Im Gespräch - Komminikationsanregungen

DIALOG-REGELN

1. JedeR genießt den gleichen Respekt.
2. Ich vertraue mich neuen Sichtweisen an.
3. Ich mache mir bewusst, dass meine "Wirklichkeit" nur ein Teil des Ganzen ist.
4. Ich genieße das Zuhören.
5. Ich brauche niemanden von meiner Sichtweise zu überzeugen.
6. Wir verzichten auf eine einvernehmliche Lösung.
7. Wenn ich von mir rede, benutze ich das Wort "Ich" und spreche nicht von "man".
8. Bevor ich rede, nehme ich mir einen Atemzug Pause.
9. Ich rede von Herzen und fasse mich kurz.
10. Ich nehme Unterschiedlichkeit als Reichtum wahr.

PARTNER-LANDKARTE NACH JOHN GOTTMAN

John Gottmann ist ein amerikanischer Psychologe, der sich viel mit dem Thema "gelingende Beziehung" beschäftigt hat. Hier eine Partnerübung, was Sie über ihren Partner wissen. Wenn Sie die folgenden Fragen ehrlich beantworten, werden Sie eine Vorstellung davon erhalten, wie gut Ihre derzeitige Partner-Landkarte ist. Dazu sollten Sie beide die folgenden Fragen beantworten.
Lesen Sie jede Aussage und beantworten Sie sie mit "wahr" oder "falsch".

  1. Ich kann die besten Freunde meines Partners nennen. 
  2. Ich kann sagen, mit welchen Problemen mein Partner gerade konfrontiert ist. 
  3. Ich kenne die Namen einiger Menschen, mit denen mein Partner in der letzten Zeit Schwierigkeiten hatte.
  4. Ich kann einige der Lebensträume meines Partners nennen. 
  5. Ich bin mit den religiösen Vorstellungen und Überzeugungen meines Partners sehr vertraut. 
  6. Ich kann sagen, welches die grundsätzliche Lebensphilosophie meines Partners ist. 
  7. Ich weiß, welche Verwandte mein Partner am wenigsten mag. 
  8. Ich weiß, welche Musik mein Partner am liebsten mag. 
  9. Ich kann die drei Lieblingsfilme meines Partners nennen.
  10. Mein Partner kennt die Probleme, mit denen ich gegenwärtig konfrontiert bin.
  11. Ich kenne drei der wichtigsten Phasen im Leben meines Partners.
  12. Ich kann das schwerwiegendste Ereignis nennen, das meinem Partner in der Kindheit widerfuhr.
  13. Ich kann die wichtigsten Hoffnungen und Wünsche, die mein Partner für sein Leben hegt, aufzählen.
  14. Ich kenne die wichtigsten Ängste, von denen mein Partner derzeit heimgesucht wird.
  15. Mein Partner kennt meine Freunde.
  16. Ich weiß, was mein Partner tun würde, wenn er plötzlich im Lotto gewinnen würde.
  17. Ich kann genau schildern, wie mein erster Eindruck von meinem Partner war.
  18. Ich befrage meinen Partner regelmäßig über seine Vorstellungen und Erfahrungen.
  19. Ich habe das Gefühl. als würde mein Partner mich ziemlich gut kennen.
  20. Mein Partner ist mit meinen Wünschen und Hoffnungen vertraut.

Bewertung: Geben Sie sich einen Punkt für jedes "Wahr".

10 oder mehr Punkte: Dies ist ein sicherer Bereich in Ihrer Ehe. Sie besitzen eine recht genaue Landkarte vom Alltagsleben Ihres Partners, von seinen Hoffnungen, Ängsten und Träumen. Sie wissen, was Ihren Partner aus der Ruhe bringt.

Unter 10 Punkte: Ihre Ehe könnte in diesem Bereich einige Verbesserungen gebrauchen. Vielleicht hatten Sie nie die Zeit oder die Möglichkeit, einander wirklich kennenzulernen. Oder Ihre Partner-Landkarten sind veraltet, da Ihre Beziehung sich im Laufe der Zeit verändert hat. In jedem Fall werden Sie feststellen, dass Ihre Beziehung gestärkt wird, wenn Sie sich jetzt die Zeit nehmen, mehr über Ihren Partner herauszufinden.

(aus: John M. Gottman, Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe, 1999)

FERTIGKEITEN DES SPRECHENS

Kennzeichen für eine direkte Form der Mitteilung

1. Ich-Gebrauch
Sprechen Sie von Ihren eigenen Gedanken und Gefühlen. Kennzeichen dafür ist der Ich-Gebrauch.Alle Aussagen werden dadurch persönlicher. Äußerungen, die nur auf andere gerichtet sind (Du-Sätze) sind meist Vorwürfe oder Anklagen, die als Auslöser für Gegenangriffe oder Rechtfertigungen wirken.

