Katholisches Bildungswerk Bistum Mainz

Herzlich Willkommen beim Kath. Bildungswerk Bistum Mainz!

Wir freuen uns, dass Bildungsangebote unter Einhaltung von Hygienekonzepten wieder stattfinden können!

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Corona-Impulssammlung

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

(c) Pixabay

Coronavirus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Gesellschaft für deutsche Sprache diese 11 Buchstaben zum Wort des Jahres 2020 ernennen wird: Nichts wird uns und die öffentliche Diskussion mehr prägen, unser aller Lebensrealität mehr erschüttern, als das Coronavirus. Es ist eine Situation, eingetreten, die wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht hätten vorstellen können und die auch jetzt – das (Be-)Greifbare bei Weitem übersteigt.

Coronaparties. Läge es in meiner Macht, das UN-Wort des Jahres 2020 zu bestimmen, wäre es dieses. Denn es gibt derzeit kein Verhalten, das mehr UN-Tat wäre, als das, was sicher hinter diesem Wort verbirgt: Häufig sind wir es, die jungen Menschen, die sich in großen Gruppen in Parks, auf öffentlichen Plätzen oder zu Hause versammeln, sich betrinken und Party machen, als gäbe es kein Morgen. Jeder, der sich diesen Parties anschließt, potenziert und riskiert leichtfertig die eigene und die Ansteckungsgefahr unserer Mitmenschen, besonders auch der Alten und den Menschen mit Vorerkrankungen. Wer heute feiert, als gäbe es kein Morgen mehr, macht sich mitverantwortlich, dass es für einige Menschen tatsächlich kein Morgen geben wird.

JETZT ist die Zeit, sich der Verantwortung zu stellen, die wir für uns selbst, aber auch für unsere Mitmenschen haben: Bleibt daheim, und feiert euch selbst dafür, dass ihr so ein Zeichen der Solidarität und der Nächstenliebe setzt.

Fakenews (c) MarkusDiestelrath@Pixabay

©Dr. Elisabeth Eicher, Direktorin Kath. Bildungswerk Bistum Mainz

Wie für viele Menschen in der Erwachsenenbildung ist Vernunft für mich ein hohes Gut.

Mir ist wichtig, dass unsere Arbeit für die Menschen hilfreiches Faktenwissen liefert. Zum Faktenwissen gehört die vernünftige Information; eine Information, die überprüfbar und wissenschaftlich belastbar ist.   

Und weil das so ist, bringen mich falsche Nachrichten, sogenannte Fake News, komplett aus der Fassung. Das Corona-Virus scheint für manche ein gefundener Anlass, Menschen durch unwahre Informationen in Angst und Schrecken zu versetzen oder in falschen Sicherheiten zu wiegen. Hamsterkäufe und die Vernachlässigung von lebenswichtigen Hygienevorschriften sind nur einige Folgen. Das manipulative Spiel mit der Angst und das Schüren von Panik hinterlassen Wirkungen, nicht nur in der Psyche der Menschen sondern auch im gesellschaftlichen Miteinander.

Dazu gehören für mich auch all die „falschen Propheten“, die derzeit auftreten und das Corona-Virus als Strafe Gottes verkünden. Mit dem Gottes- und Menschenbild, das mich in meiner Arbeit leitet und das wir in unseren Vorträgen, Kursen und Seminaren vermitteln, hat das nichts zu tun.

Als Christin möchte ich gerade in Zeiten der Krise entschieden gegen Manipulation, Fehlinformation und verzerrte Glaubensvorstellungen Stellung beziehen und hoffe, dass sich viele dieser Haltung anschließen.

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

(c) Katholisches Bildungswerk Bistum Mainz

„Noch nie hat ein Mensch so gesprochen“

Impuls zum Tagesevangelium am 28.03.2020: Der Streit im Hohen Rat um Jesus: Johannes 7,40 - 53

Jesus wird in dieser Bibelstelle nicht als Friedensbringer gezeigt, sondern als einer, der Spaltung verursacht, weil er zu einer Entscheidung, zu einem Konsens zwingt. Die Frage, woher Jesu kommt, wirkt als Katalysator für viel grundlegendere Ängste der Menschen: Was/woran kann man (überhaupt noch) glauben? Worauf darf ich vertrauen? Worauf hoffen? Häufig sind es im Leben diese augenscheinlichen Kleinigkeiten, die schnell zu kleinen Zwistigkeiten, manchmal aber auch zu den großen Streits des Lebens oder gar zu Gewalt führen.

Wenn ich darauf schaue, was mit unserer Welt in Zeiten wie diesen - Krisenzeiten - passiert, wird mir manchmal ganz mulmig zu Mute. Es fühlt sich an wie ein ängstliches Unbehagen, das durch meine Adern kriecht, die Kehle etwas enger macht als sonst und mich manchmal ratlos und ohnmächtig zurücklässt. Es ist auch ein Unbehagen darüber, wie WIR uns, wie sich Gesellschaft in Ausnahmesituationen wie der jetzigen verändert: Viele Menschen scheinen sich selbst der/die Nächste zu sein, manche werden zu rücksichtslosen Hamsterkäufern – Empathie = Fehlanzeige. In einer Facebook-Gruppe lese ich von einer alten Frau, die weinend den Supermarkt meiner Stadt verlässt, da das Toilettenpapier ausverkauft war. Und wer es nicht schon selbst vor Ort miterlebt hat, liest spätestens in den Nachrichten von lautstarken Auseinandersetzungen an der Supermarktkasse oder gar Schlägereien, die im Krankenhaus endeten. Angestellte der Rettungsdienste, der Polizei, der Krankenhäuser oder der Pflege und insbesondere Mitarbeiter*innen im Supermarkt werden beleidigt, verhöhnt, bedroht.

„Noch nie hat ein Mensch so gesprochen“, sagen die Gerichtsdiener über Jesus. Sie spüren, dass Jesus nicht Worte redet, sondern das Wort ist, er spricht nicht über Gott, sondern ist Gott. Und auch ich denke in diesen Zeiten: Noch nie haben Menschen auf diese Art und Weise miteinander gesprochen. Angst, Unsicherheit und Ohnmachtsgefühle begünstigen, dass bei manchen der Ton rauer und aggressiver wird, aber wir telefonieren auch wieder mehr mit unseren Liebsten, skypen bei einem gemeinsamen Glas Wein, der virtuellen Yogasession, oder schreiben vielleicht mal wieder einen Brief. Diese neuen (oder vergessenen) kontaktlosen Kontaktformen sind womöglich erst einmal gewöhnungsbedürftig, sie bieten aber auch die Chance, dass wir uns nochmal ganz neu kennen- und schätzen lernen.

In Johannes 7 spüren die Gerichtsdiener – trotz all der vermeintlich ungeklärten Fragen –: Was Jesus sagt ist WAHR-haftig. Neben all dem Egoismus und den unschönen Worten im Zuge der Coronakrise, erlebe auch ich ganz viel wahrhaftige Fürsorge, Solidarität und Nächstenliebe. Ich nehme Menschen wahr, die sich gerade jetzt nicht hinter ihrer Burg aus Toilettenpapier verschanzen, sondern Isolierten, Alten oder Risikogruppen ihre Hilfe anbieten, indem sie für sie Einkaufsdienste übernehmen oder ein offenes Ohr haben. Menschen verteilen plötzlich an wildfremden Haustüren Zettel mit aufmunternden Botschaften oder senden Gedichte und Lieder an isolierte Menschen in den Altenheimen. Menschen in und außerhalb von Kirche sind bemüht, weiter ansprechbar zu sein und gemeinsam Wege zu finden, Andere zu stärken, sie zu motivieren, ihnen Hoffnung zu geben und Halt zu sein. Ich bin glücklich, Teil einer Gesellschaft zu sein, in der so viele spüren, worauf es nun wahrhaftig ankommt. Wir dürfen – gerade jetzt – aufeinander hoffen, uns (an)vertrauen, an unsere Menschlichkeit glauben.

Johannes 7,40–53

40 Einige aus dem Volk sagten, als sie diese Worte hörten: Dieser ist wahrhaftig der Prophet.

41 Andere sagten: Dieser ist der Christus. Wieder andere sagten: Kommt denn der Christus aus Galiläa?

42 Sagt nicht die Schrift: Der Christus kommt aus dem Geschlecht Davids und aus dem Dorf Betlehem, wo David lebte?

43 So entstand seinetwegen eine Spaltung in der Menge.

44 Einige von ihnen wollten ihn festnehmen; doch keiner legte Hand an ihn.

45 Als die Gerichtsdiener zu den Hohepriestern und den Pharisäern zurückkamen, fragten diese: Warum habt ihr ihn nicht hergebracht?

