Schmuckband Rad

Die Pfarrgemeinde Mölsheim

trägt den Namen des heiligen Ägidius, der im 7./8. Jh. lebte und Einsiedler und Abt gewesen war.

Der 1. September, der Festtag des heiligen Ägidius, ist der St. Gilgentag. In der Volksmeinung gilt er als Herbstbeginn und ist gleichzeitig ein wichtiger Lostag (nach dem Volksglauben für die Wetterprophezeiung ein bedeutsamer Tag).

An manchen Orten beginnt mit dem Ägidiustag die erste Woche für die Roggensaat. Ein Bauernspruch weist darauf hin: "Wenn St. Ägidius bläst ins Horn, so heißt es: Bauer, sä dein Korn."

Die Kirche in Mölsheim

Die katholische Kirche St. Ägidius in Mölsheim wurde am 3. Mai 1936 durch Bischof Dr. Albert Stohr eingeweiht, nachdem die alte Kirche dem Erdrutsch zum Opfer fiel. Die Kirche befindet sich am Ende des Ortes auf der rechten Seite "In der Hohl" und ist zu den Gottesdienstzeiten geöffnet.

Sonntag, 09:00 Uhr: Hochamt

 

Zur Geschichte der Pfarrgemeinde Mölsheim

Im Westen findet die Pfarrgruppe Wonnegau ihren Abschluss mit der Pfarrgemeinde Mölsheim.

Mölsheim (mit der Filialgemeinde Wachenheim) ist das höchstgelegene Dorf im südlichen Wonnegau und wird zu Recht als „Perle des Zellertales" bezeichnet. Auf einem Höhenzug über der Pfrimm gelegen bildet Mölsheim das Tor zum östlichen Eingang des Zellertales. Im Westen blickt man zum mächtigen Donnersberg - im Osten hat man bei klarem Wetter eine herrliche Sicht über die gesamte Rheinebene von Worms bis Heidelberg und zu den Höhen des Odenwaldes.

Wie im übrigen Wonnegau, sind auch in Mölsheim durch archäologische Grabungen zahlreiche Keltengräber freigelegt worden (aus der Zeit 600 bis 900). Der wertvollste Fund ist eine in das 7. Jahrhundert datierte merowingische Goldscheibenfibel (1930 in einem Wingert entdeckt), die durch ihre außergewöhnlich filigrane Bearbeitung gegenüber ähnlichen Fibeln deutlich hervorragt und dadurch weltberühmt wurde.

Die ältesten Bodenfunde im Gebiet von Mölsheim belegen sogar eine Besiedelung in der jüngeren Steinzeit (5000-3000 v. Chr.), sowie Funde aus der Bronze-, Eisenzeit, der Römerzeit bis zu den Franken. Die Funde werden in verschiedenen Museen in Mainz, Darmstadt und Worms aufbewahrt.

Kirchliches Leben entwickelte sich, wie im übrigen Wonnegau, während der Christianisierung durch den Merowingischen König Clodwig I. (nach der siegreichen Schlacht gegen die Alemannen 496 zum christlichen Glauben übergetreten und von Bischof Remigius getauft) und besonders seiner Frau Clothilde als treibende Kraft in der Verbreitung des christlichen Glaubens.

Mölsheim wurde unter der Bezeichnung Milbisheim erstmals 1237 urkundlich erwähnt. Unter dem Namen Milmesheim war der Ort lange im Besitz des Benediktinerklosters Hornbach. 1512 verkaufte der letzte Abt des Klosters - Johann von Kindhausen - die Hälfte des Dorfes an Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz. Die andere dem Kloster verbliebene Hälfte fiel während der Säkularisierung im Jahr 1557 an das Herzogtum Zweibrücken. 1768 wurde das ganze Dorf durch den - Hagenbacher und Selzer Vergleich - gänzlich kurpfälzisch.

