Mitteilungen 07/21

Mitteilungen aus der PG (c) PG Heusenstamm
Mitteilungen aus der PG
Datum:
Sa. 5. Juni 2021
Von:
KKH/noh

Spaziergänge

Spaziergänge können erholsam - manchmal aber auch ganz schön ernüchternd sein. Etwa wenn man durch den Rembrücker Wald geht. Oder sich in den Wäldern im Harz umschaut. Da könnte man fast weinen. Unsere Wälder sehen furchtbar aus. In Rembrücken hat der Sturm eine regelrechte Schneise geschlagen. Im Harz stellt man fest: Ganze Landstriche sterben ab und verdorren. Insbesondere die Fichte hat in unseren Breiten wohl keine Zukunft mehr. Stirbt der Wald? Geht unsere Natur kaputt? Ich bin kein Biologe und kein Forstwirt. Aber soweit ich es verstanden habe: Unsere Wälder sterben nicht, aber sie verändern sich von Grund auf. Einfach weil sich das Klima verändert. Man muss schau- en, welche Baumsorten den künftigen Lebensbedingungen gewachsen sind. Aber das braucht Zeit: Als Spaziergänger werden wir noch länger die „sterbenden Wälder“ vor Augen haben. Bevor sich die Natur erholt und sich neu organisiert. Und dass sie das kann, hat sie immer wieder bewiesen.

Mir kam der Gedanke: Ganz ähnlich ist es mit unserer Kirche in Deutschland, in ganz Westeuropa. „Ist die katholische Kirche noch zu retten“? – so titelte der neueste Spiegel. Und nicht wenige prognostizieren ein Ende des (kirchlichen) Christentums in unserem Land in 20 Jahren. Da ist vieles dran. Jeder, der mit offenen Augen durch diese Welt geht, sieht die Krisenphänomene. Kirchenaustritte, sinkende Steuereinnahmen, Priesterweihen auf Tiefstständen, Glaubens- und Traditionsabbrüche... Nicht nur in der Kirche. Auch unsere Welt ändert sich in einem atemberaubenden Tempo: Digitale Revolution, neue Medien, Migration, Erlebnisgesellschaft, Sexualisierung des Alltags. Während der Glaube in Europa zum Randphänomen zu werden scheint, boomt das Christentum weltweit gesehen. Etwa im ostasiatischen Raum oder in Afrika. Was bei uns definitiv stirbt, ist unser Kirchenmodell. Das Modell, dass man irgendwie noch „automatisch“ zu einer Kirche gehört. Man wurde sozusagen in eine Kirche hineinsozialisiert. Wir müssen entdecken, dass Religion etwas ist, wofür man sich entscheiden muss: Der Glaube als persönliche Entscheidung für Jesus, für die Kirche. Davon reden wir schon lange. Aber erst jetzt ist es nicht mehr zu übersehen: Kirche, wie wir sie kennen, funktioniert nicht mehr. Das tut weh, ist aber keine „schlechte“ Nachricht. Sich für den Glauben aktiv zu entscheiden ist näher am Neuen Testament. Denn das Christentum ist original eine Konversionsreligion: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ - so sagt es Jesus. Kirchenspaziergänge in diesen Zeiten können sehr ernüchternd sein. Weil man viel Verdorrtes und Abgestorbenes sieht. Joseph Ratzinger prognostizierte 1968 (!): „Aus der Krise von heute wird eine Kirche hervorgehen, die äußerlich viel verloren hat. Macht, Einfluss, Privilegien, Größe. Aber ich bin mir sicher: Aus einer verinnerlichten und vereinfachten Kirche wird eine große Kraft strömen. Und sie wird wieder blühen und den Menschen als Heimat sichtbar werden, die ihnen Leben gibt und Hoffnung über den Tod hinaus.“

Martin Weber, Pfr.

Pfarrbüro geschlossen

Das Pfarrbüro St. Cäcilia ist vom 21. Juni bis 04. Juli 2021 geschlossen.
Das Pfarrbüro Maria Himmelskron ist am Dienstag, 22. Juni wg. Dienstgespräch geschlossen.

Sommerfreizeit 2021

Auf Grund der aktuell positiven Entwicklungen in der Corona-Pandemie plant die Katholische Jugend Heusenstamm wieder eine "richtige" Sommerfreizeit. Vom 21.08 - 29.8.2021 soll es nach Oberbernhards in die Rhön gehen. In der Woche erwartet die Kinder und Jugendlichen wieder ein buntes Programm aus Wanderungen, Ausflüge, Gottesdienst, Kreativtag, Morgen- und Abendrunden sowie den bekannten Freizeitspielen und -ritualen.

