Schmuckband Kreuzgang

Einen anderen Grund kann niemand legen

Grundsteinlegung zum „Haus am Dom" in Worms am 3. Juli

Nach alter Tradition werden in den Grundstein neben einer Urkunde, in der die Grundsteinlegung bezeugt wird, einige weitere Zeitdokumente verschlossen. (c) Domgemeinde St. Peter / St. Martin Worms - Norbert Rau
Nach alter Tradition werden in den Grundstein neben einer Urkunde, in der die Grundsteinlegung bezeugt wird, einige weitere Zeitdokumente verschlossen.
Datum:
Mo. 4. Juli 2016
Von:
Pfarramt St. Peter
Mit der Grundsteinlegung am Sonntag, 3. Juli. hat die Pfarrgemeinde "Dom St. Peter und St. Martin" in Worms eine weitere wichtige Etappe auf dem Weg zum Bau ihres neuen Gemeindezentrums „Haus am Dom" erreicht.

Das Zentrum wird zugleich Gemeinderäume beherbergen, wie auch als eine Art kirchliches Begegnungs- und Besucherzentrum für den Dom werden. Neben einem Café und einem Domladen entsteht hier auch ein Raum, in dem die frühchristliche, aus der Zeit um 800 n. Chr. stammende Taufpiscina präsentiert werden wird, die im Zuge archäologischer Grabungen an dieser Stelle entdeckt wurde.

Die Grundsteinlegung ist eine gottesdienstliche Feier, der der Diözesanadministrator des Bistums Mainz, Prälat Dietmar Giebelmann, vorsteht, assistiert vom Propst am Dom zu Worms, Ehrendomkapitular Tobias Schäfer. Weitere Mitwirkende waren: Pfarrer Maximilian Wagner als Lektor, Christine Rau als Kantorin, Klaus Berg als stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates, der die Grundsteinurkunde verlesen hat, und einige Mitglieder des Seelsorgerates der beiden Kirchengemeinden, die die Fürbitten vortrugen. Winfried Thier aus dem Vorstand des Bürgervereins hat deren Dokumentenkassette eingelegt. Musikalisch wurde der Gottesdienst von der Domband unter der Leitung von Diakon Hans-Jürgen Springer begleitet. Auch die Kinder des Liobakindergartens brachte sich mit einigen Liedern ein. Oberbürgermeister Michael Kissel sprach für die Stadt Worms ein Grußwort.

Die Grundsteinlegung fand im Rahmen des jährlichen gemeinsamen Pfarrfestes der Kirchengemeinden Dom und St. Martin statt. Das Pfarrfest war zugleich das Patronatsfest des Domes: der Wormser Dom ist den heiligen Aposteln Petrus und Paulus geweiht, deren Festtag der 29. Juni ist. Das Pfarrfest begann mit dem Festgottesdienst am Morgen im Dom, der vom Domchor und dem Martinschor unter der gemeinsamen Leitung von Daniel Wolf musikalisch mitgestaltet wurde. Im Anschluss an den Gottesdienst spielte die Kirchenmusik Pfeddersheim auf.