Zu Beginn der Reformation besaß Mölsheim zwei Gotteshäuser, das größere war dem hl. Ägidius, das kleinere dem hl. Nikolaus geweiht. Das kleinere war eine Kapelle, die auf dem Kirchhof gelegen war und bereits vor der Reformation aufgegeben wurde. Nachfolgend zerfiel die Nikolauskapelle. Die größere Ägidiuskirche wurde infolge der Kirchenspaltung von beiden Konfessionen in Besitz genommen, nachdem die bisherige Pfarrei aufgelöst worden war. Diese gemeinsame Nutzung des Gotteshauses wurde mit der Zerstörung der Kirche (1689) während des pfälzischen Erbfolgekrieges beendet.

Gut 50 Jahre später - 1740 - errichtete die etwa 150 Katholiken umfassende Kirchengemeinde ein neues Gotteshaus mit 120 Sitzplätzen und einem schönen barocken Holzaltar. Die neue Kirche wurde wieder dem hl. Ägidius geweiht und zwei Jahre später - 1742 - eine eigene Pfarrei errichtet.

Da die Mölsheimer Pfarrgemeinde ständig unter knappen Finanzmitteln zu leiden hatte, musste aus eben diesem Grund die Pfarrei 1801 erneut aufgegeben werden. Als Filiale wurde Mölsheim von 1801 bis 1819 von Zell, von 1819 bis 1856 von Ober-Flörsheim und von 1856 bis 1896 von Dalsheim aus betreut. Erst ab 1899 erhielten die Mölsheimer Katholiken wieder eine eigene Pfarrei, der die Nachbargemeinde Wachenheim bis heute mit angehört.

Diese letzte Entwicklung zur eigenen Pfarrei wurde ermöglicht durch Fr. Anna Maria Spindler (*1836 †1897), die ihr Haus in der Hauptstraße 59 der katholischen Kirchengemeinde stiftete. Dieses Haus wurde fortan als Pfarrhaus genutzt.

Nach 180 Jahren wurden erste Schäden an der katholischen Kirche festgestellt (1922), die durch den wandernden Untergrund verursacht wurden. Bemühungen der ortsansässigen Baufirma Obenauer der Risse und Absenkungen Herr zu werden hatten keinen Erfolg. Wenige Jahre später (1933) wurde das Gotteshaus baupolizeilich wegen Einsturzgefahr gesperrt und in den folgenden Monaten neben anderen stark beschädigten Nachbargebäuden abgerissen.

Geologische und morphologische Gründe für den wandernden Untergrund sind der Einbruch des Rheingrabens vor ca. 50 Mio. - 38 Mio. Jahre. Danach kam es zu zwei Meeresbildungen, die sich über viele Mio. Jahre hinzogen und von einer kurzen Verlandung unterbrochen wurde. Die erste Meerbildung (Oligozänmeer) dauerte ca. 12-13 Mio. Jahre und bedeckte das Gebiet des heutigen Rheinhessischen Hügellandes. Das Oligozänmeer lagerte folgende Schichten ab: Rupelton, Schleichsand und Cyrenemergel.

Die zweite Meerbildung (das Miozänmeer) vor ca. 25 Mio. bis 12 Mio. Jahre lagerte folgende Schichten ab: die Cerithienschichten (nach der Hornschnecke Cerythium), Corbiculaschichten (Körbchenmuscheln) und Hydrobienkalk (Wattschnecke).

Die unter der wasserdurchlässigen Kalkschicht des Miozänmeeres lagernde Sand - Mergel - Schicht (Oligozänmeer) ist wasserundurchlässig und wirkt stauend. Bei andauernder Durchnässung der Mergelschicht wird durch den Druck der mächtigen Kalkplatte der glitschige Cyrenemergel herausgequetscht und die darüber liegenden Schichten sacken nach und gleiten ab. Die Hanglage Mölsheims begünstigt diese Absatzbewegungen und Rutschungen sehr. Insgesamt haben sich im Laufe der Meerbildungen Sedimente in einer Mächtigkeit von 250 m abgelagert. 

