„Wir standen in Gummistiefeln am Altar, so sehr hat es geregnet. Aber alle waren da und feierten mit!“

Vor 40 Jahren war Papst Johannes Paul II. zu Besuch in Mainz

Johannes Paul II - Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Mainz (c) Bistum Mainz
Johannes Paul II - Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Mainz
Datum:
Mo. 16. Nov. 2020
Von:
Öffentlichkeitsarbeit Bistum Mainz

Vor genau 40 Jahren, am 16. und 17. November 1980, gab’s hohen Besuch in Mainz. Papst Johannes Paul II. war in der Stadt und traf sich dort mit Kardinal Hermann Volk und Karl Lehmann, im Rahmen einer fünftägigen Deutschlandreise. Drei (ehemalige) Mitarbeitende des Bischöflichen Ordinariats in Mainz erinnern sich. 

Elmar Frey, heute Referatsleiter beim Rechnungsprüfungsamt:

"‘Der Papst war da …‘ Dieser Satz wurde zu einem geflügelten Wort. Ich war gerade 18 Jahre alt und bei den Männerstimmen des Mainzer Domchores. Auf dem Domplatz war extra für uns eine Bühne aufgebaut, die gegenüber der „Hauptbühne“ platziert war, auf der die Begrüßungszeremonie stattfand. Wir hatten da einen ziemlich guten Blick auf das Geschehen. Der Platz war brechend voll. Junge, Alte, Kinder – alle Altersgruppen waren vertreten. Auch viele Priester und Ordensleute waren gekommen. Wir standen also auf unserer Bühne und warteten. Und warteten. Und warteten. Gefühlt waren es Stunden. Und es war kalt. Es war ja November. Mit ziemlicher Verspätung kam endlich der Papst an in seinem Papa-Mobil, das die meisten von uns höchstens aus dem Fernsehen kannten. Es war ein unglaublicher Jubel und eine Freude bei den Leuten, den Papst in Mainz zu sehen. Ich glaube, dass es den meisten dabei gar nicht so sehr um die ideologische Ausrichtung des Papstes ging, sondern es ging eher um ihn als Mensch. Er hatte eine Ausstrahlung und ein Charisma, das die Leute vor der Hauptbühne mitgerissen hatte. Er hatte sich auf Deutsch für den Empfang bedankt. Noch lange Jahre danach haben die Männerstimmen des Mainzer Domchores den Jahrestag des Besuches als „Pope-Revival“ feucht fröhlich gefeiert.“ 

 

Franzrudolf Kordel (damals 38) war seinerzeit Assistent bei Weihbischof Rolly:

"Mitte Oktober 1980 bat mich Bischof Volk, mit dem ich als Assistent bei Weihbischof Rolly oft zu tun hatte, bei ihm vorbeizukommen. Er beauftragte mich, den Reisemarschall des Papstes im Dom und auf den Domplätzen über die Planungen von Bistum, Stadt und Polizei zu instruieren. Ich ahnte nicht, welche Herausforderung die Vorbereitung des Gottesdienstes werden würde. Der Reisemarschall war ein sehr spezieller Typ, er kam, bekleidet mit Schlapphut und Trenchcoat, eine Figur wie im Film. Beim Gang über die Plätze schüttelte er oft nur den Kopf, schließlich verlangte er, dass die dortige Bühne um etwa ein Meter erhöht und rundum Wachpersonal positioniert werden sollte. Dann ging es in den Dom. Ich zeigte ihm das Eintrittstor für den Papst sowie die Plätze, an denen der Papst beten wollte. Danach schloss sich der Weg durch die Domgänge an. Im Mittelgang sagte er, dass er es nicht zulassen könne, dass Menschen im Ost- und Westchor auf den Stufen stünden. Darauf ich: "Der Bischof wünscht sich, dass die Mainzer Bevölkerung gerade im Dom eine nahe Begegnung zu den Gläubigen und "den Mainzern" hat." Im Ostchor solle die Bevölkerung sitzen, auf den Stufen des Westchors der Domchor. Da schwollen ihm die Adern und er schrie fast, dass im ganzen Dom Bauabsperrgitter aufgestellt werden müssten. Ich wies sein Anliegen nochmals zurück mit Hinweis auf Bischof Volk, der das anders sehe und wünsche. Daraufhin schlug er mir doch glatt ins Gesicht. Im Reflex 'rutschte' mir da ein Bein aus und ich trat ihm ans Schienbein. Ich ließ ihn stehen, ehe noch mehr explodieren konnte und fuhr hoch ins damalige Bischofshaus (oben beim Rosengarten). Bischof Volk beruhigte mich und sagte "alles gut, ich werde mit dem Papst telefonieren". Es wurde alles gut. Beim Dombesuch gab es nur an den Enden der Bänke Absperrseile, der Papst zeigte sich den Leuten gegenüber sehr zugewandt, der Domchor sang und Papst Johannes Paul II. sprach mit den Buben, danach auch kurz zu den Menschen im Dom. um im Anschluss vorm Marienaltar und am Grabmal Kettelers zu beten."

 

Walter Kost war damals 45 und neben Alfred Castner einer der beiden Diakone, die dem Papst bei der Zelebration assistierten. Er erinnert sich gut an den Papstbesuch, der von viel Regen begleitet wurde: 

„Samstags war die Generalprobe. Es war nass und kalt, wir waren total durchgefroren. Als es hieß, wir haben eine Stunde Pause, habe ich meinem Diakonkollegen angeboten, bei uns in Budenheim einen heißen Kaffee zu trinken. Wir nutzten die Gunst der Stunde, um Gummistiefel anzuziehen. So standen wir dann später bei den Proben tatsächlich mit Gummistiefeln am Altar. Sonntags war der Papst dann da. Das Wetter war wieder schlecht. Wir liefen von St. Canisius aus zum Gelände. Die Felder waren total nass. Unsere Soutanen waren braun, bis wir ankamen. Die Gottesdienstbühne war riesig und weit hoch, damit uns alle sehen können. Viele, viele waren gekommen, überall Schirme.
Das Korporale (Altartuch) wurde mit Reißbrettstiften am Altar befestigt, damit es nicht davonfliegt. Über den Gewändern hatten wir Überzüge an. Sie nutzten nur mäßig. Bei jeder Kniebeuge bekamen wir nasse Knie. Dass ich das Evangelium singen durfte, habe ich als große Ehre begriffen. Ich hatte richtig Herzklopfen. Beim Evangelium wurde ich von zwei Messdienern begleitet. Einer der beiden Kerzenträger war übrigens der heutige Erfurter Bischof Neymeyr. Er war damals Seminarist bei uns. Der Papst konnte übrigens gut deutsch sprechen. Vor der Kommunion wandte er sich an mich und sagte 'Seien Sie vorsichtig, es ist windig' (lacht). Zum Abschluss bekamen wir einen Rosenkranz mit Widmung geschenkt. Das hat uns dann wirklich sehr gefreut.“

Papst Johannes Paul II. - Erinnerung an seinen Besuch in Mainz

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