46 Die Gerichtsdiener antworteten: Noch nie hat ein Mensch so gesprochen.

47 Da entgegneten ihnen die Pharisäer: Habt auch ihr euch in die Irre führen lassen?

48 Ist etwa einer von den Oberen oder von den Pharisäern zum Glauben an ihn gekommen?

49 Dieses Volk jedoch, das vom Gesetz nichts versteht, verflucht ist es.

50 Nikodemus aber, einer aus ihren eigenen Reihen, der früher einmal Jesus aufgesucht hatte, sagte zu ihnen:

51 Verurteilt etwa unser Gesetz einen Menschen, bevor man ihn verhört und festgestellt hat, was er tut?

52 Sie erwiderten ihm: Bist du vielleicht auch aus Galiläa? Lies doch nach und siehe, aus Galiläa kommt kein Prophet.

53 Dann gingen alle nach Hause.

©Annette Reithmeier-Schmitt, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Rheinhessen

Entschleunigung (c) Katholisches Bildungswerk Bistum Mainz

Unser bewusstes Handeln und Bedenken von Situationen, Routinen und Gewohnheiten ist seit Corona nun mehr denn je gefragt. Die dialogische Kernkompetenz der Verlangsamung hilft uns dabei. Was passiert, wenn wir…langsam machen (müssen) und entschleunigen?

Das kann sehr unterschiedliche Impulse auslösen: Ich bin erleichtert, schnaufe durch, fahre runter – ich fange an nervös zu werden, werde unruhig, unsicher, ungeduldig, könnte aus der Haut fahren – ich weiß mit meiner Zeit nur schlecht umzugehen – Emotionen tauchen auf: In mir, anderen gegenüber, Fragen, vielleicht sogar Vorwürfe machen sich breit – ich könnte davon laufen, darf es aber nicht, weil Abstand und zuhause bleiben, distanziert bleiben, angesagt ist – es gibt vor lauter langsam machen und einschränken keinen Raum für mich, z. B. in der Familie….

Sucht Euch gerade jetzt gezielt ein Zeitfenster und einen Raum für Euch – für ein paar Minuten am Tag. Macht mal bewusst langsam und spürt Euren Empfindungen nach! Welche gedanklichen und emotionalen Muster schlummern da in mir? Ohne Verlangsamung sind wir kaum in der Lage uns und unseren Mustern auf die Schliche zu kommen.

Innere Denkprozesse entstehen, Gedanken und Empfindungen werden klarer, wesentlicher. Vielleicht spürt Ihr den Impuls diese zu teilen, auf Papier fest zu halten, ein Tagebuch zu führen. Vielleicht kommt Euch der Impuls, etwas davon mitzuteilen. Menschen, die Euch bedeutungsvoll sind, die für Euch ein offenes Ohr haben.

Vielleicht kommt auch das Gefühl der Verbundenheit auf – mit lieben Menschen, mit der Welt, mit Gott. Lasst das zu, denkt weit und vertraut Euch diesen Impulsen an. Sie geben Sicherheit, Ruhe und Stärke. Und das ist besonders wichtig in Zeiten, in denen Prozesse, Sicherheiten und Strukturen unsere Gedanken, Handlungen und Gewohnheiten aus der Spur bringen.

©Dr. Elisabeth Eicher, Direktorin Kath. Bildungswerk Bistum Mainz

Müßiggang (c) Altmann@Pixabay

Telefonkonferenzen sind nicht für alle Arbeitstreffen eine Lösung und so verschafft mir die Corona-Krise etwas, das in meinem Arbeitsalltag eher ungewohnt ist: Zeit.

Da das Zeit-Haben aber aus der Mode gekommen ist und auch in meinen Ohren ein wenig nach Untätigkeit und mangelnder Produktivität klingt, fühle ich mich damit unbehaglich. Müßiggang ist aller Laster Anfang…

Weil ich ja, wie gesagt, Zeit habe und meinem Unbehagen gerne auf den Grund gehe, recherchiere ich im Netz und stoße auf einen schon etwas älteren Artikel von Ulrich Schnabel, einem Redakteur der Zeitschrift DIE ZEIT.

Kurz zusammengefasst lautet sein Blick in die (Geistes-)Geschichte: Müßiggang ist nicht aller Laster – sie ist aller Ideen Anfang! Wer von morgens bis abends immer betriebsbereit ist, E-Mails checkt, dauererreichbar und auf Hochtouren arbeitet, dem geht bald nicht nur die Puste aus. Auf der Strecke bleiben Fantasie, Kreativität, soziale Beziehungen und letztlich sogar die Gesundheit – in diesen Zeiten ein besonders kostbares Gut.

Wieder was dazu gelernt, denke ich, klappe meinen Laptop zu und gönne mir den Gedanken, dass in der Krise doch auch ein Funken stecken könnte, der Gutes entfacht.

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

(c) Katholisches Bildungswerk Bistum Mainz

Euch gehen die Ideen aus, was man daheim so machen könnte?

Ich möchte heute eine Idee mit euch teilen, die ich persönlich auch außerhalb von Krisenzeiten pflege und die mir und den Empfänger*innen immer gut tut.

Wie wäre es, wenn ihr einen lieben Menschen mit einer Postkarte überrascht!? Besonders schön finde ich Postkarten zum Ausmalen

(Ausmalen könnt ihr/eure Kinder entweder selbst oder der/die Empfänger*in darf sich über Beschäftigung freuen) Das Ausmalen hat für mich etwas Meditatives und hilft dabei, im Moment zu sein und die Gedanken und Sorgen mal auszuschalten.

Auf der Rückseite der Karte findet ihr ein Adressfeld und alles, was es ansonsten noch braucht, sind ein paar nette, aufmunternde Worte: Vielleicht eine kleine Anekdote zu einer schönen Erinnerung, die du mit der Person teilst oder 3 Dinge, die du an dem Menschen, der die Karte erhält, besonders schätzt. Da ja die meisten Geschäfte derzeit geschlossen sind, musst du die Karten wahrscheinlich online bestellen, geb einfach bei Google ein "Postkarten zum Ausmalen/Selbstgestalten" und du wirst einige Angebote finden. Alternativ findest du vielleicht kostenlose Vorlagen zum selbst Ausdrucken im Internet.

Viel Spaß wünscht Katharina Unkelbach, Bildungswerk Südhessen.

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

(c) Katholisches Bildungswerk Bistum Mainz

Impuls zur Lesung des Tages, (Jes 50,4-7), 05. April 2020, von Katharina Unkelbach, Leiterin des Bildungswerks Südhessen

„Er weckt mir das Ohr, dass ich höre“

Im Buch Jesaja taucht eine rätselhafte Gestalt auf: der sogenannte Gottesknecht, ein Gerechter, der von den Menschen abgelehnt und misshandelt wird.  Er hat die „Zunge eines Jüngers“, um die Menschen aufzumuntern, und das „Ohr eines Schülers“, um nicht seine eigenen Gedanken, sondern die (frohe) Botschaft Gottes zu verkünden. 

Todesfallmeldungen, desaströse Rezessionsberechnungen, exponentiell ansteigende Infektionszahlen und –Kurven. Die Nachrichten dieser Tage machen müde und ich denke häufig, mit frohen Botschaften hat das nun wirklich wenig zu tun. Viele Menschen konsumieren die Nachrichten im Liveticker, auch ich habe mich dabei immer wieder ertappt. Ich frage mich: Tut es uns in diesen Tagen eigentlich gut, stets mit offenem, aufgewecktem Ohr durch die Welt zu gehen? Die Antwort, die ich mir selbst gebe, lautet: Jein. Im Bild zu sein, sich informieren ist unerlässlich: Wer nicht aufgeklärt ist, handelt schnell fahrlässig in Bezug auf sich selbst und Gesellschaft...Aber ich versuche auch bewusst, einen übermäßigen, zwanghaften Konsum von Corona-News zu vermeiden. Das bedeutet für mich, einmal täglich bewusst die Tagesschau zu sehen (und ggf. die anschließende Sondersendung zu Corona.) 

Gleichzeitig versuche ich, meine Sinne zu schärfen und sie zu trainieren, besonders für die schönen Nachrichten und Dinge des Lebens empfänglich zu sein: Die Natur atmet auf und vermeldet klares Wasser in den Kanälen von Venedig und smogfreie Städte in China. Taxiunternehmen in NRW bieten kostenlose Fahrten für Alte und Kranke an. Gastronomen verschenken Speisen, die sie aus ihren übriggebliebenen Lebensmitteln gekocht haben. Beim Spazieren scheint mir die Sonne genauso hell wie immer ins Gesicht und die Knospen sprießen, unschuldig und unwissend, was uns Menschen gerade so beschäftigt. Kinder und Tiere tollen frei und unbefangen draußen herum. Das im Moment-SEIN – uns Erwachsenen wird es sicher nicht so einfach gelingen, aber ich versuche mir ein Stückchen Unbeschwertheit von den Tieren, Kindern und unserer Natur abzuschauen. 

Sich „ein Beispiel an der Figur des Gottesknechtes zu nehmen“ heißt für mich:  

Dass wir es schaffen angesichts all der Schreckensnachrichten „unser Gesicht hart zu machen wie Kieselstein“, damit wir stark bleiben und unseren Mut, Hoffnung und Zuversicht nicht verlieren. 

