Trost und Verbundenheit

Kirchenglocke (c) Marc Urhausen In: Pfarrbriefservice.de
Kirchenglocke
Di 28. Apr 2020
Anja Encarnacao

Seit mehreren Wochen läuten in Brensbach, wie in vielen Kirchen die Glocken als Einladung, innezuhalten und für die Menschen zu beten, die besonders von der Corona-Pandemie betroffen sind. Bei uns in Brensbach beteiligen sich alle vier christlichen Kirchen. Das Geläut der Glocken ist in diesen Tagen wieder ein Zeichen der Verbundenheit, wie so oft in Zeiten der Krise. Daher nehmen wir bei diesen Gedanken zum Wochenende die Glocken unserer Kirchen in den Blick. 

Die katholische Kirche in Brensbach hat zwei Glocken. 1965 wurde die größere Glocke von der Glockengießerei Schilling gegossen, die auch vier Glocken für den Mainzer Dom schuf. Die Inschrift dieser Glocke lautet: „Hl. Markus schütze die Gemeinde“ als ein Ausdruck der ökumenischen Verbundenheit, wie man es in der Ansprache zum Weihetag der Glocken nachlesen kann:

„Brensbach hat immer eine besondere Verehrung zum Hl. Markus gehabt, man nannte ihn nach alten Chroniken den Patron, Schutzheiligen der Kirche und Gemeinde hier im Gersprenztal. Wir wollen daran anknüpfen und mit jedem Glockenschlag unsere Gemeinschaft mit ihm empfehlen.“

Diese Glocke läutet jetzt um 19 Uhr, der Zeit, in der wir immer eine Kerze anzünden, das Vaterunser beten und im Anschluss „Der Mond ist aufgegangen“ singen.

1734 wurde die kleinere Glocke in Glatz, nahe Breslau gegossen. Wenige Jahre danach schrieb Matthias Claudius (1740 – 1815) sein Abendlied „der Mond ist aufgegangen“.

Die katholische Kirchengemeinde erwarb diese kleinere Glocke 1964. Wo sie vorher läutete, das konnten die Heimatvertriebenen, die diese Kirche „Mater Dolorosa“ bauten, nicht erfahren. Es ist eine Marienglocke und trägt als Inschrift „Sancta Maria, ora pro nobis“ – „Heilige Maria, bete für uns“. Diese Glocke läutet um 12 Uhr und um 18 Uhr, der Zeit für das Angelusgebet der katholischen Kirche. Für die neu nach Brensbach Gekommenen war es eine große Freude, das Läuten ihrer Glocken  zu hören und zu spüren : wir sind angekommen.

Die Glocken der evangelischen Markuskirche wurden 1770 gegossen. In einer Chronik kann man nachlesen: „(…) Im Jahre 1770 wurden die alten, zum Teil zersprungenen Glocken umgegossen und neu, mit sinnvollen Inschriften aufgehängt. Auf der größten steht: „Gib Jesus, daß mein Nam´ im Frieden stets erschall; Bewahre diesen Ort vor Feur und Ueberfall.“ Auf allen drei Glocken ist vermerkt: „In Gottes Namen floß ich, Johann Peter Bach in Windecken goß mich“.

 Anders als in manch anderer Kirche haben die Glocken von St. Markus die Kriege überdauert. Sie haben auch in früheren Krisen geläutet,  Menschen verbunden  -  in der aktuellen Not und über die Jahrhunderte. Die Bitte um Bewahrung bekommt in unserer aktuellen Lage eine besondere Bedeutung zu.

Die Wersauer Glocken stimmen ebenfalls in das Geläut um 19:00 Uhr ein und setzen ein Zeichen der Verbundenheit. Diese wurden 1952 angeschafft, nachdem ihre Vorgängerinnen eine bewegte Geschichte hatten. Eine der Glocken fiel 1647 dem Krieg zum Opfer, ebenso erging es der kleinsten Glocke 1917. 1944 wurde wieder das gesamte Geläut zu Kriegszwecken requiriert. 1952 erfolgte die Neuanschaffung, das  war dank der Spenden vieler Wersauer Bürger und ihrer Verbundenheit mit der Kirche möglich.

Heute ist das Läuten der alten und neuen Glocken Zeichen des Trostes und der Verbundenheit, denn katholische, evangelische und evangelisch-freikirchliche Christen nehmen sich Zeit, um zu Hause zu beten, um  Hoffnung und Kraft zu schöpfen.