"Ich bin Christ. Wir sehen uns!"

KB-Kommentar (c) PG Heusenstamm
KB-Kommentar
Fr 5. Jul 2019
Martin Weber

Dieses Wort von Jürgen Klopp wurde in den sozialen Netzwerken und im Internet unzählige Male gelinked und weiter gegeben. Was war der Hintergrund? Kurz vor dem Finale zwischen Liverpool und Tottenham fand „Kloppo“ noch die Zeit eine Videobotschaft an einen an Krebs erkrankten Fan des FC Liverpool zu senden: „Wir denken an Dich. Du bist wirklich bei uns“,sprach er dem Mann Mut zu und endete mit der tiefsinnigen Bemerkung: „Ich bin Christ. Wir sehen uns!“ 

Zwei Sätze mit gerade mal sechs Wörtern. Aber was für eine Message, was für ein Glaubensbekenntnis! Und offensichtlich traf Klopp den Nerv unzähliger Menschen, die sich darüber freuen, dass da einer ist, der ausspricht, was doch auch ihr Glaube ist und sie spüren lässt, dass sie mit ihrer „klammheimlichen Sehnsucht“ nicht allein sind. Natürlich: Jürgen Klopp ist jemand, der bekannt ist, ein Standing in der Öffentlichkeit hat. Aber solche Bekenntnisse braucht es auch im normalen Leben. Nicht von den Pfarrern allein. Da erwartet man es eh. Sondern von Eltern, Lehrern, Ausbildern, Medienleuten, Jugendlichen … Aber wer traut sich da noch, etwas von seiner inneren Haltung durchscheinen zu lassen?

Das war am Anfang des Christentums anders. Paulus ging hinaus auf die Marktplätze seiner Zeit. Sogar den intellektuell verwöhnten Athenern verkündete er den „unbekannten Gott“. Diesen Gott haben wir  zuweilen sogar in unseren Kirchen vergessen. Da geht es um Moral, um Strukturreformen, um alle möglichen Angebote - und oft genug kreisen wir um uns selbst. Manchmal aber erinnern  zwei Sätze mit bloß sechs Wörtern an das, um was es eigentlich geht: „Ich bin Christ. Wir sehen uns“