„Hohe Bedeutung als geistlicher Ort“

750 Jahre Kloster Engelthal: Gottesdienst mit Bischof Peter Kohlgraf

750 Jahre Kloster Engelthal (c) Bistum Mainz / Matschak
Datum:
Do. 3. Mai 2018
Von:
am (MBN)
„Bis heute haben das Kloster und die Schwestern eine hohe Bedeutung als geistlicher Ort für die Region und für das Bistum und für viele einzelne Menschen weit über die Region hinaus. Selten stehen die Schwestern in der Öffentlichkeit. Heute möchte ich Ihnen herzlich für Ihr Gebet, Ihre Arbeit, Ihre Gastfreundschaft und Ihr Da-Sein danken.“
750 Jahren Abtei Kloster Engelthal (c) Bistum Mainz / Matschak

Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf anlässlich des 750-jährigen Bestehens von Kloster Engelthal bei Altenstadt. Kohlgraf äußerte sich in einem Gottesdienst in der Abteikirche am Donnerstag, 3. Mai; an diesem Tag feierte die Abtei ihr Kirchweihfest. Die Abtei war im Jahr 1268 als Zisterzienserinnenabtei gegründet worden und wurde im Jahr 1803 im Zuge der Säkularisation aufgehoben. 1962 wurde das Kloster als Benediktinerinnenabtei neu errichtet. 

Kohlgraf würdigte insbesondere die „Kreuzesnachfolge“ der Schwestern: „Im Gebet suchen Sie die Nähe Jesu, Tag für Tag, und nehmen die Welt mit dazu. Das ist ein unbezahlbarer Dienst, der gerade nicht im Namen Jesu und des Kreuzes ausgrenzt, sondern ein weites Herz hat für alle Menschen, ja, auch für die Feinde des Glaubens, für die schon Jesus zu beten aufruft. Was Sie tun, ist eine Ermutigung für die ganze Kirche. Sie halten durch Ihre Form der Christusnachfolge den Gedanken allumfassender Liebe und Fürsorge wach, die jedem Christen aufgetragen sind.“ 

De Mainzer Bischof betonte, dass die Schwestern Themen wachhalten, „die die ganze Kirche betreffen: die Nachfolge, das Zeugnis, die Notwendigkeit des Gebets, das Ewige Leben, das uns schon jetzt geschenkt ist, sowie die praktizierte Nächstenliebe. Heute danke ich Ihnen, danken wir alle Ihnen für diesen Dienst an der ganzen Kirche und an allen Menschen. Gott möge die kommende Zeit segnen und Ihnen auch künftig Freude an der Berufung und an Ihrem täglichen Dienst schenken.“ 

Begrüßung von Äbtissin Elisabeth Kralemann OSB 

Die Äbtissin von Kloster Engelthal, Elisabeth Kralemann OSB, zeigte sich dankbar, „diesen Tag mit den Menschen zu feiern, die in besonderer Weise zu uns gehören“ - gekommen waren unter anderem die Oblatengemeinschaft, Mitglieder der Stiftung Abtei Kloster Engelthal, Freundeskreise sowie zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Auch Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtags, nahm an dem Gottesdienst teil; Kartmann ist stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung. Kralemann erinnerte auch an die Gründungslegende des Klosters: Bauern sollen eines Tages in diesem Tal tanzende und musizierende Engel gesehen haben. „Diese Gründungslegende drückt eine tiefe Wahrheit aus. Sie erklärt den Namen des Klosters und zugleich seine Zweckbestimmung: Sein Sinn besteht vor allem anderen Tun und Leisten im Lobpreis und in der Anbetung Gottes, wozu auch der heilige Benedikt uns einlädt, wenn er in seiner Regel schreibt, dass ,Gott in allem verherrlicht werde‘. Diese Vorgabe für unser Kloster möchten wir auch heute präsent halten“, sagte die Äbtissin. 

Nächstes „Engelthaler Gespräch“ am 16. Mai 

Der Gottesdienst war der Auftakt zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in diesem Jahr. Im Laufe des Jahres sind weitere Veranstaltungen geplant. Bereits im Mai findet das nächste „Engelthaler Gespräch“ statt: Am Mittwoch, 16. Mai, um 18.30 Uhr sprechen Botschafterin Annette Schawan, Rom, Dr. Katrin Brockmöller, Direktorin des Katholischen Bibelwerks, Stuttgart, und Äbtissin M. Elisabeth Vaterodt OCist von der Zisterzienserinnenabtei Marienthal über das Thema „Relevanz von Klöstern in unserer Gesellschaft“. Moderiert wird der Abend von Alexander Kähler von Phoenix TV. Darüber hinaus laden die Engelthaler Benediktinerinnen am 10. September die Ordensleute des Bistums Mainz zum Ordenstag der Diözese an. Zudem findet am 2. Oktober im Kloster Engelthal ein Benediktinisch-Zisterziensischer Tag statt. 

Zur Geschichte der Benediktinerinnen in Engelthal 

Das Zisterzienserinnenkloster „Zur heiligen Maria im Thal der Engel“ war 1268 von den Rittern von Buches und dem Burggrafen zu Friedberg gestiftet worden und unterstand der Zisterzienser-Abtei Arnsburg bei Lich. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges mussten die Schwestern 1622 nach Aschaffenburg, Lindheim und Frankfurt fliehen, der Konvent zerstreute sich, der Klosterkomplex wurde in dieser Zeit völlig zerstört. Erst rund 30 Jahre nach ihrer Rückkehr konnten die Schwestern mit dem Wiederaufbau des Klosters beginnen. So entstand in den Jahren 1666 bis 1750 auf den alten gotischen Grundmauern ein Klosterneubau im spätbarocken Stil. Mit Kirche, Konvents- und Wirtschaftsgebäuden sowie einem repräsentativen Äbtissinnenbau erhielt es so im Wesentlichen seine heutige Gestalt. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1803 aufgelöst; die neuen Besitzer nutzten die Klostergebäude als Hofgut, allerdings wurden zwei der Kreuzgangflügel abgetragen. Die Kirche des Klosters diente den Katholiken der Umgebung weiterhin als Pfarrkirche und blieb so erhalten. 

1961 erwarb das Bistum Mainz den Klausurbezirk der früheren Zisterzienserinnen-Abtei Engelthal vom letzten Besitzer und stellte sie der Benediktinerinnen-Abtei vom Heiligen Kreuz zu Herstelle/Weser für eine Neugründung zur Verfügung. Das Bistum wünschte, dass hier wiederum ein Kloster entsteht, ein „Ort, der dem geistlichen Leben dient“. Unter Leitung von Priorin Diethild Eickhoff wurde zum 1. Mai 1962 ein abhängiges Priorat mit 20 Nonnen errichtet, das zur Beuroner Benediktinerkongregation gehört. Am 24. August 1965 wurde das Kloster Engelthal zur Abtei erhoben. 2013 erhielt das Kloster für sein ganzheitliches Öko-Konzept den Umweltpreis des Bistums Mainz. Im Dezember 2004 wurde die Stiftung Abtei Kloster Engelthal errichtet: Sie will sicherstellen, dass die Abtei als spirituelles, ökumenisches und kulturelles Zentrum erhalten bleibt. Im Kloster Engelthal leben zurzeit 16 Schwestern. Seit 2003 ist Schwester Elisabeth Kralemann OSB Äbtissin des Klosters Engelthal; der verstorbene Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hatte die Benediktion im Mai 2003 vorgenommen.

Hinweise:

750 Jahre Kloster Engelthal (c) Bistum Mainz / Matschak
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