Dass wir unter unserem harten Kieselstein trotz alldem empathisch bleiben, nicht verlernen mitzufühlen und mitanpacken, wo es nötig ist. 

Dass wir die versteinerten Gesichtszüge ablegen, anderen unser schönstes Lächeln schenken, wenn wir uns beim Spazieren gehen begegnen. 

Dass wir es gerade jetzt schaffen unsere Ohren und Augen zu öffnen für die vielen kleinen und großen frohen Botschaften unseres Alltags. 

Zu einem sonnig-gelben, frohen und aufmunterndem Lied der Sängerin Wilhelmine: https://www.youtube.com/watch?v=3G3PksPIX6A

Der Prophet Jesaja (Jes 50,4-7)

Der Knecht Gottes im Leiden

4 Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.

5 Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.

6 Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.

7 Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde.

©Dr. Elisabeth Eicher, Direktorin Kath. Bildungswerk Bistum Mainz

(c) BobDmyt@Pixabay

In unseren Tagungshäusern und vor Ort in der katholischen Erwachsenenbildung ist es ruhig geworden. Um Neuinfektionen mit dem Corona-Virus zu vermeiden, wurden alle Veranstaltungen vorerst abgesagt.

Das trifft viele Menschen, die Kurse gebucht und sich auf Fortbildungen bereits lange gefreut hatten.

Denke ich über unser Bistum hinaus, trifft die Corona-Krise aber vor allem die, die sich beruflich in der Fort- und Weiterbildung von Erwachsenen engagieren.

Nur ein Bruchteil des Weiterbildungspersonals bundesweit ist angestellt. Mehr als 2/3 sind Selbstständige, die auf der Basis von Werk- und Honorarverträgen arbeiten. Schon seit einigen Jahren weisen Fachleute auf die prekäre Lage dieser Menschen hin. Derzeit sind viele von ihnen ganz ohne Einkommen.

Jede Leerstelle, die heute durch Kursausfälle in der Erwachsenenbildung entsteht, steht für die vielen, die sich mit hoher Professionalität und unermüdlichem Engagement für die Fortbildung und Begleitung von Menschen einsetzen. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass Menschen sich entwickeln, weiter qualifizieren und ihre persönlichen Ressourcen zum Wohle der Gesellschaft voll entfalten.

An dieser Stelle unser Dank und unsere Anerkennung allen, die unter herausfordernden Bedingungen dazu einen Beitrag leisten!

©Dr. Jan Turinski, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Bergstraße/Odenwald

(c) CélineMartin@Pixabay

Solidarität – ein häufig verwendetes Wort in diesen Tagen. Solidarität kommt von dem lateinischen Wort „solidus“, das so viel wie „fest“, „stark“, aber auch „unerschütterlich“ und „dauerhaft“ bedeutet. Und tatsächlich trifft dieses Wörtchen "Solidarität" wie kaum ein anderes auf die momentane Situation zu: Nur wenn wir als Gesellschaft dauerhaft fest und unerschütterlich zusammenstehen, können wir die Herausforderungen, mit denen wir momentan alle konfrontiert sind, gemeinsam lösen. Das ist schön und leicht gesagt, aber wie sieht solidarisches Handeln denn konkret aus?

Eigentlich fängt es ganz einfach an: Indem wir alle grundsätzlich zu Hause verbleiben und nur für die nötigsten Wege das Haus verlassen, helfen wir mit, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Auch wenn uns langsam die Decke auf den Kopf fällt, schützen wir somit unsere Mitmenschen vor dem Virus. Eine wunderbare Idee ist es auch, für die sog. Risikogruppen die Einkäufe zu erledigen.

Wenn wir einkaufen gehen, brauchen wir weder 80 Rollen Klopapier noch 12 kg Nudeln. Indem wir nur das kaufen, was wir wirklich in der kommenden Zeit verbrauchen, hinterlassen wir unseren Nachbarn und Freunden keine leeren Regale und ermöglichen es auch Ihnen, Ihren Wocheneinkauf ohne Probleme zu erledigen.

Solidarisch verhalten wir uns auch dann, wenn wir den lokalen Handel vor Ort unterstützen. Durch die Schließung der Geschäfte, stehen viele vor dem finanziellen Abgrund. Wenn wir also Lust auf ein gutes Buch haben, sollten wir unsere Buchhandlung um die Ecke fragen, ob wir das Buch bei ihnen bestellen und zugeschickt bekommen können. Wenn wir abends gerne essen gehen würden, können wir auch bei unserem Lieblingsrestaurant anfragen, ob wir etwas bestellen oder abholen können. Damit helfen wir, berufliche Existenzen und Arbeitsplätze zu sichern.

Viele Arbeitgeber versuchen zurzeit, auf betriebsbedingte Entlassungen zu verzichten und wählen stattdessen den Weg der Kurzarbeit, um ihre Mitarbeitern nicht in die Arbeitslosigkeit zu entlassen. Arbeitnehmer wiederum bieten mancherorts von sich aus Kurzarbeit oder auch unbezahlten Urlaub an, um die finanziellen Belastungen für Ihre Firma zu mildern.

Wenn wir so zusammenhalten, schaffen wir es, gemeinsam und als Gesellschaft gestärkt aus der Krise herauszugehen.

Aber bei alldem müssen wir immer im Kopf haben: Es wird auch eine Zeit nach der Corona-Pandemie geben. Eine Zeit, in der wir wieder unsere Freunde treffen, Gottesdienste feiern und das Leben in vollen Zügen genießen können. Doch dies wird alles kein Grund sein, unser solidarisches Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen zu überdenken oder gar über den Haufen zu werfen. Auch „nach Corona“ sollte unser Handeln solidarisch bleiben, damit wir als Gesellschaft zusammenbleiben.
Denn schon in der 1965 von Papst Paul VI. promulgierten Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" heißt es - und zwar ganz unabhängig einer Virus-Pandemie:

„So wie Gott die Menschen nicht zu einem Leben in Vereinzelung, sondern zum Zusammenschluss in gesellschaftlicher Einheit erschuf, hat es ihm ebenso gefallen, die Menschen nicht einzeln, unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung, zu heiligen und zu retten, sondern sie zu einem Volke zu machen, das ihn in Wahrheit anerkennen und ihm in Heiligkeit dienen soll. Seit Beginn der Heilsgeschichte erwählte er Menschen nicht nur als Einzelwesen, sondern als Glieder einer bestimmten Gemeinschaft" (Gaudium et spes, 32).

©Dr. Jan Turinski, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Bergstraße/Odenwald

Letztens beim Einkaufen hörte ich den Satz "Ach, das wird dieses Jahr ja ein trauriges Ostern". Sofort war mir klar, worauf abgezielt werden sollte: keine Familienbesuche, kein Osterbraten mit der ganzen Verwandtschaft, keine Gottesdienstbesuche. Stattdessen ist man darauf angewiesen, Ostern in seinen vier Wänden zu feiern.
Aber ist das Osterfest 2020 deshalb ein trauriges? Ich meine: auf gar keinen Fall. Auch wenn uns in diesem Jahr eine winzig kleine, nur etwa 100 Nanometer große, organische Struktur, das neuartige Coronavirus, unsere Verletzlichkeit und Vergänglichkeit vor Augen führt und wir das Osterfest auf eine neue, eine andere Weise feiern müssen, ist es kein trauriges Ostern. Das, was wir an Ostern feiern, ist unfassbar: Jesus überwindet den Tod. Der Tod ist nicht das Ende: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten“ (Lk 24,5) sollen die Frauen am leeren Grab gefragt worden sein – ein Satz der auch für die Jünger zunächst unglaublich (im wahrsten Sinne) erschien.
Nein, das Osterfest 2020 ist kein trauriges Fest. Ostern ist nie ein trauriges Fest. Es schenkt uns vor allem Hoffnung und Trost, gerade auch in schwierigen Zeiten. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer
schrieb dereinst: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln“. Dies gilt uneingeschränkt auch für das Jahr 2020: Das diesjährige Osterfest feiern wir anders, feiern wir im Angesicht von Sars-Cov-2 und Covid-19. Mehr denn je, kann uns das die Dunkelheit der Nacht durchbrechende Licht Hoffnung und Kraft geben. Frohe und gesegnete Ostern!

Gedanken von Dr. Jan Turinski, Leiter Katholisches Bildungswerk Bergstraße/Odenwald

©Dr. Elisabeth Eicher, Direktorin Kath. Bildungswerk Bistum Mainz

(c) xaviandrew@Pixabay

Runtergefahren: Schulen, Kitas, Behörden, Theater, Kinos… der gesamte Bildungs- und Kulturbetrieb befindet sich in einem befremdlich anmutenden Ruhemodus.

Der Ausnahmezustand stellt viele Menschen vor ungeahnte Herausforderungen, bindet Energie und kostet wertvolle Ressourcen. Aber er setzt paradoxerweise auch solche frei. Eine davon ist Zeit. Auch wenn vieles in der Bildungsarbeit derzeit brachliegt – das Nachdenken über das Leben nach der Corona-Krise könnte Hochkonjunktur haben. Wir laden Sie hiermit ein, die nolens volens gewonnene Zeit zu nutzen und sich an diesem Nachdenken zu beteiligen.

