Ein weiterer Weg beginnt – und diesmal für uns alle: Der Weg der Fastenzeit. Wie das Volk Israel 40 Jahre durch die Wüste gezogen ist, so sind die 40 Fastentage immer wieder Übungen, Exerzitien des Volkes Gottes. Was ist mir wichtig? Wofür lohnt es sich, sich einzusetzen? Das sind nur zwei der wichtigen Anfragen dieser Zeit. Eine Antwort darauf geben Christen, die für ihren Glauben Verfolgung leiden. Darauf weist eine Ausstellung hin, die uns durch die Fastenzeit begleiten wird. Solche Wege sind uns oft fremd und die können wir auch nicht kopieren, weil unsere Lebensumstände anders sind. Aber sie können inspirieren: Unseren Weg des Glaubens zu gehen. Der nicht immer „ein leichter“ sein muss. Aber erfüllend und frohmachend, weil wir ihn mit Gott gehen.