Zum Arzt ohne Bedingungen

Der Gesundheitsladen in Worms ist Anlaufstelle für diejenigen, die keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben

Mi 19. Dez 2018
Kirchenzeitung

Der Gesundheitsladen in Worms ist Anlaufstelle für diejenigen, die keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben

Wer krank ist, geht zum Arzt, oder? Nicht für alle ist das so einfach. Der
Gesundheitsladen in Worms ist Anlaufstelle für diejenigen, die keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Seit zehn Jahren. Ein Grund zu feiern?

Im Zeichen der Elisabeth von Thüringen, die sich den Armen zuwandte: Ehren- und Hauptamtlichen erhielten als Dank für ihr Engagement rote Rosen. | (c) CV Worms
Im Zeichen der Elisabeth von Thüringen, die sich den Armen zuwandte: Ehren- und Hauptamtlichen erhielten als Dank für ihr Engagement rote Rosen. |

Eigentlich nicht, findet Caritasdirektor Georg Diederich. Dass Menschen bei uns aus dem System der Gesundheitsversorgung herausfallen können, dafür sei Deutschland schon von der UNO gerügt worden. Schwer vorstellbar in unserem reichen Land?

Was tun, „wenn meine Kinder krank werden“?

Bei der Gründung des Gesundheitsladens habe man vor allem an Menschen ohne festen Wohnsitz gedacht, sagt Georg Diederich bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Gesundheitsladens im Café gleis 7 in Worms. Wie etwa an einen 54-Jährigen, dessen Zitat bei der Feier vorgelesen wird: „Ich lebe seit fünf Jahren auf der Straße und habe keine Meldeadresse. Da ich nicht durchgängig bei der Krankenkasse gemeldet bin, habe ich Beitragsschulden und werde nur im Notfall medizinisch versorgt. Die Bürokratie ist ziemlich kompliziert.“
Bald habe sich aber gezeigt, berichtet der Caritas-Fachbereichsleiter Georg Bruckmeir, dass fehlende Gesundheitsversorgung Menschen aus vielfältigen Gründen trifft. Auch dazu lesen Ehrenamtliche Zitate von Betroffenen vor. Das eines 61-jährigen Selbstständigen etwa: „Jahrelang war ich in einer privaten Krankenversicherung. Als die Beiträge irgendwann auf fast 1000 Euro im Monat gestiegen waren, konnte ich mir das nicht mehr leisten. In eine gesetzliche Krankenversicherung komme ich nicht mehr, da ich älter als 55 bin.“ Oder das Zitat einer Frau aus Bulgarien, Mutter von zwei Kindern. Sie darf als EU-Bürgerin hier zwar leben und arbeiten, wie viele andere aber hat sie keinen Krankenversicherungsschutz. Sie fragt: „Was soll ich tun, wenn meine Kinder krank werden?“ Die Gründe, in den Gesundheitsladen zu kommen, sind also vielfältiger als zu Beginn erwartet. Und auch die Zahl der Menschen ist gestiegen: von durchschnittlich drei pro Sprechstunde zu Projektbeginn auf acht bis neun in diesem Jahr. Doch der Auftrag, sagt Georg Bruckmeir, ist gleich geblieben: Jeden Mittwochnachmittag findet eine kostenlose medizinische Sprechstunde im Gesundheitsladen statt, im Wechsel ehrenamtlich getragen von sieben Ärzten, sechs Pflegekräften und einer Arzthelferin und unterstützt von Fachärzten in 18 niedergelassenen medizinischen Praxen. Hinzu kommt „aufsuchende Arbeit“ in der Obdachlosenunterkunft und der Nichtsesshaftenherberge des Deutschen Roten Kreuzes. Ein Kinderarzt versorgt bei Hausbesuchen Neugeborene und Kinder.
Über die medizinische Hilfe hinaus ist auch die Reintegration ins Gesundheitssystem ein wichtiges Ziel der Arbeit. Dazu beraten im Wechsel die Projektleiterin des Gesundheitsladens, Angelika Ernst-Auer aus der Suchtkrankenhilfe, und Tanja Lemper aus der Sozialberatung.


Armut macht krank – Krankheit macht arm

VON PATRICIA MANGELSDORFF

Den ganzen Beitrag mit weiteren Hintergründen lesen Sie in der Print-Ausgabe von "Glaube und Leben" vom 23.Dezember

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