Populismus

KB-Kommentar (c) PG Heusenstamm
KB-Kommentar
So 3. Nov 2019
Martin Weber

… ist ein Wort, das man allenthalben hört. Da steckt das Wort „populus“ drin: Das Volk. „Wir sind das Volk“ haben die Menschen vor 30 Jahren gerufen. Volksnahe Politiker gelten als vertrauenswürdig, dem Volk „auf`s Maul schauen“ ist seit Luther sprichwörtlich. In Abgrenzung dazu versteht man unter Populismus eine Strömung, die die Dinge so vereinfacht, dass das Ganze eine falsche Richtung einnimmt. Die Menschen – „das Volk“ – manipuliert. Das Paradebeispiel des Populisten ist Donald Trump. Populistische Strömungen gelten als eine Bedrohung und werden weltweit registriert.

Allerdings muss man aufpassen. Denn natürlich ist auch hier vieles dem Blickwinkel geschuldet. Es gibt verschiedene Arten von Populismus, nicht nur den „rechten“, der in unserem Land oft beklagt wird. Auch bestimmte Formen des Klimaprotestes agieren für mein Empfinden populistisch, indem sie vereinfachen und vorgaukeln, dass doch alles so eindeutig sei, dass nur böser Wille das anders sehen könne.

Populismus gibt es auch in der Kirche. Ein Beispiel, das ich sehe: Wir haben in den letzten Monaten und Jahren sehr intensiv über das Übel des Kindesmissbrauchs gesprochen. Dabei hat sich immer mehr eine Lesart herausgeschält, die wie ein Mantra dahergebetet wird. Dass alles systemisch bedingt sei, dass das „Männerbündische“, der  Zölibat und Klerikalismus an allem schuld sei. Ich halte das für eine populistische Argumentation, die Stimmung macht, aber im Grunde andere Ziele verfolgt.

Für mich ist es ein Spagat: Den Populismus im Sinne der „schrecklichen Vereinfacher“ zu vermeiden, aber trotzdem ein Gespür dafür haben, was die Menschen, „das Volk“ bewegt. In diesem Sinne „volksnah“ zu sein oder dem „Volk auf`s Maul“ zu schauen ist nicht populistisch, sondern versucht nahe bei den Menschen zu sein.

In diesen Tagen haben die Mitglieder unserer Pfarrgemeinden neben den Wahlunterlagen einen Fragebogen erhalten. Darin gibt es vielfältige Möglichkeiten zu sagen, was einem an „der Kirche“ gefällt, was man kritisch sieht oder - und das ist den Initiatoren besonders wichtig - was man von ihr erwartet. Ich sehe in dieser Initiative unseres Pfarrgemeinderates einen Weg hin zu den Menschen. Es gibt sicher noch viele andere. Ich bin gespannt auf die Reaktionen und darauf, was das „Kirchenvolk“ in Heusenstamm so denkt, wie es tickt. Und was man daraus für Folgerungen ziehen kann. In einem Gebet heißt es: „Guter Gott, mache uns offen für das, was die Menschen bewegt, dass wir ihre Trauer und Angst, ihre Freude und Hoffnung teilen und als treue Zeugen der frohen Botschaft mit ihnen Dir entgegengehen.“

Das wir so als Volk Gottes unseren Weg in die Zukunft gehen wünsche ich mir!