Diese morphologischen Besonderheiten haben dem Dorf und der Mölsheimer Kirchengemeinde schon immer zu schaffen gemacht.

Die Mölsheimer Katholiken standen erneut vor der schweren Aufgabe den Bau einer neuen Kirche zu bewältigen. Als Baugelände wurde die Dreispitz oberhalb des Pfarrhauses gewählt, da dieses bereits im Besitz der katholischen Kirche war. Im Nov. 1934 untersuchten der Denkmalpfleger Prof. Meisner (Darmstadt) und der Wormser Geologe Dr. Weiler das Baugelände für die künftige Kirche. Nach intensiver Untersuchung des Untergrundes wurde dieser vor Rutschungen als sicher erklärt. Die Mölsheimer Baufirma Philipp Obenauer erbaute das neue Gotteshaus in der zweiten Hälfte 1935. Am 13.12.1935 wurde eine stille Benediktion (Segnung der Kirche) durch das Bischöfliche Ordinariat in Mainz genehmigt, damit die Kirche bereits zu Weihnachten 1935 genutzt werden konnte. Die alte Bestuhlung wie auch die Orgel wurden wieder in die neue Kirche eingebaut.

Am 3. Mai 1936 wurde die katholische Kirche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von Bischof  Dr. Albert Stohr eingeweiht. Der neue und alte Kirchenpatron war wiederum der heilige Ägidius. Im Jahr 1950 bekam die Kirche noch zwei neue Glocken (70 cm und 60 cm Durchmesser).

In den1980er Jahren wurden schon wieder erhebliche Risse in den Kirchenwänden festgestellt. Es ist zu befürchten, dass sich die Natur gegen alle menschlichen Bemühungen wieder durchsetzt.

 

Quellenangaben:  

http://de.wikipedia.org/wiki/Mainzer_Becken

Festschrift zu 50 Jahre Kirchweih 1936 - 1986. Herausgeber katholische Kirchengemeinde Mölsheim

MÖLSHEIM Aus der Geschichte eines rheinhessischen Dorfes im Zellertal. Herausgeber: Heimat und Kulturverein Mölsheim e. V.     ISBN 3-926306-34-3

 

Die Pfarrer der Pfarrgemeinde Mölsheim

 

1743 - 1747 Johann Christoph Döpfer
1747 - 1751 Andreas Sibenborn
1751 - 1755 Johann Georg Staab
1755 - 1759 Johann Philipp Beisler
1759 - 1773 Johann Franz Wilhelmi
1773 - 1777 Andreas Satorius
1777 - 1783 Joseph Hess
1783 - 1785 Peter Thomas Haas
1785 - 1801 Johann Jakob von der Löhr
1801 - 1819 Mölsheim wird Filiale von Zell (Bistum Speyer)
1819 - 1856 Mölsheim wird Filiale von Ober-Flörsheim
1856 - 1896 Mölsheim wird Filiale von Dalsheim
1896 - 1904 Friedrich Blum
1904 - 1905 Dr. Theodor Friedrich
1906 - 1908 Hugo Holzamer
1908 - 1915 Wilhelm Franzmathes
1915 - 1923 Peter Paul
1923 - 1930 Philipp Nikolaus Wunderle
1930 - 1946 Johannes Fuhrmann
1946 - 1953 Paul Keim (+ 10.04.1986)
1953 - 1957 Dr. Dr. Ludwig Held (+ 21.12.1976)
1957 - 1959 Sebastian Walter Schwalbach (+ 23.08.1959)
1959 - 1961 Walter Petzold
1961 - 1963 Franz Fischer (+ 05.07.2002)
1963 - 1965 Wilhelm Lauer (18.08.1987)
1965 - 1967 Dieter Best (Pfr. von Armsheim, + 23.04.2000)
1967 - 1984 Wilhelm Helmling (Pfr. von Hohen-Sülzen, + 19.11.1994)
1984 - 1987 Josef Eppel
1987 - 2000 Walter Hummel
2000 - 2004 Gerold Reinbott
2004 - Bernd Eichler