Bischof Kohlgraf weihte Karmeliten zum Priester

Weihegottesdienst von Bruder Severin Tyburski OCarm im Mainzer Dom

Mainz, 8. August 2020: Bischof Peter Kohlgraf (mitte) nach der Weihe mit Pater Severin Tyburski und Provinzial Pater Peter Schröder (rechts) (c) Bistum mainz / Blum
Datum:
Sa 8. Aug 2020
Von:
tob (MBN)

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat den Karmeliten, Bruder Severin Tyburski OCarm, durch Gebet und Handauflegung am Samstag, 8. August, im Mainzer Dom zum Priester geweiht. In seiner Predigt machte Bischof Kohlgraf deutlich, das christliches Leben „die Einladung zu einem täglichen Eintauchen“ in die Zusagen Jesu an uns ist. Aus seiner „Freundschaft und Liebe, dem Leben in Fülle, der Erwählung und der Erfahrung, dass der Herr sich für mich, für uns hingegeben hat“, folge der Versuch, eine persönliche Antwort zu geben. 

Mainz, 8. August 2020: Die Priesterweihe von Severin Tyburski erfolgte durch Gebet und Handauflegung durch Bischof Peter Kohlgraf. (c) Bistum Mainz / Blum

„Sie, lieber Bruder Severin, geben heute eine Antwort, aber sie muss täglich neu versucht werden. Das wird einmal besser und einmal mühsamer gehen, aber um diese Antwort müssen Sie, müssen wir alle uns bemühen.“ Der Weihegottesdienst fand aufgrund der Corona-Beschänkungen mit 50 Teilnehmern aus der Ordensgemeinschaft und dem Familien- und Bekanntenkreis des Weihekandidaten statt.

Mainz, 8. August 2020: Während der Allerheiligen-Litanei legt sich der Weihekandidat auf den Boden, um zu zeigen, dass er sich ganz in die Hände Gottes begibt. (c) Bistum Mainz / Blum

Ausgangspunkt seiner Predigt war das bekannte Zitat des Theologen Karl Rahner über den Christen als Mystiker: „Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein, oder er wird gar nicht mehr sein. Er wird jemand sein, der Gott erfahren hat, oder er wird aufhören, Christ zu sein.“ Kohlgraf sagte: „Jemand muss Erfahrungen im Glauben machen, er muss erfahren, wie schön es sein kann, an Gott zu glauben, wie gut es ist, zu einer Glaubensgemeinschaft zu gehören, dann wird er sich für den Glauben interessieren, dann wird er Christ bleiben. Wenn das Christentum nur noch Institution ist, ein Sammelbecken großartiger Theorien, dann bleibt es nicht aus, dass Menschen der Kirche und dem Christentum den Rücken kehren, dass es nach und nach uninteressant wird. Und wir spüren heute deutlich, dass Karl Rahner Recht hatte: Wir müssen heute mehr als nach Gewohnheiten nach den wirklichen Gründen des Glaubens suchen und Menschen diese Gründe überzeugend anbieten. Auf Traditionen allein können wir unser Christ- und Kirche sein nicht mehr bauen.“

Wer in den priesterlichen Dienst trete, betonte Kohlgraf, „soll verkündigen, mit Tat und Wort, mit seinem Leben. Er darf andere teilhaben lassen an seinen Glaubenserfahrungen. Er soll an Gottes Gegenwart erinnern, aber nicht mit gewandten Worten oder mit schlauen Argumentationen, sondern indem er andere teilhaben lässt an seinen Glaubenserfahrungen, an seinen Fragen und seiner Gottesnähe, an seinen Zweifeln durchaus, damit Gott nicht schöne Theorie bleibt. Und er darf in der Spendung der Sakramente anderen diese Nähe Gottes berührbar und selbst erfahrbar machen.“

Mainz, 8. August 2020: Auch der Weihegottesdienst von Severin Tyburski fand im Mainzer Dom unter Corona-Bedigungen statt, so dass nur 50 Gläubige an der Feier teilnehmen konnten. (c) Bistum Mainz / Blum

Und weiter: „Wenn heute manchmal eine modernere Verkündigungssprache eingefordert wird, bleibt mir dies auch zu sehr an der Oberfläche. Es geht nicht um eine schöne neue Verpackung, sondern um den großartigen Inhalt, den Gott des Lebens, den ‚Schatz im Acker’ sowie die ‚kostbare Perle’, die es zu suchen gilt und die gefunden werden können (Mt 13, 44-46). Dazu bedarf es des ‚Mystikers’, des Zeugen, eines Menschen, der etwas erfahren hat und aus dieser Erfahrung lebt.“

Die musikalische Gestaltung der Priesterweihe hatte der Mainzer Domorganist, Professor Daniel Beckmann, übernommen, zusammen mit Lisa Katharina Lagall als Kantorin. Am Weihegottesdienst nahm unter anderen auch der Provinzial der Deutschen Provinz der Karmeliten, Pater Peter Schröder OCarm teil.

Frater Severin wurde 1989 in Heydebreck-Cosel (Polen) geboren und siedelte noch im gleichen Jahr mit seiner Familie nach Deutschland über, wo er in Weidenberg (Diözese Regensburg) aufwuchs. 2010 trat er in den Karmel ein. Bischof Kohlgraf hatte im vergangenen Jahr in der Karmeliterkirche bereits die Diakonenweihe von Bruder Severin vorgenommen.