Kohlgraf: Die biblische Friedensversion Wirklichkeit werden lassen

Friedensgebet in St. Christoph zum Gedenken an Atombombenabwürfe vor 75 Jahren

Mainz, 6. August 2020: Bischof Peter Kohlgraf beim Friedensgebet zum Hirsohima-Gedenktag zusammen mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeister Michael Ebling. (c) Bistum Mainz / Blum
Datum:
Do 6. Aug 2020
Von:
(MBN)

Mainz. Mit der Erinnerung an die Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki vor 75 Jahren „lassen wir uns in die Pflicht nehmen, aus der biblischen Friedensversion Wirklichkeit werden zu lassen“. Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, der auch Präsident der katholischen Friedensbewegung pax christi in Deutschland ist, am Donnerstagabend, 6. August, bei einem Friedensgebet in der Ruinenkirche St. Christoph in Mainz. 

Mainz, 6. August 2020: Das Friedensgebet zum Hiroshima-Gedenktag fand in der Ruinenkirche St. Christoph statt. (c) Bistum Mainz / Blum

Kohlgraf bezeichnete den im Gottesdienst vorgelesenen Prophetentext vom Friedensfürsten (Jes 9,16) als „umfassende Vision einer unerbittlichen Hoffnung“. Wörtlich sagte er: „Es geht nicht nur um Verbote von Waffen. Es geht um aktive Friedensarbeit, im Großen wie im Kleinen. Es geht um das Teilen und das Leben der biblischen Vision vom Frieden und um die konkrete Nachfolge des Friedenskönigs. Wir nehmen die Einladung an, der Sehnsucht Gottes nach einer Welt des Friedens Raum zu geben. Und wir lassen uns auch die prophetische Aufgabe nicht nehmen, menschliche Machtdünkel anzufragen und an den wahren König des Friedens zu erinnern: in Wort und Tat. Dazu braucht es die Vision des Friedens im Herzen und dass viele Menschen spüren: ‚Sie strahlen diese unerbittliche Hoffnung aus.‘“ 

Der Bischof brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die biblische Vision den Einzelnen und damit die ganze Welt verändern möge: „Vielleicht spüren wir plötzlich, dass ein Prophetentext keine berauschende Vertröstung ist, sondern eine Energie werden kann, die dazu hilft, selbst immer wieder neu zu werden, aufzubrechen in eine Welt des Friedens, im Kleinen wie im Großen.“ 

Grußworte von Ministerpräsidentin Dreyer und Oberbürgermeister Ebling

Mainz, 6. August 2020:

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer bezeichnete in ihrem Grußwort die Abwürfe der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki als „grauenhafte Schicksalstage im Gedächtnis der Welt“. Sie verwies darauf, „dass wir uns in einer Phase atomarer Aufrüstung befinden“. Notwendig seien daher „multilaterale Initiativen für Abrüstung“. Und weiter: „Friede auf der Welt ist nur durch eine internationale Verständigung möglich. Frieden zu schaffen ist Arbeit und es erfordert den Willen aller Staaten, sich dieser Arbeit zu stellen.“ Dreyer dankte den Initiativen, die sich in der „Mainzer Aktionswoche gegen Atomwaffen“ engagieren, „denn Erinnerungsarbeit ist immer auch Friedensarbeit“.

Als „Zeitenwende“ bezeichnete der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling die Atombombenabwürfe, „denn seither leben wir mit der Gefahr einer drohenden Selbstauslöschung der Menschheit. Die Bilder von damals mahnen uns, alles in unserer Macht Stehende zu tun, diese Gefahr zu bannen“, sagte Ebling. Als erste Stadt in Deutschland hatte Mainz die Bundesregierung im Jahr 2019 aufgefordert, sich dem UN-Vertrag von 2017 zum Verbot von Atomwaffen anzuschließen. In seinem Grußwort bekräftigte Ebling diese Forderung. Die Stadt Mainz ist seit 1984 in der Organisation „Mayors for peace“ engagiert, die sich der Friedensarbeit, besonders für atomare Abrüstung engagiert. 

Die Begrüßung hattet Pfarrer Michael Baunacke, Geistlicher Beirat von pax christi Rhein-Main, übernommen. Den musikalischen Rahmen gestalteten Jim und Hiroko Franklin auf japanischen Holzflöten. Das Friedensgebet zum Gedenken an die Atombombenabwürfe in Hirsohima und Nagasaki vor 75 Jahren stand unter der Überschrift „Nie wieder?“.

Veranstaltung im Rahmen der „Mainzer Aktionswoche gegen Atomwaffen“

Mainz, 6. August 2020: Den musikalischen Rahmen gestalteten Jim und Hiroko Franklin auf japanischen Holzflöten. (c) Bistum Mainz / Blum

Das Friedensgebet fand im Rahmen der „Mainzer Aktionswoche gegen Atomwaffen“ (28. Juli bis 9. August) statt. Veranstalter sind in Zusammenarbeit mit der Stadt Mainz die katholische Friedensbewegung pax christi Rhein Main, Regionalverband Limburg-Mainz, die Organisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung), der Internationale Versöhnungsbund und die Organisation ICAN in Rheinland-Pfalz (Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen).

Öffentliche Fastenaktion in Mainz

Der Initiativkreis gegen Atomwaffen der Regionalgruppe des Internationalen Versöhnungsbundes Cochem-Zell ist in diesem Jahr mit seinem Fastenzelt während der Mainzer Aktionswoche auf dem Bischofsplatz und dem Domplatz präsent. Im Rahmen ihrer öffentlichen Fastenaktion haben Lothar Eberhardt aus Berlin und Pfarrer Matthias-W. Engelke aus Köln eine „Mainzer Erklärung“ verfasst, in der sie um Unterstützung für ihren Einsatz zum Anzug der amerikanischen Atomwaffen aus Deutschland werben. Darin heißt es: „Die Atomwaffen abzuschaffen ist eine Aufgabe der Menschlichkeit. Wir alle sind als Menschheit gefordert.“

Eberhardt und Engelke verweisen darauf, dass die Weltbedrohungsuhr der amerikanischen Zeitschrift der Atomwissenschaftler im Januar von zwei Minuten vor Zwölf auf 100 Sekunden vor Zwölf gestellt wurde: „Noch nie war die Gefahr eines Atomkrieges so hoch wie jetzt! Das widerspricht dem alltäglichen Bedrohungsgefühl. Wir ermuntern dazu, an jedem Neunten eines Monats den Wecker auf 11.58 Uhr und 20 Sekunden zu stellen und für 100 Sekunden die Arbeit nieder zu legen.“ Die elfte Fastenaktion hatte in diesem Jahr am 26. Juli in Gau-Algesheim begonnen und endet am Sonntag, 9. August, am Standort der amerikanischen Atomwaffen in Büchel.