Was können wir aus der Corona-Krise lernen – theologisch, ethisch oder politisch?

Welche spirituellen, ethischen und politischen Orientierungshilfen bietet der christliche Glaube?

Anregungen dazu finden Sie z. B. bei der Assoziierten Professorin und Leiterin des Instituts für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Regina Polak.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen, kreatives Nachdenken und gute Ideen für die Bildungsarbeit nach der Krise!

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen%

(c) asundermeier@pixabay

Da stehen sie nun am See von Tiberias: Simon Petrus, Thomas, Nathanael, die Söhne des Zebedäus und zwei andere Jünger – Jesus ist weg. Ihr Leben steht Kopf, nichts ist mehr wie zuvor. Doch der Alltag muss irgendwie weitergehen und so machen sie das, was sie, bevor sie mit Jesus unterwegs waren, auch getan haben: Fischen. Sie machen alles wie zuvor, doch die Netze bleiben leer. Es fehlt einfach etwas.

Nichts ist mehr wie zuvor, das Leben steht Kopf, es fehlt einfach etwas. Gefühle, die uns seit einigen Wochen mal mehr und mal weniger begleiten. Es geschieht unwillkürlich, dass wir unser Leben derzeit vor allem unter der Brille des Verzichts und der Entbehrung betrachten. Diese Wahrnehmung trifft zu einem Teil sicherlich zu, doch ich bin überzeugt, dass wir aus dem gefühlten Verzicht auch viel (Ein-)Sicht gewinnen können. Ich möchte Sie deshalb nun zu einem kleinen Gedankenexperiment einladen:

Stellen Sie sich ihr Leben vor Corona einmal bildlich als Fischernetz vor. In diesem können Sie unter anderem finden:

1) Routinen, Pflichten, Amüsements: Darunter Besprechungen, arbeiten, Wäsche bügeln, Freunde treffen, kochen, telefonieren, sich um die Kinder kümmern, die Laufgruppe, der Gottesdienstbesuch, das Ehrenamt, das Lunchdate, Handy- und Mails checken, der Friseurtermin, das Fitnessstudio usw.

2) alle (materiellen) Dinge, die sich in unseren Wohnungen, Kellern und Garagen mit der Zeit angehäuft (oder gehamstert ;-)) haben wie Möbel, Geschirr, Schmuck, Kleider etc.

3) Emotionen und Werte wie Glaube, Träume, Streits, Erinnerungen, Liebe, Freiheit, Zuneigung, Ängste, Sorgen, Solidarität, Geheimnisse

Jedes Fischernetz hat einen anderen Inhalt. Schauen Sie sich ihren Fang einmal genauer an. Vielleicht hilft es Ihnen auch, aufzuschreiben, was in ihrem persönlichen Netz zu finden ist.

Wie geht es Ihnen mit den Fundstücken im Netz? Können Sie noch den Überblick wahren oder geht es Ihnen wie den Jüngern, die das Netz vor lauter Fischen, nicht mehr ziehen konnten? Was wiegt schwer, was wiegt leicht und was gibt vielleicht sogar das Gefühl von Schwerelosigkeit?

Unsere Netze vermögen es durch den Tag zu tragen: Materielles, Routinen, Verpflichtungen und Emotionen können Halt und Orientierung geben. Gleichzeitig können Sie dafür sorgen, dass man sich in ihnen ungünstig verstrickt und an bestimmten Stellen immer wieder hängen bleibt. Wie beim Fischen, suchen wir uns nicht immer selbst aus, was ins Netz geht. Es ist auch mal eine verrostete Schiffschraube, eine Muschel, eine Krabbe oder einfach nur Müll dabei. Wir können aber entscheiden, wie wir mit den Dingen umgehen, die wir ‚gefischt‘ haben.

Durch Corona haben wir die Gelegenheit, mal einen Schritt zurückzutreten. Unsere Netze sind nun gefüllt mit anderen Routinen und Emotionen: Die Anzahl an Verpflichtungen und Freizeitmöglichkeiten hat bei vielen deutlich abgenommen, dafür kamen andere Interessen hinzu, manch einer findet in seiner Wohnung nun mehr Mehl und Toilettenpapier und hat dafür den Kleiderschrank ausgemistet. Auch Werte und Emotionen bekommen eine andere Gewichtung – vielleicht verstärken sich Sorgen und Ängste, Träume werden neu geträumt, Solidarität bekommt ein konkretes Gesicht.

Manchmal merken wir erst, was uns wichtig ist, wenn es nicht mehr da ist. Manchmal aber ist es auch genau anders herum und wir merken erst durch die ungewollte Entbehrung, auf was wir schon lange hätten verzichten können. Was lässt ihr Netz reich, voll und trotzdem leicht werden? Was ist wirklich wichtig? Was wollen Sie womöglich ab jetzt (noch) häufiger fangen? Und was beschwert das Netz unnötig? Auf was möchten Sie verzichten?

<Die Krise> bietet also die wunderbare Chance, unser Leben neu zu sortieren. Nutzen wir die neu gewonnene Zeit, um unsere guten Fänge wertzuschätzen und unnötigen Ballast abzuwerfen.

 

Der Auferstandene am See von Tiberias, Joh 21, 1-14

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. 8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. 9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. 12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch den Fisch. 14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

©Dr. Elisabeth Eicher, Direktorin Kath. Bildungswerk Bistum Mainz

(c) Gerd.Altmann@Pixabay

Für viele Berufe bietet Homeoffice eine sichere Alternative zur Arbeit im Büro. Digitale Kommunikation schützt in Zeiten von Corona aber nicht nur im Arbeitsalltag. Sie schafft neue Begegnungsmöglichkeiten und Kontakt. Beides ist für uns Menschen lebensnotwendig und hilft, die Krise und die damit einhergehende Isolation besser zu ertragen. Ob Stadt-Land-Fluss, Mensch-ärgere-dich-nicht oder Vier gewinnt: Traditionelle Gesellschaftsspiele wandern ins Netz. Neue Apps machen es möglich. Und Social-Media ersetzt zwar das analoge Treffen im Café nicht in vollem Umfang, aber ein Videoanruf ermöglicht Austausch und das Teilen von Alltag.

Ich bin froh um jede digitale Variante von Teilhabe. Gerade jetzt tut es gut, dass wir diese Technik haben, und ich wünsche mir, dass sie gerecht verteilt ist und möglichst allen zur Verfügung steht. Als Theologin bin ich gespannt, wie die Theologie und die kirchliche Arbeit auf digitale Entwicklungen zukünftig noch reagieren werden. Spannend wird das nicht nur mit Blick auf ethische Fragen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Interessant wird es auch im Kern unseres theologischen Denkens.

Wir tun sicher gut daran, die digitale Welt mit ihren Errungenschaften kritisch zu betrachten. Es wird aber ebenso wichtig sein, sie als eine Wirklichkeit zu begreifen, in der Gottes Nähe zu uns Menschen spürbar ist und auf vielfältige Weise zum Ausdruck kommt.

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

Im heutigen Evangelium geht es um gute und schlechte Hirten, Schafe und reißende Wölfe. Mir gefällt das Bild des Hirten gut, es hat etwas Beruhigendes, Vertrautes und entlastet uns von dem Gefühl, alles alleine regeln zu müssen: Wir können unser Leben Gott anvertrauen, uns leiten lassen und darauf vertrauen, dass er uns im Blick hat, auch wenn wir uns auf der Weide des Lebens verlaufen haben oder über einen Stein gestolpert und hingefallen sind.

Ich suche im Internet nach den Ausbildungsvoraussetzungen für den Beruf des Tierwirts. Dabei fallen mir die Worte „Verantwortungsbewusstsein“, „Sorgfalt“ und „flexible Einsatzbereitschaft“ auf. Von guten Tierwirten/Hirten wird also einiges abverlangt. Sie arbeiten bei Wind und Wetter, müssen das Wohlergehen des Einzelnen im Auge behalten und das alles rund um die Uhr. Ob sie gut in ihrem Beruf sind, scheint zu einem großen Teil von ihren Werten und Motiven, die sie leiten, abzuhängen: Der schlechte Hirte ist angetrieben von Profit und macht sich bei kleinsten Widerständen aus dem Staub. Der gute Hirt jedoch ist getrieben von Mut, Risikobereitschaft und der Liebe zu seinen Tieren.

Viele Menschen würden das, was sie tun, in andere Worte fassen, aber sie werden dennoch zu Hirtinnen und Hirten: Sie sorgen, helfen, handeln, hoffen, beten, sprechen, sind ehrlich und fürsorglich zugewandt. Ich denke an all die Ärzt*innen, Pflegepersonal, Sozialarbeiter*innen und viele weitere, die sich gerade jetzt in der Corona-Krise selbstlos für unser aller Wohlergehen einsetzen und hierbei auch immer ihre eigene Gesundheit riskieren. Wir dürfen uns ihnen anvertrauen und darauf hoffen, dass sie das bestmögliche für uns möchten und unser Leben bei ihnen in guten Händen ist. Ich finde, sie sind ein Exzellenzbeispiel guter Hirt*innen.

