Schmuckband Kreuzgang

Predigt zum Pastoralen Weg

Unsere Vision von Kirche

Pastoraler Weg  im Dekanat Rüsselsheim (c) Heinrich Witting
Pastoraler Weg im Dekanat Rüsselsheim
Datum:
Do. 24. Dez. 2020
Von:
Pfarrer Karl Zirmer

Der Pastorale Weg, zu dem unser Bischof Peter Kohlgraf die Gemeinden des Bistums vor mehr als zwei Jahren eingeladen hat, ist ein Versuch der Bistumsleitung eine Antwort zu geben auf die pastoralen Herausforderungen unserer Zeit. Zu Recht hat Bischof Kohlgraf von Anfang an betont, dass es dabei nicht nur um Strukturfragen geht. Es geht nicht nur um die Frage, welche Gemeinden schließen sich zusammen, wer geht mit wem. Unsere ganze Pastoral steht auf dem Prüfstand. Die Grundfragen lauten: Wie können wir die bleibende Botschaft Christi den Menschen unserer Zeit nahebringen? Wie kann eine immer kleiner werdende Kirche in einer säkularisierten Welt präsent bleiben? Deshalb war es richtig, dass wir uns im Dekanat und auch in der Pfarrgruppe bisher mit inhaltlichen Fragen auseinandergesetzt haben. Wir haben eine Pastorale Bestandsaufnahme gemacht: Was sind unsere Schätze? Wo gibt es weiße Flecken im Leben unserer Gemeinden? Welche Angebote werden nur noch künstlich aufrechterhalten? Es wurden in Interviews verschiedene Menschen befragt: Was brauchen die Menschen? Was erwarten sie von der Kirche? 

In einem nächsten Schritt haben wir über unsere Visionen nachgedacht, uns Gedanken über Schwerpunkte künftiger pastoraler Arbeit gemacht. 

Das Ergebnis dieser Überlegungen sehen sie auf der ersten Seite im anliegenden Flyer; im Bild der Kirche als einem Haus.

Unser Haus der Kirche hat ein festes Fundament. Es ist die Botschaft von der Liebe Gottes zu uns Menschen (1 Joh 4,16b). Gott hat uns zuerst geliebt. Unsere angemessene Antwort auf diese unverdiente Liebe Gottes kann nur die Befolgung des Hauptgebotes der Gottes- und der Nächstenliebe sein (Mt 22,37.39b).

Damit die pastorale Arbeit reibungslos verlaufen kann, wünschen wir uns eine "Klare Strukturierung und Aufgabenverteilung im Leitungsteam" und einen achtsamen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. Zu den Ressourcen gehören nicht nur die Finanzen und Immobilien, sondern vor allem die Menschen, die in unseren Gemeinden aktiv sind: die Ehrenamtlichen und die Hauptamtlichen.

Bei der Festlegung der Schwerpunkte sollen die vier Grundbereiche der seelsorglichen Arbeit gleichermaßen berücksichtig werden. Diese sind die Diakonie, die Verkündigung und Katechese, die Feier der Liturgie und der Sakramente sowie die Pflege der Gemeinschaft.

Im Dach der Kirche ist unsere Vision von einer zukunftsfähigen Kirche festgehalten: Wir wollen eine offene und präsente Kirche sein, die in Gott verankert und den Menschen zugewandt ist! 

Das „Wir“ ist ein Hinweis auf unsere Taufberufung: „Du hast uns, Herr, gerufen…“. Jeder von uns ist gefragt, auf jeden einzelnen kommt es an. Die Zukunft der Kirche hängt davon ab, wie viele Mitglieder dieser Kirche ihre Taufberufung ernst nehmen und ihr Leben danach ausrichten. 

Die Zukunft der Kirche in der Mainspitze wird nicht in Rom oder in Mainz entschieden! Die Zukunft der Kirche bei uns wird hier vor Ort entschieden: Wie viele Menschen aus unseren Gemeinden sind bereit als aktive Christen die Botschaft Jesu in unserer Zeit präsent zu machen? 

