Heiliger Abend/ Christmette 2019

Die Krippe: „Ein wunderbares Zeichen“

Krippe in Maria Himmelskron (c) Norbert Holzamer
Krippe in Maria Himmelskron
Mi 25. Dez 2019
Martin Weber

(Inspiriert vom Papstschreiben „Admirabile signum“ und einer Predigt von Wolfgang Raible: „Ein etwas anderes Weihnachtslied“)

Liebe Schwestern und Brüder,

haben Sie zu Hause eine eigene Krippe? Meine habe ich gestern Abend aufgebaut. Im ersten Jahr als ich nach Heusenstamm kam- das sind jetzt immerhin 17 Jahre - habe ich sie mir gekauft. Nichts Besonderes, eine Krippe eben.

Nichts Besonderes? Papst Franziskus sagt: Die Krippe ist wie ein lebendiges Evangelium. Die Weihnachtsbotschaft zum Anschauen. Was sehen wir da?

Im Hintergrund oft den Sternenhimmel in der Dunkelheit. Es ist die Botschaft von Weihnachten, dass Gott in unsere Dunkelheit gekommen ist. In die Nacht unserer Fragen: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Warum liebe ich? Warum leide ich? Wie wird es mit meinem Sterben sein? Um auf diese Fragen Antwort zu geben wurde Gott Mensch. Seine Nähe bringt Licht in unsere Finsternis.

Krippen haben ihre Landschaft: Mit Bergen und Bächen, Schafen und Hirten. Die ganze Schöpfung ist in das Kommen des Messias einbezogen. Dieser Gedanke ist uns heute sehr nah. Wenn der Engelschor vom Frieden auf Erden spricht, dann ist damit immer auch der Friede mit der Erde gemeint. Die es zu bewahren und zu schützen gilt! Weil sie die gute Schöpfung Gottes ist.

Hirten sind die ersten Zeugen des neugeborenen Kindes. Einfache Menschen. Arme Menschen. Die aber das Wesentliche erkennen. Dass Gott uns in diesem Kind so nahe gekommen ist. Wie schwer fällt uns das oft: Zum Wesentlichen zu gelangen. So viel Drumherum, so viele Glücksversprechen, so viel Ablenkung. Die Hirten zeigen, worauf es wirklich ankommt.

Nach und nach führt die Krippenlandschaft zu Maria und Josef. Zwei Menschen, die von Gott berührt sind.

Maria, die ihr großes JA gesprochen hat: „Mir geschehe nach deinem Wort“. Wir sprechen paradoxerweise von dieser Mutter als der Jungfrau Maria und manche denken: Wie naiv kann man nur sein? Dabei meint das: Dieses Kind stammt von oben, ist der von Gott gesandte Messias. Der Glaube an die Jungfräulichkeit ist der Glaube an die Priorität, die Gott in diesem Geschehen hat. Weihnachten ist ein Gottesgeschenk, kein Menschenwerk. Aber ein Mensch – Maria – musste dazu Ja sagen.

Und schließlich Josef. Oft hält er eine Lampe, manchmal einen Stock. Josef sieht man oft am Rande, fast als Statisten. Aber er spielt eine wichtige Rolle im Leben von Jesus und Maria: Er ist der Beschützer, der nicht müde wird, seine Familie zu behüten. Der erste Erzieher des heranwachsenden Jesus. In seinem Herzen trägt er das große Geheimnis, das Jesus und Maria umgibt und bewahrt es.

Wenn wir zu Weihnachten die Figur des Jesuskindes hineinlegen – dann, so sagt es Papst Franziskus – beginnt gleichsam das Herz der Krippe zu schlagen. Gott zeigt sich in einem Kind- gerade so wollte er die Größe seiner Liebe zeigen. Später schreibt der Apostel Johannes über das Geheimnis der Menschwerdung: „Das Leben ist erschienen“.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

wie gehen wir zur Krippe? Wie gehen wir?

So wie es Paul Gerhard umschreibt in seinem wunderschönen Lied: „Ich steh an deiner Krippe hier“? Ein altes Lied, aus dem 16. Jahrhundert, aber bis heute ergreifend. „Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesu du mein Leben. Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.“- Nachher werden wir dieses Lied singen. Da ist ein Mensch, der staunend und anbetend zur Krippe kommt. Der das Wesentliche zu sehen vermag. Der voller Freude ist über das, was er da sieht. Der eigentlich mitten drin ist; dem das Dargestellt nicht Darstellung, sondern sein Innerstes ist.- So zur Krippe zu gehen……..

Oder gehen wir zur Krippe mit einem Lied von Leonard Cohen, das ich in diesem Jahr als mein Weihnachtslied entdeckt habe. Vor allem der Refrain dieses Liedes hat es mir angetan. Auf English lautet dieser Refrain: „There is a crack in everything; that´s how the light gets in”. Auf Deutsch: Da ist ein Riss in allen Dingen. Aber genau da kommt das Licht durch” - Ein genialer Satz, mehr gehaucht als gesungen von Leonhard Cohen. Dafür aber umso eindrücklicher.

Das, was wir an der Krippe sehen, ist kein Märchen. Die Hirten werden weiter bitter arm bleiben. Die Schöpfung bleibt eine geschundene, bis heute. Maria und Josef verstehen vieles nicht, bald müssen sie nach Ägypten fliehen. Aber das Licht von Bethlehem hat ihr Leben verändert, obwohl äußerlich vieles gleich bleibt.

So können auch wir zur Krippe gehen. Nicht perfekt. Sondern mit unseren Rissen, unserer Zerrissenheit. Das einzige was wir tun müssen: Diese Risse nicht mit Zynismus, Verbitterung, gelangweiltem Gehabe, Geld und Ablenkung zukleistern, sondern offenhalten. Dann hat das Licht des Christuskindes eine Chance durchzudringen. There`s a crack in everything, that`s how the light gets in.