2. Konkrete Situation ansprechen
Sprechen Sie konkrete Situationen oder Anlässe an, sodass Verallgemeinerungen vermieden werden. Verallgemeinerungen rufen meise sofortigen Widerspruch hervor und lenken vom eigentlichen Inhalt der konkreten Situation ab. Durch die Einhaltung dieser Regel werden Ihre Aussagen anschaulicher.

3. Konkretes Verhalten ansprechen
Sprechen Sie von konkretem Verhalten in bestimmten Situationen. Das macht Ihre Aussagen nachvollziehbarer und Sie vermeiden dadurch Ihren Partner zu bewerten. Eine Unterstellung negativer Eigenschaften (z.B. "typisch", "unfähig", "langweilig", "nie aktiv") ruft nur Widerspruch hervor. Trennen Sie in Ihren Aussagen das Verhalten, das Sie wahrnehmen, von den Gefühlen und Gedanken, die es bei Ihnen auslöst.

4. Beim Thema bleiben
Achten Sie darauf, nur auf solche Inhalte einzugehen, die für das von Ihnen gewählte Thema von Belang sind und Ihrem Partner klarer machen, was Ihr Anliegen ist. Sonst läuft das Gespräch Gefahr völlig vom eigentlichen Thema abzukommen.

5. Sich öffnen
Öffnen Sie sich und beschreiben Sie, was in Ihnen vorgeht. Wenn Sie ihre Gefühle und Bedürfnisse direkt äußern, lassen sich Anklagen und Vorwürfe vermeiden und Sie können sich viel leichter verständlich machen. Auch kann dadurch "negatives Gedankenlesen" vermieden werden. Hierunter versteht man Äußerungen, die die Reaktionen des Partners vorwegnehmen, z.B. "auf andere Art kann man ja nicht mit dir reden" oder "ich würde was unternehmen, aber du machst ja doch nicht mit". Der Sprecher sichert sich damit schon im voraus gegen eine mögliche Reaktion ab und riskiert damit eine selbsterfüllende Prophezeiung.

FERTIGKEITEN DES ZUHÖRENS

Kennzeichen für positives Eingehen und Rückmeldung

1. Aufnehmendes Zuhören
Zeigen Sie ihrem Partner nonverbal (nicht-sprachlich), dass Sie ihm zuhören und Interesse an seinen Äußerungen haben. Dies kann z.B. durch unterstützende Gesten wie Nicken oder kurze Einwürfe wie "hm", "aha" geschehen. Wichtig ist neben dem Blickkontakt auch eine dem Partner zugewandte Körperhaltung. Ermutigungen, doch weiterzusprechen "ich würde gern mehr darüber hören", verstärken den Partner in seinem Erzählen.

2. Zusammenfassen
Melden Sie die wesentlichen Äußerungen möglichst in eigenen Worten zurück, um deutlich zu machen, dass Sie ihn verstanden haben. Fällt es Ihnen schwer, die Äußerungen in eigene Worte zu kleiden, sollten Sie vor wörtlichen Wiederholungen nicht zurückschrecken. Diese Regel unterstützt Sie beim Verstehen des Partners, deckt Missverständnisse auf und strukturiert das Gespräch.

3. Offene Fragen
Was Ihnen zum besseren Verständnis der Aussagen des Sprechers hilft, sollten Sie mit offenen Fragen in Erfahrung bringen, z.B. "wie ging es dir dabei?"., "woran hast du das gemerkt?"- nicht: " aber das musst du doch gemerkt haben, oder?". Offene Fragen ersparen Ihnen unnötige Interpretationen, vermitteln Ihrem Partner Interesse, nötigen ihn nicht zu Rechtfertigungen, sondern ermutigen ihn, sich tiefer auf das gewählte Thema einzulassen.

4. Lob für das Gesprächsverhalten
Faires Gesprächsverhalten ist nicht selbstverständlich. Loben Sie den Sprecher für offene und verständliche Äußerungen, damit dieser sich ermutigt fühlt (z.B. "ich verstehe jetzt viel besser, weil du mir das so klar und offen gesagt hast"). Natürlich kann auch der Sprecher gutes Zuhören des Partners loben.

5. Rückmeldung des ausgelösten Gefühls
Es gibt Situationen, in denen es nicht möglich sein wird mit Verständnis auf den Sprecher zu reagieren, etwa weil dessen Äußerungen Sie sehr aufgebracht haben. In einem solchen Fall sollten indirekte Aussagen vermieden werden, z.B. "aber das stimmt doch gar nicht!"Stattdessen melden Sie besser Ihre eigenen Gefühle direkt zurück, z.B. "ich bin völlig überrascht, dass du das so siehst." Genauso wichtig ist es, auch aufkommende positive Gefühle zurückzumelden, z.B. "mich freut es, dass du dies mit mir gemeinsam machen willst".