Eine offene Kirche: Offen für Neues, für Veränderungen, für Ungewohntes. Offen für Menschen, die anders denken und fühlen als wir; offen für nichtkatholische Christen, also die Ökumene fördern; offen für Gläubige anderer Religionen, also den interreligiösen Dialog pflegen; offen und bereit zur Zusammenarbeit in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen mit Menschen, die keiner Religion angehören. 

Eine präsente Kirche wollen wir sein: Präsent vor Ort. In einer größer werdenden Pfarrei ist es wichtig, dass die Kirche vor Ort ein Gesicht hat. Wir brauchen Menschen vor Ort, die der Kirche ihr Gesicht geben. Die Kirche soll präsent sein in der Gesellschaft, in den Medien. Dabei ist eine gute Öffentlichkeitsarbeit gefragt. 

Kirche – in Gott verankert. Dafür ist sie eigentlich da. Lebensnahe Liturgie, neue Wege in der Glaubensweitergabe und Glaubensvertiefung. 

Und nicht zuletzt: „den Menschen zugewandt“. Eine Kirche, die nicht den Menschen dient, dient zu nichts. Sie ist überflüssig, wird nicht gebraucht. Caritatives Tun, aufsuchende Seelsorge, Sozialpastoral sind deshalb wichtige Bereiche unserer Seelsorge.

Die Säulen sind die konkreten Arbeitsbereiche, die uns wichtig erscheinen. Die Säule: „Weitere Schwerpunkte…“ zeigt, dass die Überlegungen darüber noch nicht abgeschlossen sind. Sie sollen weitergeführt werden mit den Gemeinden, die dann mit uns zusammen die neue Pfarrei bilden. 

Es wird ernst! Am 26. Januar 2021 wird der Gesamtpfarrgemeinderat entscheiden, welchen Vorschlag wir zur Bildung einer neuen Pfarrei dem Dekanat unterbreiten werden. Im Dekanat, das deckungsgleich ist mit dem Kreis Groß-Gerau, sind drei Pfarreien geplant.

Wer die Karte unseres Dekanates betrachtet, kann schnell erkennen, wie sich die drei Pfarreien bilden könnten: 

  1. Rüsselsheim und Umgebung
  2. Groß-Gerau und Umgebung
  3. Der südliche Teil des Dekanates: das Ried mit Gernsheim und dem Wallfahrtsort Maria Einsiedel.

Die Mainspitze liegt am Rande des Dekanates. Rüsselsheim ist näher als Groß-Gerau. Unsere unmittelbare Nachbarschaft (von Gustavsburg aus gesehen) sind die AKK-Gemeinden (Kostheim, Kastel und Amöneburg).

Genau genommen haben wir nur zwei Möglichkeiten

  1. Bewegen wir uns in Richtung Rüsselsheim, dann entsteht eine Groß-Pfarrei die sich möglicherweise bis Kelsterbach und Raunheim ausdehnen wird. (Das sind dann ca. 23.000 Katholiken)
  2. Oder wir bewegen uns in Richtung Mainz und bilden mit den AKK – Gemeinden eine neue Pfarrei. (In diesem Fall sind es ca. 15.5000 Katholiken)

Rechtzeitig vor der Sitzung des Gesamtpfarrgemeinderates am 26. Januar 2021 planen wir im Rahmen von drei Andachten einen Informationsaustausch, um allen Interessierten die Möglichkeit zu einem Meinungsaustausch zu bieten; vorausgesetzt Corona lässt es zu. 

Die Andachten sind geplant: 

  • in Bischofsheim am Donnerstag 14.01.2021 um 18 Uhr,
  • in Ginsheim am Dienstag 19.01.2021 um 19 Uhr und
  • in Gustavsburg am Donnerstag 21.01.2021 um 19 Uhr.

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt!