Was kostet die Messe?

KB-Kommentar (c) PG Heusenstamm
KB-Kommentar
Do 15. Aug 2019
Norbert Holzamer

So fragen Leute manchmal, wenn sie in den Pfarrbüros eine Messe „bestellen“. Und unsere Sekretärinnen antworten meist: Sie dürfen gern eine Spende, einen Beitrag geben.

Das alles hat eine lange Tradition. In den frühen Zeiten des Christentums brachten die Menschen Naturalien mit zur heiligen Messe: Brot, Wein oder auch Früchte, die sie spendeten, opferten. Und damit auch zur Unterhaltung der Kirche bei- trugen. Oft verband man damit auch ein besonderes Anliegen, für das in der heiligen Messe gebetet wurde. Aus dem ist dann die sehr alte Sitte entstanden, dass man eine finanzielle Gabe gibt, die mit einem Gebetsanliegen verbunden ist. In manchen Ländern dieser Welt ist das bis heute sehr wichtig, um die Kirche überhaupt zu unterhalten. Als ich vor kurzem in Peru war, sah ich im Eingangsbereich mancher Kirchen Listen, wo genau aufgelistet ist, was Messen, aber auch Taufen und Hochzeiten „kosten“. Das ist in Deutschland anders. Aber der Grundgedanke bleibt: Dass man eine Gabe gibt, die mit einem Gebetsanliegen verbunden ist. Besonders kennen wir das, wenn wir in den Seelenämtern für Verstorbene beten. Oder am Geburtstag oder Sterbetag („Jahrgedächtnis“) verstorbener Familienmitglieder oder Freunde gedenken. Immer wieder kommen aber auch Leute und sagen mir: Beten Sie doch in der Messe in diesem oder jenem besonderen Anliegen. Seien das freudige Anliegen: Bei Ehejubiläen, zum Dank. Oder aber in schwierigen Situationen. Sehr oft in Krisenoder Krankheiten. Für sich oder für andere.
Am Anfang stand die Frage: Was kostet die Messe? Die richtige Antwort wäre eigentlich: Die Messe ist unbezahlbar! Man kann sie nicht kaufen. Sie ist die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi. All die Liebe und Hingabe Jesu am Kreuz und auch die Kraft seiner Auferstehung wird in ihr zur Gegenwart. Und die Kirche darf mithelfen, dass wir dies immer wieder feiern dürfen. So wird das Opfer Christi auch das Opfer der Kirche. Das 2. Vatikanische Konzil spricht davon, dass die Messe der Quell und Mittelpunkt allen kirchlichen Lebens ist.
Vielleicht wird von daher verständlich, dass wir Messe nicht nur am Sonntag feiern. Gewiss ist der Sonntag der bevorzugte Tag dafür: Der Herrentag, der Auferstehungstag! Aber wir feiern die Messe auch an allen anderen Tagen. Die Werktagsmessen empfinde ich persönlich als großes Geschenk. Vieler Heiliger gedenken wir an diesen Tagen. So mancher Feste, die auf den Werktag fallen. Das Gedenken an die Engel. Roratemessen, Bittmessen. Oft tut sich die Weite des Katholischen gera- de in den Werktagsmessen auf. Dabei ist die Form bescheiden. Kürzer als am Sonntag. Nicht so feierlich. Ohne Predigt. Aber das gleiche unfassbare und unbezahlbare Mysterium: Die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi, die höchste Verehrung des dreifaltigen Gottes. In das wir mit hineingehen dürfen: Durch unser Dabei- sein, unser Beten. Und manchmal auch durch eine eigene Opfergabe und Gebetsanliegen.


Ihr Martin Weber, Pfr.