Schmuckband Kreuzgang

Kolumne 31

... über persönliche Krisen und die Kräfte des Humors

Dr. Peter A. Schult (c) Dr. Peter A. Schult
Dr. Peter A. Schult
Datum:
Sa. 10. Apr. 2021
Von:
Michael Marx

Eine Krise ist immer mit einer inneren Erschütterung verbunden. Nicht selten wird dabei auch unser ganzes Denken verunsichert. Manchmal schnürt es uns den Hals zu.

Der Blutdruck spielt verrückt. Schlaflosigkeit. Wie da einen kühlen Kopf bewahren? Nicht selten entsteht sogar dabei eine gewisse Panik und ein Aufsuchen des Arztes wird erforderlich. Was ist zu tun?

Therapeuten raten uns: Lasse diesen Zustand zunächst zu. Nicht unterdrücken, sondern ihn wahrnehmen. In Ruhe überlegen, was wohl der Auslöser der Krise war. Und auch bei aller Verunsicherung fragen, wo es Halt gibt und welche bleibende Kraft im Inneren eines Menschen zu finden ist. Wie habe ich in Vergangenheit auf Krisensituationen reagiert, ist eine nützliche Frage. Das sind die inneren Resilienzen, von denen neuerdings so gerne gesprochen wird. Indes sollten wir auch nicht vergessen: Wenn jemand sich in einer Krise befindet, besteht immer die Gefahr, alles schwarzzusehen. Deshalb werden wir uns  um eine sachliche Nüchternheit bemühen und dabei erkennen, dass die Krise kein Weltuntergang ist. Vielleicht sollten wir uns um ein besseres Licht, im wahrsten Sinne des Wortes bemühen. Nicht selten ist eine Krise aber auch eine Herausforderung, gänzlich neue Wege und neue Maßstäbe zu entwickeln. Viele Menschen haben mir erzählt, dass sie durch eine Krise auf einen neuen Weg gebracht wurden. Manche berichteten von einem großen Reifungsschritt. Ein krebskranker Mann etwa ist inzwischen dankbar, dass der Krebs ihn heimgesucht habe. Denn die Krankheit habe ihm die Augen geöffnet für das, was wirklich im Leben zählt. Er konnte seine bisher langweiligen Beziehungs-Muster in seiner Familie völlig umstellen. Jetzt wirkt er froh und inspiriert.

Auch die Corona-Krise ist eine Herausforderung für die Psyche. Neben Struktur und Notfallpläne hilft aber vor allem: Humor! Mit dem Schaffen von Distanz durch Humor beschäftigte sich auch der berühmte Psychiater Viktor Frankl (1905 – 1997), der Urvater des Humors in der Psychotherapie. - Er sagt: „Humor ist die einzige Waffe im Kampf um den Selbsterhalt der Seele“. Recht hat er. Und der aus Mainz stammende Religions-Philosoph Romano Guardini berichtet: „Das freundliche Lachen über die Sonderbarkeit alles Menschlichen – das ist (überzeugender) Humor“.

„Nur keine Panik“, beruhigt der emsige Chirurg den ängstlichen Patienten. „Wir haben diese Operation schon 30-mal gemacht. Irgendwann muss sie ja mal klappen“.