Manchmal hören wir in diesen Tagen auch von ‚schlechten Hirten‘. Einige Menschen setzen ihre Tiere aus, da sie eine Corona-Infektion durch diese befürchten. In einem kanadischen Pflegeheim sterben 31 Menschen, da die Angestellten aufgrund der Angst vor Covid-19 nicht mehr zur Arbeit kommen und die Bewohner sich weitgehend selbst überlassen wurden. Solche Nachrichten machen mich traurig und fassungslos. Auch wenn ich die Angst einer Ansteckung gut nachvollziehen kann, fällt es mir schwer zu verstehen, weshalb man hilflose, abhängige Tiere und Menschen so im Stich lassen kann und das eigene vermeintliche Wohl so sehr über das von anderen stellt. Ich denke, dass diese Menschen sich grundlegend aus falschen Motiven für ein Tier entschieden haben. Und ich denke auch, dass die kanadischen Pflegekräfte besser einen Beruf mit weniger Verantwortung und Einsatzbereitschaft hätten wählen sollen.

Die Qualität einer menschlichen Gesellschaft zeigt sich immer auch an der Art und Weise, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht. Ein Hirte läuft nicht weg, wenn es schwierig wird. Es ist beruhigend, dass wir so viele ‚gute Hirt*innen‘ in unserer Gesellschaft haben und die Zahl der ‚bezahlten Knechte‘ überschaubar bleibt.

 

Johannes 10,11-16

Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. 12 Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Er flieht, 13 weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. 14 Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. 16 Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.

(c) MICHOFF@pixabay

©Annette Reithmeier-Schmitt,
Kess-Koordinatorin der Diözese Mainz

Nichts ist mehr wie es war - der Alltag steht Kopf!

Wie gelingt nun das Familienleben in diesen besonderen Zeiten? Wie kann das zu Hause lernen gut gestaltet werden? Und wie mit Kindern über den Coronavirus sprechen?

 

Kess erziehen (c) Kess erziehen

Gedanken von Tomáš Halík

(c) Dennisflarsen@pixabay

Die Kirche als Feldlazarett

Welche Herausforderung stellt diese Situation (Coronapandemie) für das Christentum, für die Kirche – also einen der ersten „Global Player“ – und für die Theologie dar? 
Die Kirche sollte so sein, wie sie Papst Franziskus haben möchte: „ein Feldlazarett“. Der Papst meint mit dieser Metapher, dass die Kirche sich nicht in der bequemen „splendid isolation“ von der Welt absondern sollte, sondern über ihre Grenzen hinausgehen und denen helfen sollte, die physisch, psychisch, sozial und geistlich verwundet werden. Dadurch kann sie auch dafür Buße tun, dass auch ihre Repräsentanten noch bis vor Kurzem Verletzungen von Menschen zuließen, sogar der wehrlosesten. Versuchen wir jedoch, diese Metapher weiter zu denken - und sie noch tiefer mit dem Leben zu konfrontieren. 
Wenn die Kirche ein „Lazarett“ sein soll, soll sie auf jeden Fall gesundheitliche, soziale und karitative Dienste anbieten, wie sie das seit Anbeginn ihrer Geschichte tat. Die Kirche soll jedoch wie ein gutes Krankenhaus noch weitere Aufgaben erfüllen: die Diagnose („die Zeichen der Zeit“ zu erkennen), die Prävention (Gesellschaften, in denen sich die bösartigen Viren der Angst, des Hasses, des Populismus und des Nationalismus verbreiten, zu immunisieren) und die Rekonvaleszenz (durch die Vergebung die Traumata der Vergangenheit aufzulösen)."

©Katharina Unkelbach,
Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

Das Gleichnis des guten Hirten handelt offenbar von sehr intelligenten Schafen: Sie erkennen sofort, ob ein guter Hirt sie ruft, der das Beste für jedes einzelne Schaaf möchte oder ob Betrüger und Diebe versuchen, sie vom sicheren Weg abzubringen. Sie vertrauen einfach und warten geduldig ab. Wenn es für uns Menschen nur auch immer so einfach zu erkennen wäre, wer es gut mit uns meint, die Wahrheit spricht und wer uns mit falscher Stimme auf einen Irrweg zu führen versucht.

Ich glaube, dass wir uns häufig schwer damit tun, aus der nicht mehr überschaubaren Anzahl an Meinungen, Möglichkeiten und Erwartungen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wir kennen dieses Gefühl aus den vergangenen Wochen, in denen Ärzt*innen, Wissenschaftler*innen, Journalist*innen und Politiker*innen fortlaufend den aktuellsten wissenschaftlichen Stand und die neusten Erkenntnisse zum Virus diskutieren. Die Informationsdichte, mit der wir konfrontiert werden, ist hoch – was gestern noch galt ist am darauffolgenden Tag manchmal bereits wieder verworfen, beinahe täglich treten Neuerungen in Kraft. Hierbei den Überblick zu wahren und zu wissen, welchen Stimmen man vertrauen kann, ist mitunter schwer. Ebenso herausfordernd ist es, die Spannung der derzeitigen Ungewissheit anzunehmen. Wir sind ausharrende Schäfchen, gespannt und aufmerksam lauschend, welche Wege die Politik uns erlauben wird zu gehen.

Hinzu kommen eine ganze Reihe an Verschwörungstheorien und Fake News – mal wahnwitzig, mal eher subtil und glaubhaft inszeniert - die ungebremst im Internet kursieren. Darunter zum Beispiel, dass Bill Gates hinter Corona stecke, dass sich das Virus über 5G Sendemasten überträgt oder dass das Virus eine Strafe Gottes sei für Homosexualität auf Erden. Insbesondere rechtsextreme Menschen und Gruppierungen verbreiten Corona-Fake-News, die rechtspopulistische Narrative stärken. Es ist Populisten und Verschwörungstheoretikern immanent, dass sie mit lauter, fordernder Stimme sprechen, die keinen Widerspruch zulässt. Sie bieten uns einfache Erklärungen für komplexe Phänomene an und finden schnell den passenden Sündenbock. Diese Theorien und falschen Fakten nutzen unser Bedürfnis nach Sinn, Ordnung, Schutzbedürftigkeit und einfacher Deutung unserer Lebenswelt aus.

Verschiedene Medien helfen uns dabei, das Stimmengewirr zu entzerren und Falschmeldungen zu erkennen, darunter: ARD Faktenfinder bezüglich Corona: https://www.tagesschau.de/fakt…/faktenchecks-corona-101.html oder der  „Fake-Ticker“ des BR-Faktenfuchses: https://www.br.de/nachricht…/faktenfuchs-faktencheck,QzSIzl3

Es lohnt sich also - nicht nur für Schafe - hin und wieder mal zum ‚Weidecheck‘ inne zu halten und sich zu fragen: Wem oder was laufe ich eigentlich hinterher? Bin ich ein Schaaf, das blind der Stimme hinterherläuft, die am lautesten schreit? Neige ich dazu, den naheliegendsten, einfachsten Weg zu gehen oder schaffe ich es innezuhalten, geduldig abzuwarten und die Ambiguitäten des Lebens auszuhalten? Ich lese aus dem Gleichnis ein Versprechen: Wer durch Jesus als die Tür, als den Zugang zu Gott, ein- und ausgeht, findet vollstes Genüge, Schutz, Geborgenheit, einen Raum, an dem er sein kann und dazugehört. Das Gleichnis sagt also viel aus über das was und wie, aber nichts über das wann. Aushalten, Fakten checken, geduldig sein, vertrauen und wertschätzen, was die Weide gerade hergibt. Ich glaube, das ist das Beste, was wir derzeit tun können.

Johannes 10, 1-10

 Der gute Hirte

 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. 3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. 4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. 5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. 6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. 7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. 8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. 9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. 10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

©Dr. Elisabeth Eicher, Direktorin Kath. Bildungswerk Bistum Mainz

Es ist 05:30 Uhr morgens. Über Mainz liegt ein wolkenloser Himmel. Das Wetter verspricht, schön zu werden. Die Vögel zwitschern, das Kaffeewasser kocht. Bei gutem Wetter wird dieses morgendliche Aufstehritual unweigerlich begleitet von sonorem Dröhnen anlandender Flugzeuge, die über Mainz ihre Kreise ziehen, um sich Richtung Frankfurter Flughafen in Position zu bringen.

Das Dröhnen der Flugzeuge im Landeanflug wird in der Regel flankiert durch das Rauschen der nahegelegenen Hauptverkehrsstraße. Aber auch hier: Fehlanzeige. Ich atme auf. Mit mir das ganze Viertel, die Stadt, die Region… Corona schafft paradoxe Verhältnisse. Die Welt hält den Atem an – die Welt atmet auf: Alles ruht: zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Venedig meldet klares Wasser, wo sonst Kreuzfahrschiffe den Meeresgrund aufwühlen.

