Und wie geht`s? – Es geht.....“

KB-Kommentar (c) PG Heusenstamm
KB-Kommentar
Fr 31. Jul 2020
Martin Weber

Vermutlich haben Sie so einen Dialog schon öfter geführt. Die Frage wie es einem geht und der Verweis: Es geht halt. So banal das klingt, ist es doch ein Hinweis auf etwas sehr Menschliches. Wir gehen durch dieses Leben. Wortwörtlich. Mit unserem Körper, mit unserem Bewegungsapparat. Das kann eingeschränkt sein durch Krankheit, durch Behinderung. Oder wir haben keine Lust zum Gehen. Oft ersetzen wir das Gehen durch eine Unmenge von schnelleren Fortbewegungsmitteln. Ich bin zum Beispiel im Urlaub zum ersten Mal mit einem E-Bike gefahren und war begeistert. Mobil zu sein gehört zu unseren Grundbedürfnissen. Und doch hat das schlichte Gehen seine Bedeutung nicht verloren. Im Gegenteil. In vielfältiger Weise wird es neu entdeckt. Etwa in Form des Pilgerns. Interessanterweise etwas, das nicht nur den Frommen zusagt. Von den Gehern des Jakobusweges wissen wir, dass nur eine Minderheit der Pilger explizit religiös motiviert ist. Eine Mehrheit sieht darin eine Art Sinnsuche oder die Möglichkeit der Selbsterkenntnis. Manche gehen diesen Weg, nachdem sich in ihrem Leben manches geändert hat. Andere suchen für sich eine Klärung oder Entscheidung.

Im Laufen kommen viele Dinge zusammen. Schritt für Schritt den Weg zu gehen. Sich einem Ziel langsam nähern. Zeit haben, den Weg und die Umgebung des Weges wahrzunehmen. Aber auch Zeit haben, den Gedanken nachzuhängen. Zu erspüren, was alles hochkommt in mir. Das ganze Sammelsurium von Erinnerungen, Assoziationen, Empfindungen, Gedanken. Manchmal langweilig, ja monoton, manchmal überraschend. Gleichzeitig spürt man seinen Körper: Hunger, Durst, Erschöpfung. Die Leichtigkeit des Anfangs, das Durchhalten, die Freude des Ankommens. Jakobuspilger erzählen, dass es sehr wohltuend ist, lange Strecken allein zu laufen. Berichten aber auch von vielen schönen Begegnungen zwischendurch. Alleinsein und Gemeinschaft tarieren sich aus. Auf jeden Fall: Im Gehen ordnet sich vieles.

Es muss aber nicht gleich Santiago sein. Demnächst haben wir wieder unseren Mariengang: Eine Miniwallfahrt. Oder die Erfahrung: In diesen Corona Zeiten sei man öfter und nachhaltiger gehend unterwegs. Aber auch hier gilt: Darüber reden reicht nicht, man muss es schon tun.

In einem alten Lied heißt es: „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh, mit mancherlei Beschwerden, der ewigen Heimat zu.“
Und ein neues geistliches Lied lässt uns singen: „Pilger sind wir Menschen, auf dem Weg zu Gott, unerfüllte Sehnsucht treibt uns fort und fort“.

Und ich denke mir manchmal - auch angesichts der großen Umbrüche, vor denen wir stehen: Ja, so sollte Christ- sein heute aussehen. Nicht satt, saturiert. Sondern unterwegs sein auf ein großes und schönes Ziel hin. Das letztlich nichts und niemand anderes als Gott selbst ist.