Die Anmeldung liegt in den Kirchen aus. Sie finden sie aber auch auf unsere Homepage. Anmeldeschluss ist der 11.07.2021. Bei Fragen können Sie sich gerne an jugend@katholische-kirche- heusenstamm.de wenden.

Erstkommunion 2020

Im vergangenen Jahr konnten wir die Erstkommunion in Gruppengottesdiensten feiern und bis auf 6 Familien haben alle dieses Angebot angenommen. Am Pfingstsonntag konnten diese 6 Kinder in St. Cäcilia ihre Erstkommunion feiern:. Herzlich gratulieren wir den „Nachzüglern“ und wünschen Ihnen für Ihren weiteren Lebens- und Glaubensweg alles Gute und Gottes Segen.

Caritas-Haussammlung

Die diesjährige Sommersammlung im Bistum Mainz findet in der Zeit vom 18. bis 28. Juni statt.
Die Helferinnen und Helfer aus Maria Himmelskron und St. Cäcilia treffen sich zum Kuvertieren der Briefe am Dienstag, 15. Juni, um 14.30 Uhr im jeweiligen Pfarrheim. Wer hier helfen möchte, ist herzlich willkommen.

Die Briefe liegen dann mit Straßenlisten in den Kirchen aus und dürfen gerne mitgenommen und ausgetragen werden.

Firmung 2021

Abstand halten und trotzdem nah bei Gott sein. Diese Erfahrung konnten 25 junge Menschen aus unserer Pfarrgruppe während der Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung machen. Auch in diesem Jahr musste die Firmvorbereitung neue digitale Wege gehen, um mit den Firmbewerbern und Firmbewerberinnen in Kontakt zu kommen. Das junge Katechetenteam, das die Jugendlichen auf diesem Weg begleitete, zeigte sehr viel Kreativität und Freude bei der digitalen Umsetzung der Glaubensthemen.

Am Sonntag, 13. Juni ist es dann endlich soweit: Domkapitular Jürgen Nabbefeld wird 25 Jugendliche und eine junge Erwachsene in zwei Gruppen- gottesdiensten um 9.30 Uhr und um 11.30 Uhr firmen.

Durch die gegebenen Umstände ist - wie bei allen Gottesdiensten nur eine beschränkte Teilnahme möglich. Die Firmgottesdienste werden live gestreamt und können so von zu Hause sowohl von den Angehörigen als auch von der Gemeinde verfolgt werden.

Den gefirmten Jugendlichen wünschen wir für Ihren weiteren Lebens- und Glaubensweg Gottes Mut machenden und stärkenden Geist.
Ein ganz herzliches Dankeschön gilt an dieser Stelle besonders dem Katechetenteam, das die Jugendlichen auf dem Weg zur Firmung begleitet haben.

Wortgottesdienst für Senioren im Juli

Alle Senioren und Seniorinnen der Pfarrgruppe Heusenstamm sind im Juli ganz herzlich zum Wortgottesdienst am Donnerstag, 01. Juli 2021 um 15 Uhr eingeladen. Da das Fronleichnamsfest auf den 1. Donnerstag im Juni fällt, findet im Juni kein Seniorenwortgottesdienst statt.

Eine Anmeldung für den Wortgottesdienst ist erforderlich (entweder unter der Pfarrbüronummer Maria Himmelskron Tel.: 2162 oder direkt bei Gemeindereferentin Michaele Althapp Tel.: 948516).

Kommunionkinder 2021

Auch in diesem Jahr werden die Kommunionkinder in kleineren Gottesdienste die Erste Hl. Kommunion empfangen. Die Gottesdienste wer- den am 4. Juli in Maria Himmelskron und am 11. Juli in St. Cäcilia gefeiert.

Wir freuen uns mit den Kommunionkindern und wünschen Ihnen einen erfüllten Gottesdienst und eine schöne – wenn auch kleine Feier – in der Familie.

Verstärkung des Küsterteams gesucht

In Maria Himmelskron gibt es ein kleines Team, das unseren Küster K.Kessler während seines Urlaubs vertritt. N.Holzamer und B. Stadtbäumer würden sich über Verstärkung dieses Teams freuen. Wer Interesse daran hat im Team mitzuarbeiten, meldet sich bitte bei Pfr. Martin Weber.

