Schmuckband Brücke

„Eine Kirche des Teilens werden“

Pressegespräch mit der Offenbach Post zum Pastoralen Weg im Dekanat Rodgau

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Datum:
Mo. 9. Nov. 2020
Von:
Claudia Oberbeck

Dekan Willi Gerd Kost und Gemeindereferentin Tanja Bechtloff, beide Mitglieder des Dekanatsprojektteams, trafen sich Mitte Oktober mit dem Redakteuer Thomas Holzamer von der Offenbach Post und berichteten von den Entwicklungen im Dekanat Rodgau. Hier können Sie das Interview nachlesen, das in der Offenbach-Post Ostkreis am 24.10.2020 auf Seite 5 erschien.

Mühlheim – Immer weniger Hauptamtliche, sinkende Mitgliederzahlen und steigende Kosten: Die Katholische Kirche hat in Deutschland in den vergangenen Jahren mit wachsenden Problemen zu kämpfen. Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, hat nach anderen auch das Bistum Mainz im vergangenen Jahr einen Reformprozess gestartet – den sogenannten „Pastoralen Weg“. Der soll bis zum Jahr 2030 abgeschlossen sein und beinhaltet vor allem die Zusammenlegung der bislang insgesamt 134 eher kleinteiligen Seelsorgeeinheiten im Bistum zu dann nur noch 50 Pfarreien (wir berichteten).

Damit will Bischof Peter Kohlgraf vor dem Hintergrund steigender Kosten, der sinkenden Zahl von Seelsorgern und stagnierender Mitgliederzahlen, die Fülle der Verwaltungseinheiten verringern. Für das Dekanat Rodgau mit seinen aktuell 15 Pfarrgemeinden in Heusenstamm, Mühlheim, Obertshausen, Rodgau und Rödermark bedeutet das die Zusammenlegung zu maximal drei neuen Pfarreien in den kommenden Jahren, so die aktuelle Vorgabe aus Mainz.

Bei der Frage, wer künftig mit wem fusionieren wird, sollen vor allem die Gemeinden selbst mitreden und auf Dekanatsebene „ihre Lösung finden“. In Zusammenarbeit mit dem eigens gegründeten Projektteam, das sich aus den ehrenamtlichen Vertretern und Hauptamtlichen aller Pfarrgemeinden zusammensetzt, habe man nach dem Startschuss vor einem Jahr bereits drei mögliche Varianten für die Zukunft des Dekanates erarbeitet, erläutert Dekan Willi Gerd Kost.

Diese wurden bereits bei der Tagung der Hauptamtlichen im März und unlängst auch mit den Mitgliedern der Dekanatsversammlung erörtert. Im nächsten Schritt sind nun die Gemeinden selbst gefragt. Diese sollen im Dialog mit ihren Mitgliedern ihre bevorzugte Variante auswählen, bevor schließlich auf Dekanatsebene entschieden und der Vorschlag nach Mainz weitergegeben wird. Das letzte Wort liegt dann beim Bischof. „Bis Mitte November warten wir nun auf die Einschätzung und die Wünsche der Gemeinden vor Ort“, erläutert Kost. Zu Wahl stehen derzeit drei Optionen, die jedoch nicht in Stein gemeißelt und offen für Vorschläge und Anregungen aller Gläubigen seien, betont der Dekan.

So sieht die erste Option die Aufteilung in zwei große Pfarreien im nördichen und südlichen Teil des Dekanats vor. In diesem Fall würden Mühlheim, Obertshausen und Heusenstamm zur einen, Rodgau und Rödermark zur zweiten Einheit.

Option zwei sehe künftig drei Pfarreien vor, wobei auch die Grenzen zum Nachbar-Dekanat Dreieich aufgebrochen würden. Denkbar wäre dabei ein Zusammenschluss von Mühlheim und Obertshausen zu einer, den Gemeinden Rodgaus zur zweiten sowie Heusenstamm, Rödermark und Dietzenbach (Dekanat Dreieich) zu einer dritten Pfarrei.

Drei Einheiten sähe auch die dritte Option vor, die jedoch nur die Gemeinden des eigenen Dekanates beinhaltet. So würden Mühlheim mit Obertshausen, Heusenstamm mit Jügesheim, Hainhausen und Weiskirchen sowie Rödermark und Nieder-Roden fusionieren.

„Stimmungsmäßig liefern sich bisher alle drei Varianten ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, berichtet der Dekan. Seitens der Hauptamtlichen würde man zur ersten Option mit künftig zwei Pfarreien tendieren. Gleichzeitig seien die Hauptamtlichen in Bezug auf diese Entscheidung nicht das Maß der Dinge, betont Tanja Bechtloff. Die Gemeindereferentin aus Rödermark ist Teil des Projektteams, dass den Prozess steuert.

Auch für Kost stehen die Bedürfnisse und Wünsche der Gläubigen in den Gemeinden im Fokus. Nicht umsonst habe Bischof Kohlgraf den Pastoralen Weg unter das Motto „Eine Kirche des Teilens“ gestellt. „Wenn wir eine solche werden wollen, müssen wir dabei über den Tellerrand schauen“, sagt er. Zwar entstehe der Prozess aus einem Mangel heraus, „aber es liegt viel Positives darin“. So werde etwa die Arbeit der Ehrenamtlichen weiter gestärkt. Der gemeinsame Austausch zwischen den zusammenwachsenden Gemeinden könne auch neue Ideen und Motivation bringen, ergänzt Tanja Bechtloff. Zudem biete ein größeres Team an Hauptamtlichen diesen die Chance, den Fokus auf stärker Kernaufgaben wie die Seelsorge zu richten.

Quellenangabe: Offenbach-Post Ostkreis vom 24.10.2020, Seite 5