Evangelisierung

Wir wollen bekräftigen,
dass die Aufgabe,
allen Menschen die Frohbotschaft zu verkündigen,
die wesentliche Sendung der Kirche ist,
eine Aufgabe und Sendung,
die die umfassenden und tiefgreifenden Veränderungen
der augenblicklichen Gesellschaft
nur noch dringender machen.
Evangelisieren ist in der Tat
die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche,
ihre tiefste Identität.
Sie ist da, um zu evangelisieren …

(vgl. Evangelii Nuntiandi 14)

Evangelisierung - Symbolbild (c) unsplash.com

Evangelisierung ist...

Dem Begriff und der Idee von Evangelisierung liegen verschiedene Verständnisse und Ansatzpunkte zu Grunde. Im Nebeneinander und Miteinander höchst unterschiedlicher Initiativen, beim Probieren, Scheitern, Lernen und Gelingen im Weitergeben der Guten Nachricht blitzen aber immer wieder zentrale Punkte durch. Wir haben einige dieser Punkte versucht, hier zusammenzustellen. Sie verstehen sich als Anregung und Diskussionsgrundlage...

Sprache und Sprachfähigkeit

Sprache und Sprachfähigkeit

Die Sprache, mit der das Evangelium verkündet wird, ist entscheidend dafür, wie (und ob überhaupt) die Botschaft angenommen wird. Der frohen Botschaft darf man gerne zuhören! Gerne alltagstauglich und unterhaltend statt abstrakt und informierend. Schon einmal den Erzählstil des Storytelling ausprobiert?

Eingehen auf die Person und die gegebene Situation

Eingehen auf die Person und die gegebene Situation

"Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe" - Klaus Hemmerle. Evangelisierung beginnt mit einem ehrlichen Interesse und mündet in der Herausforderung das Evangelium an meinem Gegenüber neu zu buchstabieren. So kann sich auch mein Glaube weiterentwickeln und vertiefen.

Freude am eigenen Glauben und Selbstevangelisierung

Freude am eigenen Glauben und Selbstevangelisierung

"In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst. Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen." Das hat schon Augustinus gesagt (4./5. Jahrhundert), weil er wusste, dass es bei Evangelisierung nicht immer nur um das Gegenüber, sondern auch um mich geht. Wie und wo lasse ich mich von der frohen Botschaft erfreuen?

Respekt und Augenhöhe: Austausch statt Belehrungen

Respekt und Augenhöhe: Austausch statt Belehrungen

Mit jedem Menschen hat Gott bereits eine Geschichte. Das Beste im anderen entdecken lernen und gleichzeitig selbst das Beste geben, ohne sich dem anderen aufzudrängen. Die Kraft der Botschaft wirkt für sich selbst: Sie muss nicht krampfhaft verteidigt, wohl aber mutig bezeugt werden.

Gastfreundschaft zeigen und annehmen

Gastfreundschaft zeigen und annehmen

Wenn sich Menschen durch Begegnungen angesprochen fühlen, laden wir sie ein, an unserem Leben, an unserer Gemeinschaft teilzuhaben. Wir lassen uns auch einladen und werden zu Gästen, wenn andere uns an ihrem Leben Anteil geben - einfach das echte und pralle "Leben teilen".

Entfaltung der Taufberufung

Entfaltung der Taufberufung

Evangelisierung ist nicht nur etwas für Profis oder Hauptamtliche. Jede und jeder hat eigene Talente und Charismen (Gnadengaben), die er und sie einsetzen darf und soll. Und jede und jeder hat etwas von Gott zu erzählen - frei nach den Worten von Papst Franziskus: „Du hast nicht nur eine Mission, du bist eine Mission.“

Diakonie

Diakonie

So leben und handeln, dass man nach dem Glauben gefragt wird - besser und knapper kann die Bedeutung und das Potential diakonischen Tuns für die Evangelisierung nicht ausgedrückt werden. Bei Evangelisierung geht es immer auch um ein "Zeugnis des Lebens" (Evangelii Nuntiandi 21).

Bibel

Bibel

Die biblischen Texte berühren nicht nur, sondern haben auch die Kraft, Denken und Tun zu verändern. Das Wort Gottes befreit, stößt an und bringt in Bewegung. Deswegen darf die Bibel ist nicht nur Ausgangspunkt aller Bemühungen sein, sondern muss zentrales Element und ständiger Begleiter der Evangelisierung sein - am besten mit zeitgemäßen, bibelwissenschaftlich fundierten Methoden und Formaten.

Dem Gegenüber das Evangelium zutrauen

Dem Gegenüber das Evangelium zutrauen

Jeder Mensch hat das Recht, vom Evangelium zu erfahren. Wenn ich eine grundsätzliche Offenheit beim anderen wahrnehme, kann ich die Kraft, Relevanz und die Schönheit des Evangeliums sichtbar machen. Ich erzähle möglichst einfach und konkret, was mich persönlich erfüllt.

Achtung der Freiheit

Achtung der Freiheit

Das Evangelium ist ein Geschenk - und trotzdem ist es immer "nur" ein Angebot. Druck oder übergriffiges Verhalten sind absolut fehl am Platze. Im Verhältnis zwischen Gott und den Menschen geht es nie um ein Verhältnis verschiedener Kräfte, sondern um ein Verhältnis der Freiheit, letztlich um eine Beziehung des Vertrauens und der Liebe.