Erscheinung des Herrn - Drei König

Sie folgten den Stern ...

Drei Könige (c) OpenClipart-Vectors auf Pixabay
Drei Könige
Mo 6. Jan 2020
Martin Weber

(Inspiriert von Gedanken Benedikt XVI)

 

Liebe Schwestern und Brüder,

die Sternsinger waren wieder unterwegs. Es ist eine große Bewegung in den weihnachtlichen Tagen: Tausende von Kindern und Jugendlichen sind unterwegs, um den weihnachtlichen Segen in die Häuser zu tragen und für arme Menschen Geld zu sammeln. Was bei den Sternsingern nie fehlen darf: natürlich der Stern. Erinnert er doch an den Stern, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sind und der sie zum Jesuskind geführt hat.

Wohl dem, der so einen Stern hat. Der Orientierung gibt und zeigt, wohin die Reise geht. Die Heiligen Drei Könige hatten diese Orientierung. Und so konnten sie trotz aller Beschwernisse ihr Ziel erreichen. Wohl dem, der so eine Orientierung im Leben hat. Wohl dem, der ein Sinn im Leben hat. Wohl dem, der eine Perspektive hat. Wohl dem, der einen Glauben hat. All das gibt Orientierung. Wir brauchen Orientierung, sonst tappen wir sinn- und ziellos durch die Welt.

Das Wort Orientierung kommt übrigens vom Wort Orient. Der Osten. Dort geht die Sonne auf. Das hat Menschen immer wieder fasziniert. Deshalb haben Christen ihre Kirche orientiert, geostet. Weil Christus die Sonne der Gerechtigkeit ist. Weil Christus derjenige ist, der Orientierung gibt. Diesem Christus durften die Sterndeuter in dem Kind von Bethlehem begegnen. Sie brachten ihm ihre Gaben da: Gold als Zeichen für die Ehre, die sie dem König erweisen. Weihrauch, dass auch Gottesduft genannt wird, als Zeichen dafür, dass sich in diesem Kind Gott zeigt. Und Myrrhe, das bittere Baumharz, das bei Bestattungen verwendet wird, weist hin auf das Leiden und Sterben des Herrn. Nachdem sie angebetet haben, verlassen die Könige Bethlehem und kehren in ihr Land zurück. So heißt es im Evangelium. Diesmal werden sie nicht mehr von einem Stern geleitet. Das braucht es auch nicht mehr. Sie haben die Orientierung ihres Lebens gefunden. In diesem Jesus Christus, der wahrer Mensch und wahrer Gott ist, wie wir nachher im Credo bekennen. Und der auch bei uns sein will. Auch in dieser Stunde, wo wir heilige Messe feiern. Im Gabengebet heißt es: „Allmächtiger Gott, nimm die Gaben deiner Kirche an. Sie bringt nicht mehr Gold, Weihrauch und Myrrhe da, sondern er, den diese Gaben bezeichnen, wird für uns geopfert und uns zur Speise gegeben, unser Herr Jesus Christus“. Mit Ihm verbunden zu bleiben, das gibt Orientierung! Die wir so dringend brauchen. In dieser hypernervösen Zeit, die die Menschen nicht mehr zur Ruhe kommen lässt.

Doch noch einmal möchte ich auf die drei Könige hinblicken. Auch sie waren offensichtlich unruhig. Auch sie hatten ein unruhiges Herz. Aber ich denke das hatte eine andere Qualität als die Nervosität und Unruhe, die heute viele Menschen umtreibt und die Praxen der Psychologen und Therapeuten füllt. Die Könige suchten und hielten Ausschau nach dem Größeren. Als gelehrte Männer wussten sie vieles. Aber sie wollten mehr als bloß viel wissen. Sie wollten vor allem das Wesentliche wissen. Sie wollten wissen, was es bedeutet Mensch zu sein. Und sie wollten wissen, ob es Gott gibt, wo und wie er ist. Ob er sich um uns kümmert und ob wir ihm begegnen können. Sie wollten nicht nur wissen, sondern die Wahrheit erkennen und von ihr ergriffen werden. Mit einem Wort: Die drei Weisen waren Gottsucher und ihre Reise eine Pilgerschaft.

Der heilige Augustinus hat einmal das unvergängliche Wort geprägt: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ Die Weisen aus dem Morgenland verkörpern die Wahrheit dieses Satzes. Sie sind Suchende – und durch die Gnade Gottes Findende. Sie finden das Kind in der Krippe und beten in ihm Gott an. Ihre Herzen finden Ruhe in Gott, man könnte auch sagen: Eine Orientierung, die bleibt.

Seien wir mit den drei Königen Suchende und Findende. Jetzt im Gottesdienst- und in unserem ganzen Leben. Nachher singen wir in dem Lied „Stern über Bethlehem“ von dem Wunder, das wir mit den Königen sehen durften. Und von der Freude, die seitdem unser Leben erfüllt.