DAS ZWIEGESPRÄCH

Wie können Paare in einer längeren Beziehung über die Dinge in Kommunikation bleiben, die ihnen wirklich wichtig sind? Wie können sie im Alltag, gefangen zwischen Beruf, Kindern, Organisation des Lebens, im lebendigen Gespräch bleiben? Eine Option ist das sogenannte Zwiegespräch.

Die Regeln des Zwiegesprächs 

Michael Moeller hat das "Zwiegespräch" entwickelt, es hat sich seit über zwei Jahrzehnten zigtausendfach bewährt. Es ist eine Unterhaltung nach einfachen, aber festen Regeln. Beide Partner verpflichten sich, diese Regeln einzuhallten.
Feste Zeit Vereinbaren Sie pro Woche einen Termin und einen Ersatztermin (falls beim ersten etwas dazwischen kommt), an dem Sie ungestört "allein zu zweit" 45 Minuten lang miteinander sprechen können. Fester Ablauf Setzen Sie sich gegenüber oder gehen Sie zu zweit spazieren, denn das Wesentliche wird visuell übermittelt, nicht über die Sprache. Schalten Sie Störungen aus (Telefon, Computer, Hintergrundmusik, Fernseher). Kürzen Sie das Gespräch nicht ab, und verlängern Sie es nicht.
Fester Wechsel Für Zwiegespräche benötigen Sie eine Uhr. 15 Minuten spricht der eine, dann 15 Minuten der andere. Wer zuhört, stellt keine Fragen, nicht einmal Verständnisfragen.
Festes Thema Jeder erzählt, was ihn derzeit am meisten bewegt. "Ein Selbstportrait malen" nennt Moeller das. Jeder bleibt bei sich selbst  als Thema. Wenn er über den anderen spricht (was natürlich erlaubt ist), dann nicht wertend, sondern er schildert seine eigenen Empfindungen im Hinblick auf den Partner. Das ist der Unterschied zu Streitgesprächen, in der "Beziehungskiste", in denen jeder dem anderen weismachen will, wie er wirklich sei.

Warum Zwiegespräche so gut tun:

Jedes Paar, so Moeller, lebt in einer doppelten Wirklichkeit- in der eigenen und in der des Partners. Wenn jeder die Wirklichkeit des anderen kennenlernt, wird die Partnerschaft bereichert. Wenn jeder aber den anderen davon überzeugen möchte, die eigene Wirklichkeit sei die bessere, geht die Beziehung innerlich zu Ende. Daher lautet die wichtigste Voraussetzung des Zwiegesprächs: Gleichberechtigung der beiden Wirklichkeiten. In Zwiegesprächen lernen beide Partner fünf große Wahrheiten:

1. "Ich bin nicht du" Sie lernen, dass Sie sich gegenseitig viel weniger kennen, als Sie glaubten.

2. "Wir sind zwei Gesichter einer Beziehung" Zugleich lernen Sie, sich nicht als zwei unabhängige Individuen aufzufassen, sondern als ein Paar, das im Unterbewussten längst zusammengewachsen ist.

3. "Dass wir miteinander reden, macht uns zu Menschen" Sie lernen, dass Sie bestenfalls sich selbst, nicht aber den anderen ändern können, auch wenn Sie es ununterbrochenversuchen. Sie lernen, dass Sie beim Miteinanderreden nicht nur eine Beziehung zum anderen, sondern auch zu sich selbst aufnehmen.

4. "Wir erzählen uns Bilder" Sie lernen anstelle ungefährer Gefühle konkrete Szenen zu erinnern. Anstelle von "Ich finde dich toll" sagen Sie: "Heute früh sah ich dich, wie Du auf dem Rad mit wehender Jacke um die Ecke kamst und das Sonnenlicht in deine Haare geleuchtet hat. Da fand ich dich ganz wundervoll."

5. "Für meine Gefühle bin ich selbst verantwortlich" Sie lernen Ihre Gefühle als Handlungen Ihres Unbewussten zu verstehen- und nicht zu meinen, Gefühle kämen schicksalshaft über Sie oder würden von außen gemacht. Sie lernen Ihre Gefühle klarer auszudrücken und souveräner mit ihnen umzugehen, indem Sie sich nicht von jedem Gefühlsimpuls bestimmen lassen.

Wenn ein Zwiegespräch schief läuft:

Geben Sie nicht auf, wenn Ihre Zwiegespräche am Anfang nicht funktionieren. Vereinbaren Sie, in jedem Fall mindestens zehn Gespräche durchzuführen. Das ist der häufigste Fehler in der Partnerkommunikation. Man gibt zu schnell auf.