Das Bild der Frau, mit der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von 12 Sternen, stammt aus dem Buch der Geheimen Offenbarung des Johannes.
Die Frau verkörpert das Gottesvolk Israel. Aus ihm geht der Messias, Jesus Christus hervor. Die zwölf Sterne weisen hin auf die 12 Stämme Israels im Alten Testament; und auf die zwölf Apostel im Neuen Testament. Der Drache verkörpert mit seiner blut- und feuerroten Haut das Böse, den Hass, die todbringende Gewalt. Er tut alles, um das Kind zu verschlingen. Deshalb verfolgt und bedrängt er die Frau.
Der Verfasser der Geheimen Offenbarung möchten den christlichen Gemeinden, die schweren Verfolgungen ausgesetzt sind, Mut machen. Der Drache kann das Kind nicht verschlingen. Es wird zu Gott entrückt. Der gekreuzigte Messias wird von den Toten auferweckt und aufgenommen in den Himmel.
Seit dem 6.Jahrhundert wird das Bild der Frau mit dem Kranz von 12 Sternen auch auf Maria bezogen. Was wir von der Kirche, dem Volk Gottes glauben, das hat Maria schon erhalten: die ewige Vollendung in der Herrlichkeit Gottes. Maria mit Sternenkranz und Sonnenstrahlen, den Mond unter ihren Füßen, steht dafür, dass sich das Gute am Ende durchsetzen wird. Für uns heißt das: Nicht die Autokraten und die Herren dieser Welt, die ihre Macht missbrauchen und den Frieden gefährden haben das letzte Wort in der Weltgeschichte, sondern der gütige und menschenfreundliche Gott.
Der Blick auf Maria hat schon vielen Menschen Kraft in ihrer persönlichen Not gegeben. Denn Maria hat selbst Not und Leid erfahren. Sie spürte die Macht des Drachen, die Macht des Bösen. Denken wir nur an die Flucht nach Ägypten. Sie musste Jesus vor dem mörderischen Hass des Herodes schützen, kaum dass ihr Sohn geboren war. Schon bei der Flucht nach Ägypten wird aber deutlich: Gott hat Maria und Josef geführt und bewahrt, so dass Jesus gerettet werden konnte. Die Macht des Drachen endet an der Macht Gottes. Er lässt sein Volk nicht im Stich. Maria ist für uns zum großen Zeichen am Himmel geworden, zu einem Zeichen der Hoffnung und Erlösung. Maria macht uns Mut, den Weg des Glaubens konsequent zu gehen.
Die Bibelforscher sind sich darin einig, dass man das Bild der Frau mit dem Kranz von 12 Sternen, sowohl auf die Kirche als dem Volk Gottes, als auch auf Maria, der Gottesmutter beziehen kann. Maria wird oft als Urbild der Kirche bezeichnet. Dazu einige Gedanken.
1.Maria ist die Geisterfüllte, die Gnadenvolle. Der Engel Gabriel sagt zu ihr bei der Verkündigung: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“.
Der Heilige Geist erfüllt auch die Kirche. Ja der Heilige Geist, macht erst die Kirche zu dem, was sie eigentlich ist. Ich habe gelernt, dass die Kirche mehr ist als nur eine menschliche Gemeinschaft. Wenn die Kirche nur eine menschliche Organisation wäre, dann wäre ihre Situation in der Tat trostlos und hoffnungslos. Aber die Kirche ist mehr. Was mit diesem „Mehr“ gemeint ist, können wir beim Apostel Paulus im 12.Kapitel des 1.Korintherbriefes nachlesen. Paulus schreibt: „Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm.“ In der Taufe wurden wir durch den einen Geist in den „Leib Christi“ aufgenommen.
Ich habe den Eindruck, diese Wahrheit ist vielen Menschen gar nicht mehr bewusst. Sie sehen in der Kirche nur eine menschliche Institution, voller Schwächen und Sünden. Viele haben Probleme mit dem menschlichen Versagen der Kirche und treten aus der Kirche aus.
Das menschliche Versagen der Kirche kann zu schweren Glaubenskrisen führen. Dennoch wäre der Auszug aus der Kirche- weil man an ihrem Versagen Anstoß nimmt- der falsche Weg, ein Weg, der in die Sackgasse führt.
