Kohlgraf: Wir sollen zu einer „lebendigen Bibel“ werden

Geistlicher Tag der Diakone mit dem Mainzer Bischof im Priesterseminar

Tag der Diakone (c) Bistum mainz / Andrijevich
Tag der Diakone
Mo, 3. Dez 2018
tob (MBN)

„Die Bibel bleibt toter Buchstabe, wenn wir nicht zur lebendigen Bibel, zum lebendigen Wort Gottes werden.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Samstag, 1. Dezember, in seiner Predigt bei der Eucharistiefeier im Rahmen des Geistlichen Tages der Diakone im Mainzer Priesterseminar.

Und weiter. „Ist uns das eigentlich klar, dass wir Gott repräsentieren als Getaufte und Gefirmte, als Lektoren, Diakone und Priester? Dass wir die Bibel glaubwürdig oder unglaubwürdig machen? Noch vor jedem gedruckten Buch sind wir die lebendige Bibel, die die Menschen lesen, so dass sie das Wort Gottes glauben oder ablehnen.“

 

Wörtlich sagte Kohlgraf: „Es geht darum, das Wort Gottes zu lieben, und wenn es nur wenige Stellen sind, die mich faszinieren. Und die mein Leben prägen. Vor der Priesterweihe war dies mein Primizspruch aus der Apostelgeschichte (Apg 17,28): ‚In Ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir.’ Damals stand die Entscheidung für mein Leben an: Kannst du das, willst du das? In dem Wort aus der Apostelgeschichte fand ich mein Vertrauen wieder, dass ich ein Leben lang in ihm sein werden, er mich nie verlassen wird. Ich habe mich in vielen Situationen meines Lebens dann immer wieder an dieses Versprechen erinnert. Zur Bischofsweihe habe ich mich für das Wort vom nahegekommenen Gottesreich entschieden. Auch dieses Wort enthält ein tragendes Versprechen. Gott wirkt in der Welt, in der Kirche. Die Kirche ist kein Selbstzweck, sondern Instrument des Gottesreiches, Zeichen und Werkzeug. Wenn unsere Welt Gottes Welt ist, wenn die Kirche seine Kirche ist, wird er sie nicht verlassen. Ich darf in meinem Leben dieser Gottesherrschaft dienen, mich ihm zur Verfügung stellen. Eigentlich sollte jeder so ein Wort haben, das ihm zum Lebensmotto wird. Wer sich durch einen Bibeltext zum Guten bewegen lässt, hat mehr verstanden als jeder große Theologe, der vielleicht nur über die Bibel nachdenkt.“

 

In der Institutio durch Bischof Kohlgraf empfingen beim Gottesdienst Matthias Görtz, Nidderau-Heldenbergen, Markus Landua, Worms, sowie Marcus Ostheimer, Schaafheim-Mosbach, die Beauftragung zu Lektoren und Akolythen. Konzelebranten waren Domkapitular Prälat Hans-Jürgen Eberhardt, Pfarrer Markus Warsberg, Bischöflicher Beauftragter für den Ständigen Diakonat, und Pfarrer Winfried Hommel, Spiritual der Diakone und Leiter des Institutes zur Geistlichen Begleitung. Weitere Mitwirkende waren der Ausbildungsreferent, Diakon Norbert Tiegel, und der Sprecher der Diakone, Diakon Wolfgang Ludwig.

 

Zu Beginn des Tages ging Bischof Kohlgraf bei einem Impuls in der Aula des Priesterseminars auf den Pastoralen Weg des Bistums ein. Kohlgraf machte deutlich, dass es beim Pastoralen Weg darum gehe, „die Zeichen der Zeit zuerkennen. Wir müssen uns fragen: Was ist unser Auftrag als Kirche in der heutigen Welt?“ Es wäre falsch, den Pastoralen Weg bloß als Strukturreform zu sehen, bei dem es nur um Geld und Ressourcen gehe, sagte der Bischof. Kohlgraf warb auch unter den Diakonen um Beteiligung am Pastoralen Weg. Er wies darauf hin, dass es auf Dekanatsebene jeweils ein Projektteam geben werde; dieses habe die Aufgabe, die einzelnen Themengruppen zu bündeln. Der Bischof betonte, dass eine breite Beteiligung - gerade auch von Vertretern anderer Kirchorte, die nicht zu den Territorialgemeinden gehören - erforderlich sei.

 

Die Diakone hatten sich seit der Diözesanversammlung intensiv mit den Überlegungen des Bischofs auseinandergesetzt. In den vier Regionalgruppen und in der Sprecherkonferenz wurden Stellungnahmen formuliert, die einen Beitrag zur Rolle des Ständigen Diakons in der künftigen Pastoral geben wollen. Die Begrüßung hatte der neue Personaldezernent, Domkapitular Prälat Hans-Jürgen Eberhardt, übernommen.

 

Am Nachmittag fand außerdem die Jahresversammlung der Ständigen Diakone statt, bei der die Situation in der Berufsgruppe Thema war. Diakon Ludwig sowie die Regionen-Sprecher Dr. Bernhard Dörr, Goran Andrijevic, Martin Huber und Ralf Michael Bohne und Pfarrer Warsberg nahmen dabei zu aktuellen Fragen Stellung. Der Tag endete mit einer gemeinsamen Vesper. Bei dem traditionellen Geistlichen Tag der Diakone versammeln sich die Ständigen Diakone im Bistum Mainz mit ihren Frauen, die Bewerber im Diakonatskreis (Pastoralkurs), die Interessenten am Diakonat (zum Beispiel die Teilnehmer am Würzburger Fernkurs Theologie) und die Witwen der verstorbenen Diakone.

 

Es gibt 135 Ständige Diakone im Bistum Mainz

 

Zurzeit gibt es 135 Ständige Diakone im Bistum Mainz. Davon befinden sich 48 im Ruhestand, der im Regelfall mit 65 beginnt. Neuerdings können die Seelsorger als „Diakone mit Zivilberuf“ auf Antrag bis zum 70. oder den 75. Geburtstag im Dienst bleiben. Von den 87 aktiven Ständigen Diakonen sind 24 hauptberufliche Seelsorger, 63 „Diakone mit Zivilberuf“. Zehn Diakone kommen aus anderen Diözesen oder Ordensgemeinschaften. Vier verbringen ihren Ruhestand außerhalb der Diözese. Fünf aktive Diakone haben ihren Wohnsitz in anderen Diözesen und tun ihren Dienst dort. Die meisten Ständigen Diakone sind verheiratet. Das Mindestalter für die Weihe liegt bei 35 Jahren, das Höchstalter bei 55. Voraussetzung für die Aufnahme in den Diakonatskreis (Pastoralkurs) ist ein theologischer Abschluss, in der Regel beim Fernkurs der Würzburger Domschule, sowie Bewährung in Beruf und Familie, im ehrenamtlichen Dienst in der Gemeinde und im religiösen Leben. Ein Infotag findet am 6. April 2019 statt.