Barmherzigkeitssonntag (19. April) und Geistliches Wort

Barmherzigkeitssonntag 2020 (c) Sr. Annabell
Barmherzigkeitssonntag 2020
So 19. Apr 2020
Pfarrer Kai Rudolf Wornath

Seit 20 Jahren feiert die ganze Kirche am ersten Sonntag nach Ostern das Fest der Barmherzigkeit. Dieses Fest hat der heilige Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 eingesetzt.

Am Barmherzigkeitssonntag können wir in besonderer Weise die Zärtlichkeit und Liebe Gottes erfahren. Jesus ermuntert und lädt uns ein, aus der Fülle der Barmherzigkeit zu schöpfen, die wir in seinem Herzen finden können.

Er hat zur heiligen Schwester Faustina gesagt: Ich habe mein Herz als lebendige Quelle der Barmherzigkeit geöffnet; mögen alle Seelen dem Meer der Barmherzigkeit mit großem Vertrauen nahen.

Aufgrund der Feierlichkeit dieses Festes empfiehlt die Kirche die öffentliche Verehrung des Bildes vom Barmherzigen Jesus, das Beten des Barmherzigkeitsrosenkranzes sowie den Empfang der Sakramente der Versöhnung und der Kommunion. Leider ist es in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht möglich, diese Sakramente zeitnah zu empfangen. Wir können uns aber im Gebet in der so genannten „geistigen Kommunion“ mit dem auferstandenen Herrn in der Monstranz oder im Tabernakel verbinden.

Jesus hat der heiligen Schwester Faustina eine große Verheißung gegeben, die mit diesem Fest verbunden ist: Ich ergieße ein ganzes Meer von Gnaden über jene Seelen, die sich der Quelle meiner Barmherzigkeit nähern.

Liebe Schwestern und Brüder, die Schwestern vom Barmherzigen Jesus wünschen Ihnen einen gnadenreichen und segensvollen Barmherzigkeitssonntag!

Geistliches Wort von Pfarrer Kai R. Wornath

Barmherzigkeit (Christus und vielleicht Johannes) (c) Momentmal (Pixabay)

Jesus trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

Der erste Sonntag nach Ostern ist uns Katholiken als so genannter „Weißer Sonntag“ gegenwärtig. Es ist der Tag, an dem in den meisten Pfarrgemeinden die Erstkommunion gefeiert wird. Kinder im Grundschulalter, meist in der dritten Klasse befindlich, dürfen zum ersten Mal den Leib Christi empfangen.

Der Name „Weißer Sonntag“ leitet sich nicht von der Farbe der Kleidung der Kommunionkinder ab, aber mit weißen Gewändern hat er durchaus etwas zu tun: In der frühen Kirche wurden die erwachsenen Taufbewerber, Katechumenen genannt, in der Osternacht getauft und erhielten ein weißes Kleid. Das sollte die Reinigung durch das Taufwasser versinnbildlichen und ein Zeichen für den in Christus neu geborenen Menschen sein.

Etwa ab dem siebten Jahrhundert entwickelte sich der Brauch, die weißen Taufkleider von der Osternacht an acht Tage lang zu tragen – bis zum ersten Sonntag nach Ostern. Dieser Tag – der „Weiße Sonntag“, lateinisch Dominica in albis – bildet den Abschluss der Osteroktav (der acht Tage nach dem Osterfest).

In den vergangenen Wochen wurden alle Erstkommunionfeiern wegen der Corona-Pandemie abgesagt, zu groß ist die Gefahr, dass sich das Virus weiterverbreitet. Die Erstkommunion wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte gefeiert werden. 

Der erste Sonntag nach Ostern kennt seit dem Jahr 2000 neben der Bezeichnung als „Weißer Sonntag“ noch eine zweite Bedeutung: Es ist der so genannte „Barmherzigkeitssonntag“, der vom heiligen Papst Johannes Paul II. eingeführt worden ist, um die Barmherzigkeit Gottes besonders zu betonen.

Neben der Heiligkeit und der Gerechtigkeit Gottes gehört die Barmherzigkeit zu den drei wesentlichen Eigenschaften Gottes: Der an Weihnachten menschgewordene Gott gibt sein Leben am Kreuz für uns hin. Die Quelle unseres Heils ist die Liebe Gottes, ist die Hingabe Jesu Christi, vermittelt in den Sakramenten der Kirche. Gott bietet uns seine Barmherzigkeit an und möchte uns seine Liebe und Barmherzigkeit schenken.

Es gibt nur ein Hindernis dabei: Wir müssen diese Liebe und diese Barmherzigkeit auch annehmen!

Der Apostel Thomas kann uns dafür ein Beispiel sein. Thomas fordert: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

Thomas hat seine Freunde, die Jünger, von der Auferstehung Jesu reden hören. Aber bevor er glauben konnte, musste er sich seiner eigene Schuld stellen, seinem Versagen, Jesus in seiner größten Not verlassen zu haben. Er musste das „begreifen“.

Verzeihung zu erlangen setzt voraus, dass ich meine eigene Schuld wahrnehme und nicht verdränge oder andere für meine Fehler verantwortlich mache. Für den Apostel Thomas ist das der Weg vom Unglauben zum Glauben, der in seiner Aussage gipfelt: Mein Herr und mein Gott!, dem kürzesten Bekenntnis des Glaubens.

Thomas muss Jesus nur einen kleinen Schritt entgegenkommen, indem er akzeptiert, was er getan hat. In der Begegnung mit Jesus sowohl seine Schuld ansehen als auch die Barmherzigkeit Gottes erfahren - und anschließend ein Vorbild des Glaubens sein.

Das ist auch für uns der Weg, Barmherzigkeit erfahren zu dürfen: Diesen kleinen Schritt auf Gott hin zu machen – wie es der Apostel Thomas getan hat, der acht Tage nach dem ersten Besuch Jesu bei den Jüngern zu dessen zweiten Erscheinen gekommen ist.

Und wie wir im Evangelium des Barmherzigkeitssonntages lesen können, reicht Jesus das: Statt Thomas und den anderen Jüngern berechtigte Vorwürfe wegen ihrer Feigheit, Jesus in seiner schlimmsten Stunde alleine zu lassen, und ihrer Flucht weg vom Kreuz zu machen, tritt Jesus in ihre Mitte und spricht: Friede sei mit euch! Die Jünger freuen sich, dass sie Jesus sehen, und er sagt es noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!

Von Jesus gibt es keine Vorwürfe, keine Abrechnung, kein Abbruch der Beziehung zu seinen Jüngern, die ihn so enttäuscht haben. Er weiß, dass wir Menschen schwach sind, er weiß, dass wir seiner Hilfe bedürfen. Und er schenkt uns gerne seine Hilfe und seine Barmherzigkeit!

Wer Jesus um die Kraft bittet, die eigene Schuld zu sehen und um Vergebung bitten zu können, dem wird die Barmherzigkeit Gottes in überreichem Maße zuteil. Denn auf nichts wartet Gott sehnlicher als darauf, uns seine Barmherzigkeit zu schenken. Nutzen wir den heutigen Barmherzigkeitssonntag als Gelegenheit dazu!

Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

Impressionen aus unseren Kirchen

So 19. Apr 2020
9 Bilder

Hier finden Sie einige Bilder aus den reich geschmückten Kirchen unserer Pfarrgruppe:

St. Bernhard (Assenheim), St. Maria Magdalena (Dorn-Assenheim) und St. Willigis (Florstadt).