Schmuckband Kreuzgang

Glockenschlag am 12.5.22

Streik der ErzieherInnen

Gemeindereferentin Hiltrud Knodt
Gemeindereferentin Hiltrud Knodt
Datum:
Do. 12. Mai 2022
Von:
Gemeindereferentin Hiltrud Knodt

In der letzten Woche rief die Gewerkschaft Verdi zu Streiks auf – in verschiedenen Bundesländern gingen Erzieher, Erzieherinnen, Sozialassistentinnen und Sozialassistenten auf die Straßen, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Gut, dass wir in einem Land leben, in dem – endlich – auch klar die Bedingungen benannt werden, unter denen Kinder in vielen (öffentlichen) Einrichtungen pädagogisch betreut werden. Gut, dass unsere ganze Gesellschaft sich – notgedrungen – damit beschäftigen muss, was mit den Kleinsten unter uns passiert. Was sind uns die Kinder wert?

Wir haben uns daran gewöhnt, dass viele Eltern immer weniger Zeit für ihre Kinder haben, weil sie z.T. mehrere Arbeitsstellen brauchen, um den Alltag zu finanzieren (Dach über dem Kopf, Essen gut und genug für alle, Teilhabe am kulturellen Leben). Das ist schlimm genug, aber ein anderes Thema. Wir haben uns daran gewöhnt, dass viele Familien zerbrechen und die Kinder lernen müssen, zwischen Mutter und Vater zu pendeln und ihr Zuhause „in sich selbst“ zu finden. Finden wir es hinnehmbar, dass die, die tagtäglich die Kinder betreuen, die einen Beruf ergriffen haben, weil ihnen besonders die „kleinsten“ Menschen wichtig sind, die sie auffangen, betreuen, fördern wollen, nur noch mit Frust zur Arbeit gehen? Oder aus Überforderung wochenlang krank sind und damit die personelle Situation noch verschärfen? Ist uns klar, was passiert, wenn immer weniger Menschen in die pädagogischen und pflegerischen Berufe gehen wollen?

Was sind uns die „Kleinsten“ wirklich wert? Ich träume (immer noch) von einer Gesellschaft, die es hinkriegt, dass das, was wir erwirtschaften, nicht in die Portemonnaies von Leuten wandern, die sowieso nicht mehr wissen, was sie damit anfangen sollen, sondern dahin fließt, wo es wirklich gebraucht wird und ein Segen für uns alle wäre: wenn wir dafür sorgen, dass die „Kleinsten“ gute Bedingungen, liebevolle und fördernde Zuwendung erhalten, dann muss uns das auch teuer sein, dann müssen wir dafür sorgen, dass die Bedingungen für die Menschen, denen wir die Kinder für einen beträchtlichen Anteil ihrer Kinder-Zeit anvertrauen, die besten sind, die es gibt: Zeit, Persönliche Zuwendung, qualitativ hochwertige Entwicklungsmöglichkeiten.

In der Sozialwissenschaft gibt es den Begriff „Human-Kapital“. Wenn es so ist, dass die Menschen unseres Landes das wichtigste Kapital sind, das wir haben, dann ist es umso dringender, sich klar zu machen, was mit diesem Kapital passiert. Viel zu oft setzen wir da an, wo das „Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, stocken Sicherheitskräfte auf, weil Menschen ihre Aggressionen nicht im Griff haben und eine Gefahr für alle werden. Wenn wir kapieren, dass wir Geld in die Bundeswehr stecken müssen, dann sollten wir auch kapieren, dass wir Geld in die (Herzens-)Bildung von unseren Kindern stecken müssen – in bessere Rahmenbedingungen, bessere Bezahlung, gute Ausbildung von pädagogischen Kräften.

Und was können wir als Kirche tun? Räume schaffen, damit Kinder und Familien sich wohl fühlen und auftanken können. Es gibt viele Menschen, die sich – ehrenamtlich - dafür einsetzen, dass Kinder und Familien (nicht nur) in prekären Situationen gut aufgefangen werden. Was z.B. besonders an ehrenamtlichem Engagement für die Frauen und Kinder, die aus der Ukraine bei uns ankommen von Kommunen und Kirchen auf die Beine gestellt wird ist einfach phantastisch, aber es sollte uns allen ein dauerhaftes großes Anliegen sein, dass die (öffentlichen) KiTas und Schulen die Rahmenbedingungen und das gute Personal bekommen, das sie benötigen.