Bücherei

Es lohnt sich, mal wieder die Bücherei zu besuchen. Wir haben in letzter Zeit unseren Bestand um viele Roman- und Kinderbuchbestseller erweitert.

Beichtgelegenheit

Ab Juni gibt es samstags wieder die regelmäßige Beichtgelegenheit. Immer vor der Vorabendmesse – im Beichtstuhl. Natürlich ist es immer möglich eine Beichtgelegenheit direkt anzufragen und einen persönlichen Termin auszumachen. Außerdem gibt es ab Juni zusätzlich eine Beichtgelegenheit am Herz-Jesu- Freitag: Immer von 17.00 – 17.45 Uhr vor der heiligen Messe.

Pfingstpfarrbrief

Um Pfingsten ging unser Pfarrbrief in alle Haus- halte in Heusenstamm. Viele haben dazu eine gute Rückmeldung gegeben. Danke all denen, die ihn ausgetragen und an den Mann und an die Frau gebracht haben. Danke an alle, die den Pfarrbrief mit ihren Beiträgen gefüllt haben. Danke an die „begeisterten Menschen“, von denen wir erzählen durften. Ein besonderer Dank an Edith Hemberger, in deren Händen die Gestaltung und das Layout lag. Die aber auch inhaltlich viel hineingegeben hat. Alles in allem eine gelungene Sache!

Anbetung am Freitag

Seit einigen Wochen ist jeden Freitag von 12 - 18 Uhr Anbetung vor Jesus im Altarsakrament. Erstaunlich viele Menschen finden – für kurze oder längere Zeit – den Weg nach Maria Himmelskron, um an diesem Nachmittag zu beten. Eine Gruppe von Betern hat sich verpflichtet, verlässlich eine Stunde des Gebetes zu übernehmen. Auch das klappt bisher sehr gut. Natürlich wäre es klasse, den Pool zu erweitern. So dass auch bei Urlaubs- oder Krankheitszeiten die Anbetung gewährleistet werden kann. Ansprechpartnerin dazu ist sehr gerne Angela Klapper.

Familienzentrum St. Cäcilia

Das Stadtparlament hat in seiner letzten Sitzung die bisherigen Planungen für das Familienzent- rum St. Cäcilia „auf Eis gelegt“. Wie es damit nun weiter geht ist völlig offen. Der VR St. Cäcilia wird sich kommenden Gesprächen nicht verschließen. Aber natürlich auch überlegen, ob es nun alternative Überlegungen geben muss. Wie in allen Lebenssituationen gibt es „Zeitfenster“, die sich öffnen oder auch schließen. Warten wir die nächsten Monate ab.

Pastoraler Weg

Der sog. „Pastorale Weg“ geht in eine erste, heiße Phase. Es geht über den Zuschnitt der neuen, größeren Einheiten. Mehrere Modelle sind im Gespräch. Unsere Pfarrgruppe war in den letzten Monaten im intensiven Austausch mit Dietzenbach. Allerdings kam verstärkt die Fragestellung auf, ob diese Verbindung nicht möglicherweise zu klein und damit nicht zukunftstauglich genug ist. Vieles spricht für ein größeres Modell - zusammen mit Mühlheim und Obertshausen - mit oder ohne Dietzenbach. Die Diskussionen laufen. Letztlich entscheiden wird die Dekanatsversammlung am 8. Juli und abschließend der Bischof.

Ökumene – in eigener Sache

Am Wochenende des Kirchentages habe ich eine Predigt zu diesem Thema gehalten. Der eine oder die andere haben daran Anstoß genommen. Unter anderem daran, dass ich einem gemeinsamen Abendmahl sehr kritisch gegenüberstehe und von „evangelischen Gemeinschaften“ statt Kirche gesprochen habe. Manche glaubten darin „Arroganz“, Abgrenzung oder Spaltung zu erkennen. Sie können sich sicher sein, dass es mir darum nicht gegangen ist. Wenn ich mir den Wortlaut meiner Predigt anschaue, wollte ich vor allem auf zwei Dinge hinweisen: Zum Ersten, dass christliches Leben weltweit gesehen eine ungeheure Vielfalt und Pluralität hat, die man nicht über „einen Kamm scheren“ kann. Das gilt es zuerst einmal als Reichtum wahrzunehmen. Und zum Zweiten bedeutet das für mich, dass Ökumene keine Gleichmacherei sein sollte, sondern – nach dem evangelischen Theologen Oscar Cullmann – die Vision einer „versöhnten Verschiedenheit“ vor Augen haben sollte.