Ich sage das als einer, der selbst am menschlichen Versagen der Kirche schwer gelitten hat. Aber trotz allem, was ich bisher in dieser Kirche, auch durch diese Kirche erlebt habe, stehe ich zu ihr und will ihr dienen. Ich stehe zu dieser Kirche, weil ich Christus auch heute noch in seiner Kirche finde. Darum bin ich trotz aller schmerzlichen und enttäuschenden Erfahrungen, die nicht ausbleiben, dankbar für die Kirche. „Bei Jesus bleiben“ heißt für mich immer auch „in der Kirche bleiben“.
Es gibt viele Statuen, auf denen Maria mit dem Jesuskind dargestellt wird. Auf dieses Kind kommt es eigentlich an! Denn es war für Maria der Mittelpunkt ihres Lebens.
Wir ehren Maria nur, weil sie die Mutter Jesu und damit die Mutter Gottes geworden ist. Wir rufen sie an, weil wir durch sie zu Jesus kommen wollen. Indem wir Maria ehren, ehren wir Gott selber. Indem wir sie ehren, preisen wir die Macht der göttlichen Gnade, die sich in ihrem Leben auf wunderbare Weise gezeigt hat.
Marienverehrung ist nicht Selbstzweck. Maria will uns nicht für sich gewinnen. Sie will Hinweisen auf Jesus, sie will uns hinführen zu ihrem Sohn. Darum heißt der Grundsatz katholischer Marienverehrung: „Mit Maria zu Jesus!“ Um zu Jesus zu gelangen, muss man nicht den Umweg über Maria gehen. Man kann direkt zu ihm gehen. Aber viele Menschen finden leichter zu Jesus durch Maria. Das wird besonders an den großen Wallfahrtsorten deutlich. So auch hier in Altötting oder in unserer alten Heimat in Maria-Radna. Das zeigt sich aber auch darin, dass viele Kirchen den Name Mariens tragen.
Ich bin sicher, eine richtig verstandene, biblisch fundierte, auf Christus ausgerichtete Marienverehrung stellt auch heute noch eine Bereicherung unseres Glaubens dar.
Auf Jesus hinweisen – das ist auch die Aufgabe der Kirche, ja die Aufgabe eines jeden Christen. Jesus und seine Botschaft den Menschen unserer Zeit bekanntzumachen, zu vermitteln, darum geht es. Zeugnis geben von der Hoffnung, die uns erfüllt, von der Liebe Gottes, die uns geschenkt wurde.
In diesem Wort „mir geschehe“ ist alles enthalten, was wir als Christen tun sollen und auch tun können. Mit Maria sollen wir deshalb immer wieder sprechen: „Ich will tun, was Gott von mir verlangt; ich will tragen, was Gott mir auferlegt.“
Der Wille Gottes äußert sich z.B. in unseren alltäglichen Pflichten und Aufgaben. Lernen wir von Maria die gewissenhafte Erfüllung unserer Verpflichtungen, auch dort, wo uns niemand kontrolliert, wo wir keinen Tadel und keine Strafe wegen Versäumnisse zu befürchten haben. Echte Treue erweist sich im Kleinen, im Verborgenen. Von uns werden keine außergewöhnlichen Taten, keine Heldentaten verlangt. Kleine Taten können auch mächtig groß sein, wenn wir sie mit großer Liebe tun.
Nicht immer ist es leicht, Gottes Willen zu erfüllen. Maria lädt uns ein, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen und ein Leben mit Gott zu wagen. Gewiss erwartet Gott von uns, dass wir bereit sind seinen Willen zu tun, auch wenn uns dies manchmal schwerfällt. Vergessen wir aber nicht: Die Erfüllung seines göttlichen Willens ist zugleich unsere eigentliche Selbstverwirklichung.
Aufgabe der Kirche ist es, nicht nur auf den Willen Gottes aufmerksam zu machen, sondern diesen göttlichen Willen im Alltag auch zu erfüllen. Darin ist Maria Vorbild eines jeden Christen und Urbild der Kirche.
Wer bereit ist wie Maria „Ja“ zu sagen zu Gott und zu seinem Willen, der wird es nicht immer leicht haben, aber er darf die Gewissheit haben, dass er ein sinnvolles, erfülltes Leben finden wird.
A m e n