Intendant Müller: „Theater muss ein politischer Ort sein"

Traditioneller Aschermittwoch der Künstler und Publizisten in Mainz

BU1-Aschermittwoch (c) Bistum Mainz
BU1-Aschermittwoch
Do 11. Feb 2016
tob (MBN)
"Theater muss ein politischer Ort sein, an dem man eine Haltung einnimmt." Das sagte der Intendant des Mainzer Staatstheaters, Markus Müller, am Mittwochabend, 10. Februar, im Erbacher Hof in Mainz. „Durch eine klare Positionierung muss das Theater zur Diskussion anregen, damit wir unverzichtbar werden in der Gesellschaft."
BU2-Aschermittwoch (c) Bistum Mainz
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Deshalb müsse Theater „auch mal wehtun und herausfordern, denn wir wollen erreichen, dass der Vorstellungsbesuch zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema führt." Müller äußerte sich im Gespräch mit der Journalistin Ariane Binder beim traditionellen Aschermittwoch der Künstler und Publizisten. Die Veranstaltung stand unter der Überschrift „So tun als ob... - Das Theater als Möglichkeitsraum". Müller ist seit der Spielzeit 2014/2015 Intendant in Mainz.

Als „eine künstlerische Antwort für Vielfalt, Offenheit und Toleranz" bezeichnete er den Protest seines Hauses gegen eine Veranstaltung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) im November vergangenen Jahres. Die Mitarbeiter hatten damals bei offenen Fenstern im Foyer des Staatstheaters die „Ode an die Freude" angestimmt und so die Parteiveranstaltung vor dem Haus übertönt. Im Anschluss wurde eine Strafanzeige gegen Müller gestellt. Das Verfahren läuft derzeit noch.

„Ich würde das auch wieder machen", betonte Müller. „Wir wollten damit ein Zeichen setzen, dafür dass Fremdenfeindlichkeit und das Schüren von Ängsten in der Mitte unserer Gesellschaft nichts zu suchen haben." Nach der Aktion seien „tausende von positiven Rückmeldungen" eingegangen, berichtete Müller, aber auch die Anfeindungen, die er deswegen erhalte, bestätigen ihn in seiner Position. Müller sagte, dass er sich in Mainz sehr wohl fühle. „Es wird einem in Mainz leicht gemacht, sich am rechten Fleck zu fühlen."

Der Direktor der Bistumsakademie Erbacher Hof, Professor Dr. Peter Reifenberg, hatte die Gäste im Ketteler-Saal des Erbacher Hofes begrüßt. Zu Beginn hatte Professor Thomas Duttenhoefer das von ihm geschaffene Bronzekreuz für den Innenhof des Erbacher Hofes erläutert. Das Kreuz war anlässlich der Wiedereröffnung des Erbacher Hofes nach einer umfassenden Sanierung Ende Januar aufgestellt worden. Musikalisch gestaltet wurde der Abend durch Dorin Rahardja und Derrick Ballard vom Opernensemble am Mainzer Staatstheater. Bei Gottesdienst im Dom hatten der Mainzer Domchor unter Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck und Domorganist Daniel Beckmann an der Domorgel den musikalischen Rahmen gestaltet.

Eucharistiefeier mit Kardinal Lehmann

Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hatte zuvor im Mainzer Dom eine Eucharistiefeier mit Austeilung des Aschekreuzeses gefeiert. Es sei gut, dass der Mensch an Aschermittwoch „auf die Endlichkeit und Sterblichkeit unseres Menschseins und unserer Erde aufmerksam" gemacht werde, sagte er in seiner Predigt. Wörtlich sagte er: „Wir gehören zur Erde, und wir dürfen diese Erde auch lieben, aber wir dürfen uns nicht in sie einfach verkrallen und verkrampfen, als ob sie das Letzte wäre, als ob sie das Maß für alles wäre. Davon geht immer wieder eine große Versuchung und Verführung aus, dass wir sie und alles, was wir auf ihr vorfinden, als ein Letztes ansehen und zu einem Götzen machen."

Weiter sagte der Kardinal: „Wir wissen: Vieles ist uns anvertraut für eine gewisse Zeit, vieles ist uns gegeben als Leihgabe, treuhänderisch übergeben. Wir sollen es auch weitergeben, es nicht einfach ausnutzen und abnutzen. Das liegt auch darin begründet, dass wir selbst Söhne und Töchter der Erde sind. Und deshalb ist es gut, wenn wir in der besonders zugespitzten Form der Asche des alten Symbols der Vergänglichkeit, uns ganz konkret durch dieses Symbol daran erinnern, es auf unser Haupt legen lassen. So vergessen wir wirklich nie, dass wir uns auch in unserem Denken, in unserem Verhalten, in unserem Wollen, in unserem Fühlen davon uns inspirieren und bestimmen lassen."


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