Darum – und nicht um Streit oder Abwertung – ging es mir. Aber auch darüber kann und darf man natürlich streiten.

Martin Weber, Pfr.

Buchbesprechung Sahra Wagenknecht: Die Selbstgerechten

Politisch aufregende Zeiten stehen uns bevor. Im September sind Bundestagswahlen. Da kann man durchaus auch einmal in einem solchem bescheidenen Presseorgan auf ein politisches Buch hinweisen. Auch wenn es von einer prominenten Vertreterin „Der Linken“ stammt, von Sahra Wagenknecht. Was sie zu sagen hat, geht durchaus über das Spektrum derer hinaus, die eine dezidiert linke Agenda haben. Sahra Wagenknecht analysiert ein Milieu, das weite Teile der öffentlichen Meinung inzwischen fast schon bestimmt und gerade daran ist, die Landkarte des Sag- und Denkbaren zu vermessen und zu bestimmen. Wagenknecht benennt es beim Namen: Es ist der Linksliberalismus, der den politischen Diskurs immer mehr bestimmt. Ganz davon abgesehen, dass für sie die Vertreter dieser Richtung weder links noch liberal sind. Wagenknecht spricht von „Lifestyle-Linken“, die sich nicht mehr um die sozialen oder ökonomischen Probleme der „kleinen Leute“ kümmern, sondern deren Denken sich um Fragen des Lebensstils, der Konsumgewohnheiten und moralischer Haltungsnoten bewegt. Stichworte dazu sind Bio, Gender oder das Ethos des Weltbürgers; die gnadenlose „selbstgerechte“ Abwertung aller anderen, die nicht so ticken. Ein anregendes Buch für alle politisch Interessierten!

Pfarrer Thomas Knedelhans

Mit großer Erschütterung haben wir vom Tod von Pfarrer Thomas Knedelhans erfahren. Er wurde nur 59 Jahre alt. Quasi über Nacht starb er an den Folgen eines Herzfehlers.

Pfarrer Knedelhans war von 2000 bis 2003 Pfarrer in St. Cäcilia und Mariä Opferung. Später arbeitete Thomas Knedelhans als priesterlicher Mitarbeiter in Rheinhessen und in Mainz, dann in Ilbenstadt und schließlich in Großlinden bei Gießen. Dort ist er auch verstorben. Thomas Knedelhans hatte viele Begabungen und Charismen und manche idealistischen Vorstellungen. Persönlich musste er einige Schicksalsschläge verdauen. Den frühen Tod seiner Schwester und eigene gesundheitliche Beeinträchtigungen. Seine geistliche Heimat hatte Thomas Knedelhans in der Schönstattgemeinschaft, der er ein Leben lang verbunden war. Wir danken Pfarrer Knedelhans für seinen Dienst als Priester und für seine Jahre in Heusenstamm. Wir beten für ihn in der heiligen Messe am Sonntag, dem 6. Juni, um 18.30 Uhr in St. Cäcilia. Wir empfehlen Pfarrer Knedelhans der Barmherzigkeit unseres Gottes und der Fürsprache der Gottesmutter.

Meditative Wanderung

Vom Team der Erwachsenenbildung ist eine meditative Wanderung geplant und zwar am Samstag, dem 10. Juli.
Informationen dazu finden Sie rechtzeitig auf der Website oder in der Presse.

Darüber hinaus erhalten Sie Informationen bei Margret Krebs, Tel. 65477 oder per Mail: KEB-Team@outlook.de 

Peter und Paul - „Ein starkes Team“

Am 29. Juni feiern wir das Fest der Apostel Petrus und Paulus; ein wichtiger Tag für katholische Christen. In dieser Zeit findet auch die Europameisterschaft statt. Dieses Zusammentreffen hat mich inspiriert, das Hochfest „Peter und Paul“ einmal unter Fußballerkategorien zu betrachten! Der klare und unumstrittene Spielführer und Kapitän der Mannschaft ist Petrus. Als einer der ersten folgt er Jesus nach: Dafür lässt er sein ganzes früheres Leben zurück. Petrus ist entschlussfreudig, begeisterungsfähig, engagiert und findet da, wo es darauf ankommt auch die richtigen Worte. Im Namen aller bekennt er sich zu Jesus: „Du bist der Sohn des lebendigen Gottes“. Und Jesus sagt ihm: Du, Petrus, sollst der Felsen sein, auf den ich meine Kirche bauen will. Da überreicht er ihm sozusagen die Kapitänsbinde, die seitdem immer wieder und ununterbrochen an die Nachfolger des Petrus, die Päpste weitergegeben wird.