Die Ruhe tut mir gut. Sie tut uns allen gut - auch der Schöpfung. Ich weiß, dass sie trügerisch ist. Wir alle zahlen einen hohen Preis dafür, dass das wirtschaftliche Leben brachliegt. Löhne bleiben aus, Betriebe zählen die Tage, die sie in der Krise noch durchhalten können.

In der Bibel findet sich der Satz: „Es ist Dir gesagt, Mensch, was gut ist“. Damit gemeint ist die Erinnerung daran, so zu leben, wie Gott es möchte. Ich denke darüber viel nach in diesen Tagen, in denen das Aufatmen und das Stocken des Atems so dicht bei einander liegen.

Was ist gut? Wie soll ich leben? Die Frage ist mit Macht aufgeworfen. Papst Franziskus beschäftigt sich damit in seiner Enzyklika „Laudato Si“. In sein „Gebet für die Erde“ möchte ich einstimmen.

©Dr. Jan Turinski, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Bergstraße/Odenwald

„So was hätt einmal fast die Welt regiert! Die Völker wurden seiner Herr, jedoch dass keiner uns zu früh da triumphiert - Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“. 
Mit diesen Worten beendet Bertolt Brecht sein Theaterstück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, in dem er parabelhaft die Ereignisse rund um den Aufstieg Adolf Hitlers zum Reichskanzler und den anschließenden Ausbau der nationalsozialistischen Herrschaft erzählt. "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch" – Leider ist dieser Satz auch im Jahr 2020 immer noch aktuell.

Am heutigen Freitag jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und damit auch das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft zum 75. Mal. Am 8. Mai 1945 trat die in Reims unterzeichnete und in Berlin-Karlshorst ratifizierte bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft; die nationalsozialistische Herrschaft war Geschichte. Doch wie uns die schrecklichen Ereignisse aus Halle, der Mordanschlag auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder die Anschläge in Hanau im Februar dieses Jahres schmerzhaft vor Augen geführt haben, sind integrale Bestandteile des NS-Ideologie immer noch in manchen Köpfen unserer Gesellschaft präsent: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Ausgrenzung und Herabwürdigung von anderen Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion, Antisemitismus, zum Teil auch völkisch-nationalistisches Gedankengut, das nicht zuletzt durch Mandatsträger einer Partei, die für sich in Anspruch nimmt, eine Alternative zu sein, Eingang in die Parlamente gefunden hat. Die Grenze des Sagbaren verschiebt sich nach rechts, diskriminierende, ausgrenzende Formulierungen und NS-Vokabular lassen sich immer häufiger im Sprachgebrauch von Mitgliedern unserer Gesellschaft identifizieren.

Wir alle sind dazu aufgerufen, dieser Entwicklung nicht tatenlos gegenüber zu stehen. Nein, wir brauchen keine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“, wie es bereits von einem Rechtsaußen der selbst erklärten Alternative gefordert wurde, wir alle müssen uns gegen diese Entwicklung stellen. Rassismus und Ausgrenzung sind nie eine Alternative. Gerade für uns Christinnen und Christen gibt es in dieser Sache keinen Mittelweg, es gibt kein „aber“! Alle rassistischen Theorien widersprechen dem christlichen Glauben, nach dem alle Menschen nach Gottes Ebenbild geschaffen wurden. Christsein bedeutet „Farbe bekennen“: gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, für Nächstenliebe. „Wer rassistische Gedanken oder Haltungen hegt, versündigt sich an der konkreten Botschaft Christi, für den der ‚Nächste‘ nicht nur ein Angehöriger meines Stammes, meines Milieus, meiner Religion oder meines Volkes ist, sondern jegliche Person, der ich begegne“ – so formulierte es die päpstliche Kommission Justitia et Pax. Wir alle können, nein: müssen, dazu beitragen, dass nichts m ehr aus dem von Brecht zitierten „Schoß“ herauskriechen kann.

(c) Katholisches Bildungswerk Bistum Mainz

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

Als Christ*innen glauben wir, dass das irdische Leben nur ein klitzekleiner Teil unseres Weges ist, und hoffen darauf, nach dem Tod einen festen Platz, „eine Wohnung bei Gott“, zu haben. Das beruhigt und doch sind wir im hier und jetzt - der Gegenwart - gefordert: Wir kennen alle hin und wieder das Gefühl „ein verwirrtes Herz“ zu haben, das nicht so recht weiß, wohin es gehen soll. Mal sind es kleine Momente, mal größere Schicksalsschläge im Leben, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen.

2002 veröffentlicht Herbert Grönemeyer das Lied „Der Weg“, das seiner 4 Jahre zuvor an Krebs verstorbenen Frau Anna gewidmet ist. Für mich eines der traurigsten Lieder überhaupt, aber gleichzeitig auch ein Lied voller Hoffnung und Liebe, dass daran erinnert, dass aufgeben keine Option ist, weil „immer was geht“:

„Ich bin viel zu träge

Um aufzugeben

Es wär' auch zu früh

Weil immer was geht…

Wir haben uns geschoben

Durch alle Gezeiten

Haben uns verzettelt

Uns verzweifelt geliebt“

Nicht nur Herbert Grönemeyer, wir alle wissen es: Das Leben liebt es, uns mit Scheidewegen, Sackgassen, Einbahnstraßen, Kurven und manchmal sogar Hamsterrädern auf Trapp zu halten. Es gibt nicht DEN EINEN geradlinigen, ebenen, vorgezeichneten Weg. Ich finde, das ist gut so, denn ansonsten wäre unser Leben ganz schön langweilig.

Im heutigen Evangelium haben auch die Jünger Angst „sich zu verzetteln“. Sie möchten von Jesus ganz genau wissen: Wo geht es wann, wie, warum und mit wem entlang. Bei den Worten Jesu: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“, denke ich sofort an den Spruch „Der Weg ist das Ziel“. Ich glaube, dass Jesus dies auch den Jüngern mitgeben wollte. Es kommt nicht nur darauf an, von A nach B zu kommen und das finale Ziel zu erreichen. Entscheidend ist, wie wir unser Leben beschreiten. Wenn wir Jesu Vorbild folgen und unseren Lebensweg mit Barmherzigkeit, Hoffnung, (Nächsten-)Liebe, Freude, Glaube, Vertrauen, Mut, Einsatz für die Schwachen, Kranken und Armen gehen, ist völlig egal, ob wir dabei in Zickzacklinien rennen, Kurven schneiden oder uns hüpfend fortbewegen.

Wenn wir es zulassen, kann Jesu Art zu leben und zu wirken, immer Orientierung und Wegbereitung für unsere persönlichen Lebenswege sein. So kann Gott für uns und wir für andere das sein, was Anna für ihren Mann Herbert Grönemeyer war:

„Du hast jeden Raum

Mit Sonne geflutet

Hast jeden Verdruss

Ins Gegenteil verkehrt“.

Johannes 10,1-12

1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? 3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. 4 Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. 5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? 6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. 7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. 9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? 10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. 11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke! 12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen
©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

"Beim Einatmen schenke ich meinem Körper Ruhe.

Beim Ausatmen lächle ich.

Ich verweile im gegenwärtigen Moment und weiß, es ist ein wunderbarer Moment."

(Buddha)

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

(c) Myriams-Fotos@pixabay

(Bibelstelle am Textende)

Jesus weiß um das Risiko, das mit dem Glauben verbunden ist: Das Bekenntnis zu Christus bedeutete unter Umständen Bedrohung, Anfeindung, Ablehnung, auch Verfolgung und Folter. Ja, es konnte sogar das Leben kosten! Das erleben leider auch heute noch viele Christen weltweit in dramatischer Weise. (Gerade) trotz dieses Wissens ruft er die Jünger im heutigen Evangelium zum furchtlosen Bekenntnis auf.

Sich zu etwas oder jemandem BE-KENNEN – das bedeutet für mich mutig und überzeugt für eigene Werte, Träume, Überzeugungen, Menschen einzutreten: Angeklagte bekennen sich für schuldig oder unschuldig, Schüler*innen bekennen sich zu Freundschaften mit Mobbingopfern, Menschen bekennen sich zu einer sexuellen Orientierung, bei Einbürgerungstest müssen sich Menschen zur freiheitlich demokratischen Grundordnung bekennen, Christ*innen bekennen sich zu ihrem Glauben. Ein Bekenntnis geschieht nicht eben mal nebenbei, es ist ein verbindlicher (Sprech-)Akt.

Dem ernst gemeinten sprachlichen Bekenntnis folgt immer auch eine entsprechende Haltung und Handlung: Wir sind gefordert, für das einzustehen, was wir gesagt haben. Ich finde, das ist oft leichter gesagt, als getan. Denn indem wir uns zu etwas bekennen, offenbaren wir immer auch etwas über uns selbst, wir machen uns verletzlich und angreifbar, haben womöglich das Gefühl, ganz alleine dazustehen und manchmal drohen als Folge unserer Bekenntnisse auch unschöne Konsequenzen. Ich erinnere mich an Situationen, in denen ich mich bekannt habe, meine Meinung vertreten habe und dadurch für mich selbst und andere einstand. Ich erinnere mich noch gut, wie groß die Überwindung und das beklemmende Gefühl war, wie schnell mein Herz gepocht hat, in ängstlicher Erwartung der Konsequenzen. Ja, ich habe mich dabei auch gefürchtet.

