Schmuckband Kreuzgang

Das Wort zum Sonntag

Ihr seid das Salz der Erde – Ihr seid das Licht der Welt“ - Mt 5,13-16

Pfarrer Karl Zirmer (c) Markus Schenk, Büttelborn
Pfarrer Karl Zirmer
Datum:
Fr. 3. Feb. 2023
Von:
Karl Zirmer, Pfarrer, Pastoralraum AKK-Mainspitze

Das Bildwörter vom „Salz der Erde“ und vom „Licht der Welt“ erinnern mich an die Minderheitensituation in der wir uns als Christen immer mehr in unserer Gesellschaft erfahren. Die Fakten sind bekannt und für viele von uns bedrückend: Schon seit vielen Jahren erleben die Kirchen in Deutschland einen Schrumpfungsprozess. Wir werden weniger! Inzwischen sind es weniger als 50% der bundesdeutschen Bevölkerung, die einer der beiden großen Kirchen angehören. Nicht nur die Zahl der Mitglieder geht zurück; auch die Zahl der Gottesdienstteilnehmer nimmt ab, weniger Priester, weniger Hauptamtliche, weniger Ehrenamtliche, weniger aktive Christen, weniger personelle und finanzielle Ressourcen. Diese Tatsachen sind unbestreitbar und wirken oft deprimierend. Andererseits gilt uns auch der Zuspruch Jesu, den uns der Evangelist Lukas überliefert hat: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben“ (Lk 12,32).

Die Gemeinde der Christen war in ihrer Entstehungszeit ganz klein, und sie wird auch heute in Europa wieder ganz klein sein. Aber das bisschen Salz war so kräftig, dass nur wenige Körner genügten, um die Speise der Welt zu durchdringen, sie vor Fäulnis zu schützen und sie schmackhaft zu machen. Die Suppe braucht nur die richtige Menge Salz, das genügt! Und zur kleinen Christenschar wird gesagt: „Ihr seid das Licht der Welt“. Das kleine Licht der Urchristen hat die ganze Welt beleuchtet.

Es kommt nicht darauf an, wie viele Menschen zur Kirche gehören. Es kommt darauf an, dass die, die sich Christen nennen, es aus innerer Überzeugung sind. Es kommt nicht darauf an, wie viele Menschen sonntags zum Gottesdienst kommen. Es kommt darauf an, dass die, die dabei sind, mit Freude und Begeisterung mitfeiern. Es kommt nicht darauf an, wie viele Menschen die Sakramente empfangen. Es kommt darauf an, wie viele ihr Leben aus ihrem christlichen Glauben heraus gestalten.

Jesus sagt nicht: „Werdet Licht der Welt…werdet Salz der Erde“, sondern er spricht zu uns und damit auch zu der heutigen Kirche: „Ihr seid das Licht der Welt, ihr seid das Salz der Erde!“ Damit erklärt uns Jesus, dass nicht wir das Licht und das Salz machen, sondern dass Gott es uns geschenkt hat. Die Kraft kommt nicht aus den Christen, aus ihrer Heiligkeit, sondern von Gott. Er selbst macht uns zum Salz, er selbst macht uns zum Licht.

„Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt! Euer Licht soll vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16). Zwei Hinweise, wie wir diese Worte Jesu in unserem Alltag umsetzen könnten.

Erstens: Die Möglichkeiten, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, sind ganz einfache und naheliegende Dinge; man muss nicht weit suchen, man kann hier und jetzt damit beginnen; und jeder kann es, wenn er das Herz auf dem rechten Fleck hat; und eigentlich gibt es keine triftigen Gründe, dies nicht zu tun. Ein Lächeln, ein freundliches Wort, eine helfende Tat: Das kostet nicht viel, das kann doch jeder von uns tun!

Zweitens: das Ziel, das alle Menschen ohne Ausnahme in Gerechtigkeit, Solidarität und Liebe und Frieden wohnen können, scheint unabsehbar fern. Diese Unermesslichkeit der Aufgabe kann entmutigen:“ Wie soll das gehen? Es wird ja doch nichts!“ Wenn wir aber mutlos werden, dann halten wir uns gerne auf mit allen möglichen Wenn und Abers, die scheinbar vernünftig sind, die uns aber auch abhalten und die Kraft rauben, einfach zu tun, was möglich ist und naheliegt. Und doch: Einem, der in Not geraten ist, einige Schritte weiterhelfen und mit einem guten Wort Mut zu machen, ist bei Weitem nicht alles, was nötig ist, aber es ist besser als gar nichts zu tun und sich abzuwenden von der Not.

In der Versuchung, unsere Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden für alle fahren zu lassen, kann uns die Verheißung Mut machen: Die vielen kleinen Bemühungen um Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden- für sich allein sind sie unzureichend, ungenügend, das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit für alle ohne Ausnahme aufzurichten. Und doch – so die Verheißung der Propheten und die Botschaft des Evangeliums: Sie sind schon Licht in der Welt, „das vor den Menschen leuchtet“

(Mt 5,16) und „Licht in der Finsternis“ (Jes 9,1; 60,2). Dieses Licht soll man nicht „unter den Scheffel stellen“., sondern „auf den Leuchter“, damit es „allen im Haus leuchtet“ (Mt 5,15). A m e n.