Paulus dagegen steht lange im Abseits. Er sieht die Christen als Verräter der jüdischen Überlieferung an, hasst und verfolgt sie deshalb - bis der Herr ihn selbst ins Spiel hineinnimmt. Die Begegnung vor Damaskus verändert das Leben des Paulus von Grund auf: Er wird zum Christusverkünder unter den Völkern und trägt die Botschaft von Jesus in alle Welt. Und er bildet mit Petrus in der jungen Kirche eine effektive Doppelspitze. Während sich Petrus vor allem um die Kirche im Lande der Juden und die Urgemeinde kümmert, ist Paulus Denker, Theologe und Missionar. Diese Taktik ist erfolgreich, wenngleich das Zusammen- spiel der beiden nicht immer frei von Irritationen ist. Aber letztlich formen sie eine Mannschaft, die bis heute in der ganzen Welt eine große Rolle spielt, ein echter „global player“ ist. In Petrus und Paulus, der Doppelspitze, ist Einheit im Wesentlichen und Verschiedenheit in dem, wo das not- und guttut.
Beide Apostel kennen in ihrem Leben Niederlagen und Siege. Von den Niederlagen des Petrus wird so offen und ehrlich gesprochen, dass es schon fast irritiert. Das war doch der gleiche Apostel, den Jesus selber zum Spielführer der ganzen Kirche gemacht hat?! Und gerade der ist so großmäulig, so impulsiv und so schwach?! Er verrät seinen Herrn und Meister. Petrus, das macht seine Größe aus, kehrt um, bereut, weint. Und Jesus verzeiht ihm. Auch Paulus kennt sich mit Niederlagen gut aus. Wie viel Widerstand muss er bei seinen Missionsreisen erfahren. Oft wird er geschlagen, immer wieder erleidet er Schiffbruch und ist um seines Glaubens willen im Gefängnis. Er schlägt sich herum mit seinen menschlichen Schwächen und Krankheiten, die ihn immer wieder daran erinnern, dass er nur ein schwaches Werkzeug in der Hand seines Herrn ist. Siege darf Paulus aber auch genießen. Er gründet in Griechenland und Kleinasien Gemeinden, die das Christentum auch außerhalb Israels heimisch werden lassen.

Aber bei einer Meisterschaft kommt es immer auf das Finale, das Endspiel an. Dieses sieht bei Petrus und Paulus allerdings anders aus, als wir es uns gemeinhin vorstellen. Das Endspiel hat

im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrem Ende, ihrem Tod zu tun. Beide Apostel, so sagt es uns die Überlieferung, erleiden zwischen 64-67 in der Zeit der Christenverfolgung unter Nero den Tod. Paulus wird durch das Schwert hingerichtet, Petrus erleidet wie Jesus den Kreuzestod. Der Bericht über das Martyrium der beiden steht nicht im Neuen Testament, ist aber in anderen Quellen gut bezeugt. Stolz beruft sich die Gemeinde in Rom immer wieder auf Petrus und Paulus und verweist auf deren „Siegeszeichen“. Diese Siegeszeichen sind nichts anderes als die Gräber der Apostel, die wir auch heute noch – nach zwei Jahrtausenden-an den- selben Orten verehren! Diese Gräber sind aber deshalb „Siegeszeichen“ weil sie nicht Orte des Todes, sondern des Lebens sind. Gott hat beide hineingenommen in das himmlische Finale furioso! Oder mit den Worten des Paulus selbst: „Was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gedrungen ist, das will Gott denen bereiten, die ihn lieben.“ Und geliebt haben Petrus und Paulus, leidenschaftlich und glühend und doch so verschieden, wie sie eben verschieden waren. Damit sind sie für uns eine Verkörperung des Katholischen, das ja immer Einheit in Verschiedenheit ist. Der eine Glaube, der die vielen Menschen und Völker verbindet.

Die Apostel Petrus und Paulus seien uns Vorbilder und Fürsprecher, damit auch wir zur Familie, zur Fanmeile Jesu Christi gehören, die bei aller Verschiedenheit der Menschen und Charaktere den- noch geeint ist in dem Bekenntnis des Petrus: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Martin Weber, Pfr.