Etappen des bisherigen Weges

Nachdem es bereits in den 80er Jahren und wieder neu ab 1995 Planungen zum Neubau eines Gemeindehauses gegeben hatte, wurde schließlich im Dezember 2010 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Nach Beratung der Ergebnisse in den Pfarreigremien wurde im August 2012 die Öffentlichkeit über das geplante Bauvorhaben und den Standort informiert. Im Dezember wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, dessen Ergebnis im Januar 2013 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Als Sieger ging ein Entwurf von Prof. Jörg Springer aus Berlin aus dem Wettbewerb hervor. Nachdem dieser Entwurf innerhalb und außerhalb der Pfarrgemeinde auf zum Teil heftige Kritik stieß, wurde nach Beratungen und einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Tagungszentrum „Das Wormser" (Februar 2013) im Mai 2013 an Prof. Springer der Auftrag zur Umarbeitung des ursprünglichen Entwurfes erteilt. Im November 2013 konnte schließlich der neue Entwurf vorgestellt werden. Auf dieser Basis wurde im Januar 2014 der Bauantrag gestellt. Die Baugenehmigung erging am 30. September 2014. Nachdem mehrere Gerichtsverfahren gegen die Erteilung der Baugenehmigung und zur Durchsetzung eines Bürgerbegehrens für die Gegner des Hausbaus negativ beschieden worden waren, konnte im Januar 2015 mit der archäologischen Erforschung des Baugrundes begonnen werden. Im Juli wurde die Öffentlichkeit über den sensationellen Fund einer frühchristlichen Taufpiscina informiert; Kirchengemeinde und Bistum als Bauherren entschlossen sich in enger Absprache mit der Denkmalpflege und Landesarchäologie, das Haus noch einmal umzuplanen, um diesen archäologischen Fund erhalten und in das Haus integrieren und so dort künftig der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Nach Abschluss der archäologischen Grabungen konnte schließlich am 14. März der 1. Spatenstich für das Haus gesetzt werden; nach weiteren vorbereitenden Arbeiten beginnen am 3. Juli mit der Grundsteinlegung die Rohbauarbeiten, die bis Jahresende abgeschlossen sein sollen. Im Spätsommer 2017 ist nach gegenwärtigem Stand die Fertigstellung des Hauses geplant.

Zu den Kosten

Für den Bau des Hauses waren 4,5 Mio. Euro an Gesamtkosten geplant. Für die Umplanungen zum Erhalt der frühchristlichen Taufpiscina und durch die aufwändigen Maßnahmen zur Sicherung, Konservierung und Präsentation dieses Fundes entstehen zusätzliche Kosten in Höhe von 500.000 Euro, so dass sich die Gesamtkosten nun auf 5 Mio. Euro summieren.

Zum Grundstein

Das Setzen eines Grundsteines ist eine sehr alte Tradition, zumal an kirchlichen Gebäuden. Im und um den Dom finden sich zahlreiche Zeugnisse, wie etwa in der Nikolauskapelle ein Grundstein aus dem 11. Jahrhundert; der erhaltene Grundstein des untergegangenen gotischen Kreuzganges aus dem 15. Jahrhundert oder Grundsteine im Westchor und an der Nikolauskapelle, die die Renovierungsarbeiten des ausgehenden 19. und des frühen 20. Jahrhunderts bezeugen. An kirchlichen Gebäuden ist der Grundstein immer auch ein Symbol für Jesus Christus, denn: „Einen anderen Grund kann niemand legen als der, der gelegt ist, Jesus Christus" (1 Kor 3,11), schreibt der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief. Der Grundstein für das Haus am Dom wurde aus einem Block Schweinstaler Sandstein geschlagen. Dieser spezielle Sandstein findet auch am Dom selbst Verwendung. Die Mainzer Dombauhütte hat den Grundstein bildhauerisch bearbeitet. Neben einem Schriftwort: „Ihr seid Gottes Bau" (1 Kor 3,9) ziert den Grundstein das alte Wappen des Bistums Worms mit dem Petrusschlüssel. Darunter findet sich der lateinische Schriftzug: „Lapis primarius" (=Grundstein) und in lateinischer Schreibweise die Jahreszahl 2016. Nach alter Tradition werden in den Grundstein neben einer Urkunde, in der die Grundsteinle-gung bezeugt wird, einige weitere Zeitdokumente verschlossen. Im konkreten Fall sind das: eine Tageszeitung (Wormser Zeitung), die Sonderausgabe der Rhein-Main-Presse zur Verabschiedung von Kardinal Lehmann aus dem Amt als Bischof von Mainz; eine Sonderedition von Briefmarken zum Rheinhessenjubiläum mit Ansichten des Wormser Domes und St. Martinskirche, die aktuelle Ausgabe des Pfarrbriefes „Der Mantel", eine Flasche des Dombauweines, sowie ein Satz der Baupläne für das hier entstehende Bauwerk. Daneben wird auch eine Kassette eingebracht, die der Bürgerverein „Domumfeld e.V." hat anfertigen lassen mit einer künstlerischen Darstellung der Domsüdseite. In dieser Kassette hat der Bürgerverein einige Dokumente versiegelt, die den Bürgerprotest gegen das Bauwerk und seinen Standort dokumentieren sollen.