Ich erinnere mich aber auch noch gut daran, wie frei, mutig und stark ich mich gefühlt habe, nachdem ich immer und immer wieder für meine Überzeugungen eingetreten bin. Wenn ich mich in dieser schwierigen Zeit im Spiegel betrachtet habe, war ich froh, kein „Feigling“ gewesen zu sein. Ich war stolz, mich und meine Werte nicht verraten zu haben. Ich war ganz ich selbst und das war gut so.

Jesus bestärkt die Jünger und auch uns immer wieder ganz gezielt durch den Satz „Fürchtet euch nicht“. Diesen Satz können wir häufig in der Bibel lesen. Ich finde, er ist wahres Balsam für die Seele. Es ist nicht so, als würde uns hiermit jegliche Angst vor Bekenntnissen und anderen Hürden des Lebens genommen werden. Aber er bestärkt uns darin, dass es sich lohnt mutig zu sein, sich zu bekennen, für sich und andere einzustehen. Oder um es mit Oscar Wilde zu sagen: Sei du selbst, denn alle anderen gibt es schon.

Matthäus 10, 28-33

28 Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! 29 Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. [2] 30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. 31 Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. 32 Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. 33 Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.

©Dr. Jan Turinski, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Bergstraße/Odenwald

(c) Von Roberta F., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3781456

„Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus“ – Diese Worte rief Johannes Paul II. den Menschen in Rom und auf der ganzen Welt (insbesondere auch denen hinter dem sog. „Eisernen Vorhang“) am Tage seiner Amtseinführung, am 22. Oktober 1978, zu. 
Am heutigen Montag wäre Johannes Paul II. 100 Jahre alt geworden. Geboren am 18. Mai 1920 erlebte Karol Józef Wojtyła die Schrecken der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in Polen als junger Student, zwischen 1942 und 1944 wurde er zur Arbeit im Baudienst im Generalgouvernement zwangsverpflichtet. 1942 trat er in das geheime Priesterseminar der Erzdiözese Krakau ein, am Allerheiligentag 1946 wurde er – aufgrund der sowjetischen Besatzung Polens ebenfalls im Geheimen – zum Priester geweiht. 
Seine Wahl zum Papst im Oktober 1978 war gleich in mehrfacher Hinsicht historisch: Er war der erste Papst aus Polen, der erste Slawe auf dem Stuhle Petri. Er war der jüngste Papst seit Pius IX. Und er war der erste Nicht-Italiener auf dem Papstthron seit fast einem halben Jahrtausend. 
Fast 27 Jahre lang sollte Johannes Paul II. auf dem Stuhle Petri sitzen – nur für Pius IX. lässt sich eine längere Amtszeit nachweisen. Sein – (kirchen-)politisch keineswegs unumstrittenes – Pontifikat sollte die Kirche in das 21. Jahrhundert führen. Häufiger als jeder andere Papst vor ihm verließ Johannes Paul II. die Ewige Stadt am Tiber, um auf seinen 104 Auslandsreisen, Menschen in aller Welt zu begegnen. Entschieden stellte sich der Papst gegen Sozialismus, Kommunismus, aber auch gegen den neoliberalen Kapitalismus. Er mahnte die fortschreitende Zerstörung der Schöpfung an, setzte sich für die Ökumene und den interreligiösen Dialog ein. Klar positionierte er sich in Fragen des Schwangerschaftsabbruchs und der Empfängnisverhütung. Durch sein Wirken beeinflusste er die politische Entwicklung in Europa in den ausgehenden 1980er Jahren, das Ende des Ost-West-Gegensatzes sowie die Demokratisierung in Polen. 
Am 2. April 2005 ging die irdische Reise Johannes Pauls II. zu Ende, 2011 wurde er selig-, 2014 heiliggesprochen. 
Die eingangs zitierten Worte Johannes Pauls II. können uns auch 42 Jahre nach dem Beginn seines Pontifikats und gerade in der heutigen Zeit Kraft und Hoffnung geben: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus“!

©Annette Reithmeier-Schmitt, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Rheinhessen

„Mir langt’s! Jetzt ist aber genug! Wie lange soll das denn noch gehen? Ich mag mir das nicht mehr anhören! Ich kann die Situation, so manche Menschen, so manche Meinung gerade nicht mehr ertragen. Alle wissen es irgendwie besser. Alle möglichen Kommentare, Ausflüchte und Urteile: Was ist besser oder schlechter? Was ist richtig oder falsch? Wie sind all die Herausforderungen durch Corona – ausgelöst oder aber auch verstärkt – für unsere Welten- und Glaubensgemeinschaft nur lösbar?“

All diese Gedanken und Fragen gehen mir nach mehreren Wochen im Ausnahmezustand durch den Kopf. Ich pendele zwischen neuem ausprobieren und dem Wunsch nach Routine, Sicherheit und Entwarnung. Ich versuche Unterschiedlichkeit, Ungleichzeitigkeit und Unsicherheit auszuhalten und frage nach dem Sinn. Und es zerreißt mich von Zeit zu Zeit – ich gestehe es ehrlich!

Und nun? 
Im Dialog hilft uns die Haltung des „Beobachtens“, um weiter zu kommen. Ich beobachte die Situation mit allen Sinnen. Und ich beobachte dabei mich selbst, meine Gedanken und wie sie aufsteigen, meine Gefühle und Emotionen, meine körperlichen Reaktionen, was sie in mir anregen und auslösen.  

Diese Selbstwahrnehmung schult die Achtsamkeit. Sie ist die Voraussetzung wahrzunehmen und zu suspendieren. Sie löst von der Fixierung auf die eigene Person. Diese Selbstbeobachtung ermöglicht mir dann eine grundlegende Offenheit für die anderen, die mich vielleicht gerade nerven, ärgern, verunsichern, aufregen. Und ich spüre mich durch meine Selbstbeobachtung wieder anders, entdecke den Außenblick zu mir. Offenheit, Weite und Vertrauen entstehen. Ich kann wieder freier atmen, denken, handeln, mich weiter entwickeln….

Vielleicht ist es das, was wir in Gottvertrauen immer wieder üben können in aller Ungewissheit, die uns zur Zeit fordert.  

Wir laden Dich ein, mit Deiner Kompetenz des Beobachtens zu spielen, auszuprobieren, was passiert, wenn Du beobachtest und wie es Dich verändert. Lass uns Deine Erfahrungen damit wissen…

(c) Pixabay

©Katharina Unkelbach und Aaron Torner
für das Netzwerk JE!

Knapp ein halbes Jahr konnten Junge Erwachsene sich an unserer Umfrage #platzfürdich!? beteiligen.
Wir aus dem Netzwerk Junge Erwachsene haben die letzten Wochen genutzt und eure Antworten ausgewertet 
Danke, dass ihr so zahlreich teilgenommen habt!

Schaut doch mal in die Ergebnisse
—> http://www.xn--platzfrdich-yhb.de/
Gruppe „Pastoraler Weg im Bistum Mainz“ Bistum Mainz Bischof Peter Kohlgraf Weihbischof Udo Bentz

Create.your.church

(c) JE! – Netzwerk Bistum Mainz

©Helmut Doll, Bildungsbeauftragter Christkönig Walldorf

Die Corona-Krise und der damit zusammenhängende Lockdown hat vielen von uns die Möglichkeit gegeben, eine neue Einstellung und Haltung gegenüber den Menschen und Dingen im Alltag zu lernen. Da geht es z. B. um mehr Achtung und Wertschätzung, um mehr Solidarität und Nächstenliebe unseren Mitmenschen gegenüber, um das Zusammenhalten in schwierigen Zeiten. Die stillen Helden des Alltags stehen endlich mal im Blickpunkt und bekommen Anerkennung für ihre verantwortungsvollen Tätigkeiten. Das „immer noch höher, schneller, weiter“ unserer Leistungsgesellschaft ist an seine Grenzen gestoßen und die Ruhe und Entschleunigung tun uns in unserem sonst oft so hektischen Alltag gut und geben uns die Möglichkeit, das Wesentliche in unserem Leben in den Blick zu nehmen.