Text der Grundsteinurkunde

Die Grundsteinurkunde ist eine handgeschriebene, kalligrafisch gestaltete Urkunde mit folgendem Text:

AD MAIOREM DEI GLORIAM Im Jahre des Herrn 2016, im außerordentlichen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, im 3. Jahr des Pontifikates unseres Heiligen Vaters Papst Franziskus, wenige Wochen, nachdem unser verehrter Bischof Karl Kardinal Lehmann, der die Planungen zu diesem Haus leidenschaftlich vorangetrieben hatte, nach 33 Jahren emeritiert wurde, während Ehrendomkapitular Geistlicher Rat Tobias Schäfer Dekan des Dekanates Worms und Propst am Dom St. Peter zu Worms sowie Pfarrer von St. Martin ist, unterstützt durch Pfarrer Maximilian Wagner, Kaplan Daniel Kretsch, Diakon Hans-Jürgen Springer und Gemeindereferentin Sarah Purpus-Menzel, wird am 3. Juli durch Prälat Dietmar Giebelmann, den Diözesanadministrator des Bistums Mainz, der Grundstein zu diesem Haus gelegt. Zu dieser Zeit bekleidet Joachim Gauck das Amt des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, während als Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel die Regierung führt. Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz ist Malu Dreyer; Oberbürgermeister der Stadt Worms ist Michael Kissel. Der Bau wird nach einem Entwurf des Architekten Prof. Jörg Springer aus Berlin ausgeführt, die Bauleitung hat der Architekt Jürgen Hamm aus Worms, der seit Jahren auch die Außenrenovie-rung des Domes leitet. Bauträger sind das Bistum Mainz, vertreten durch den Baudirektor und Diözesankonservator Dipl.Ing. Johannes Krämer und die Domgemeinde St. Peter zu Worms. Stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates Dom St. Peter ist Klaus Berg, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates St. Martin ist Helmut Steuer. Vorsitzender des Pfarrgemeinderates Dom St. Peter ist Markus Landua, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates St. Martin ist Gabriele Rüb. Nachdem das benachbarte Liobahaus für viele Jahre als provisorisches Gemeindehaus diente, haben sich die Gemeinden unter Propst Engelbert Prieß nach langen Planungen entschlossen, an dieser Stelle, an der einst das römische Forum und später die Kapitelshäuser des Wormser Domkapitels standen, das „Haus am Dom" zu errichten als gemeinsames Gemeindehaus der Pfarrgemeinden Dom St. Peter und St. Martin, sowie als Begegnungszentrum für die zahlreichen Besucher des ehrwürdigen tausendjährigen Domes und als Ort des Dialoges zwischen Kirche und Welt. Mit dem Bau soll zugleich, im Einvernehmen mit den Fachkundigen der Denkmalpflege, ein Stück der Zerstörungen des 19. Jahrhunderts, als vor der Südseite des Domes Kreuzgang und Kapitelshäuser abgerissen wurden, saniert werden. Nachdem bei archäologischen Grabungen die Fundamente einer aus dem 8. oder 9. Jahrhundert stammenden Taufpiscina entdeckt wurden, sollen diese nun innerhalb des Hauses bewahrt und künftigen Generationen als Zeugnis des jahrhundertealten christlichen Lebens an diesem Ort gezeigt werden. Zur größeren Ehre Gottes und im Vertrauen auf seine Hilfe beginnen wir nach langen Planungen dieses Werk und erbitten die Fürsprache der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, der hl. Apostel Petrus und Paulus, des hl. Amandus, des hl. Rupert und des hl. Martinus.

Es folgen Unterschriften des Diözesanadministrators, des Propstes, des Oberbürgermeisters, sowie der Vertreter der Pfarrgemeinderäte und der Verwaltungsräte der Kirchengemeinden, des Baudirektors des Bistums, weiterer Bauverantwortlicher und der an der Planung Beteiligten.

Hinweise