Gerade in der schwierigen Phase der schrittweisen Lockerungen ist es jetzt besonders wichtig, diese neuen, eingeübten Denkweisen und den neuen Blick auf das Wesentliche so weit wie möglich beizubehalten und nicht wieder in alte Gewohnheiten zurückzufallen. Wir Menschen sind jedoch oft ungeduldig und unzufrieden und möchten schnellstmöglich wieder in unser altes Leben zurückkehren. Vieles wird aber Zeit brauchen, sich zu erholen und manches wird es in ganz neuer Form geben. Deshalb appelliere ich, diese Chance der Erneuerung zu nutzen, besonnen und umsichtig mit der aktuellen Situation umzugehen, Geduld zu üben und die Hoffnung auf ein besseres Leben nach Corona nicht aufzugeben. Wir werden jetzt mit Corona eine Zeit lang leben müssen und dies ist oft schmerzlich. Besonders schmerzlich ist es, zu wissen, dass wir, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, nach wie vor Abstand zueinander halten müssen und uns als Zeichen der Wertschätzung nicht die Hand geben oder umarmen können, sondern andere Formen der Verbundenheit finden müssen. Den anderen Mitmenschen durch unsere Herzlichkeit, ein aufmunterndes Wort, einen handgeschriebenen Brief oder ein Telefonat unsere Wertschätzung und Nähe im Alltag zu zeigen, hilft uns weiter. Die Osterbotschaft kann eine große Kraftquelle für unser Leben sein. Sie macht uns Mut, an eine positive Entwicklung zu glauben, denn Jesus hat alle menschlichen Leiden bis zur Kreuzigung durchlitten und durch seine Auferstehung den Tod für immer überwunden. Das Leben ist stärker als der Tod, dies ist die Kernaussage. In einem kürzlich erschienenen Artikel der Zeitung „Glaube und Leben“ ist von einer „Pandemie der Liebe“ die Rede, die sich jetzt in unserer Welt ausbreiten müsse und das trifft ziemlich genau den Kern, worauf es nun ankommt.

Gemeinsam können wir es schaffen, ein neues und besseres Miteinander zu gestalten, wenn wir künftig unseren Mitmenschen mehr Zeit und Aufmerksamkeit schenken, deren Ängste und Sorgen ernst nehmen und Solidarität gegenüber den Schwachen, Armen, Kranken und Bedürftigen zeigen. Durch die Corona-Infektion sind die Menschen in unserer Gesellschaft in sehr unterschiedlichem Maße gesundheitlich, seelisch oder wirtschaftlich betroffen. Manche mehr, manche weniger. Nächstenliebe und Empathie sind deshalb wichtiger denn je. Jeder von uns ist wichtig und wertvoll!

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

(c) Geralt@pixabay

Ich bin ein großer Fan der biblischen Bilder des (guten) Hirten und der dazugehörigen Schafe. Mir gefällt die Vorstellung, ein Schaf zu sein, dessen Leben sich durch viel Auslauf, saftiges Grün zum Fressen und stets nette Gesellschaft auszeichnet. Ich könnte wohl einen Großteil des Tages machen, worauf ich Lust habe und dürfte mich gleichzeitig darauf verlassen, dass es einen Hirten gibt, der mich im Blick hat, dem ich wichtig bin, der mich sucht, falls ich mich mal verlaufen habe. Das klingt für mich nach einer ziemlich perfekten Mischung von Freiheit & Individualität und dem Gefühl von Sicherheit und Dazugehörigkeit. Beim Lesen des heutigen Evangeliums wurde mir bewusst, wie schwer es im echten Leben ist, dass sich diese divergenten, menschlichen Bestrebungen die Waage halten. Jesus nimmt die Menschen als verloren wahr, sie irren beständig umher, sind auf der Suche, doch das Ziel, eine Einbettung in ein großes Ganzes scheint aus dem Blick geraten: „Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Matth. 9,36).

Schafe, die keinen Hirten haben. Das Gefühl des ‚Verlorenseins‘ ist den meisten Menschen mehr oder minder vertraut. Ich denke zum Beispiel an die sogenannte „Generation Y“, den zwischen 1980 und 1995 Geborenen. Eine Generation, der man unbedingtes Streben nach Selbstverwirklichung und Freiheit nachsagt, gepaart mit ausgeprägter Selbstinszenierung in sozialen Medien und einer „Always-On-Mentalität“ durch die fortschreitende Digitalisierung. Freiheit und Selbstverwirklichung fühlen sich toll an, doch wo ist der Hirte, der uns in unserer Selbstüberforderung sagt, welche der unzähligen Optionen des Lebens nun die Richtigen sind? 
Auf Facebook, Instagram und Youtube kann heute jeder sein, wer er will. Doch wer fragt danach, wer wir wirklich sind? Es ist schwer (geworden) einen ehrlichen Blick hinter eigene und fremde Fassaden zu erhaschen.

Viele haben das Gefühl und das Bestreben, frei und selbstständig, nur für sich selbst verantwortlich zu sein, als lebten sie in keiner Herde und brauchten keinen Hirten. Für manche mag das Konzept ein durchaus erfolgreiches sein. Gleichzeitig leiden heute so viele Menschen wie nie zuvor an Krankheiten wie Depressionen, Burnout oder Angsterkrankungen, sie sind verzweifelt und fühlen sich alleine. Häufig wissen Umstehende, manchmal auch engste Angehörige, gar nichts von der Krankheit und der inneren Zerrissenheit von Betroffenen. Manche begehen einen Suizid, weil sie nicht mehr weitersehen: Sie haben den Anschluss an sich selbst, die Herde und einen guten Hirten verloren.

In Gott ist uns als Gläubigen ein guter Hirte stets sicher. Ebenso wichtig ist aber auch, unsere eigenen Potentiale zu erkennen, nämlich, dass wir Menschen für uns selbst und für andere gute Hirt*innen sein können: Wir vermögen es Gleichgültigkeit zu durchbrechen indem wir Individualität und Selbstverwirklichung fördern und gleichzeitig achtsam hinhören, hinsehen und hinfühlen. Die Auswahl an Filtern, die wir über unsere Gesichter und unsere Leben legen, ist groß. Lasst uns bemüht sein, hinter sie zu blicken.

Matthäus 9,35-38
Über die große Ernte und die wenigen Arbeiter 
35 Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden. 36 Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. 37 Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. 38 Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!

©Dr. Jan Turinski, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Bergstraße/Odenwald

Erzbischof, Leibarzt und Kanzler Böhmens - heute vor 700 Jahren, am 5. Juni 1320, starb Peter von Aspelt, Erzbischof des Bistum Mainz und Vorgänger unseres Bischof Peter Kohlgraf auf der Mainzer Kathedra.

In der Mitte des 13. Jahrhunderts als Sohn eines luxemburgischen Ministerialen geboren, studierte Peter von Aspelt in Padua, Bologna und wohl auch in Paris Theologie, Philosophie und Medizin. Seit 1286 war er als Domkanoniker in Mainz bepfründet. Etwa zur selben Zeit stellte er sich und sein Wissen in den Dienst Königs Rudolf von Habsburg († 1291), dessen Kaplan und Leibarzt er wurde. Seit den ausgehenden 1280er Jahren machte Peter von Aspelt dann Karriere in Böhmen: 1289 taucht er als enger Vertrauter König Wenzels II. am Prager Hof auf, wo er bis zum Kanzler des böhmischen Königreichs aufsteigen sollte. Nach einer zwiespältigen Bischofswahl wurde er 1297 als Kompromisskandidat von Papst Bonifatius VIII. zum Bischof von Basel ernannt, 1306 wurde Peter von Aspelt Erzbischof von Mainz. Seine im Mainzer Dom befindliche Grabplatte zeigt den reichspolitischen Einfluss des Erzbischofs, der nicht zuletzt auch während des Romzuges König Heinrichs VII. von 1311 – 1313 als Reichsverweser fungierte:
Peter von Aspelt ist mit den Insignien eines Erzbischofs im Pontifikalgewand dargestellt. Vor ihm befinden sich drei deutlich kleinere Personen, die bei genauerem Hinsehen als weltliche Herrscher identifiziert werden können: Alle drei tragen eine Krone auf dem Kopf sowie ein Zepter, zwei von ihnen halten auch den Reichsapfel in Händen. Die Wappenschilde lüften das Geheimnis um die Identität der drei idealisiert dargestellten Figuren. Die drei Könige stellen (v. l. n. r.) Johann von Böhmen, Heinrich VII. und Ludwig der Bayer dar, deren Wahlen zum böhmischen bzw. römisch-deutschen König Peter maßgeblich befördert hatte. Der Nachwelt sollte Peter von Aspelt damit als „Königsmacher“ in Erinnerung bleiben. Dies zeigt auch der Blick auf die Inschrift des Grabmals, heißt es doch dort: "Sceptra dat Heinrico regni, post hec Ludevico. Fert pius extremquoque Iohanni regna Bohemo" (Das Zepter des Reichs gibt er Heinrich, dann Ludwig. Fromm übergibt er dem weit entfernten Johann von Böhmen das Königreich).

Ganz besonders viel Aufmerksamkeit wird dem Todesdatum eingeräumt, ist doch in der weißen "Banderole" links und rechts des Erzbischofs zu lesen "O[biit ]in die Bonifacii ep[iscop]i". Dass Peter von Aspelt am 5. Juni und damit am Todestag des hl. Bonifatius starb, bot die Möglichkeit, eine direkte Verbindung zwischen Peter von Aspelt und dem 754/755 verstorbenen Bonifatius deutlich zu betonen.

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©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

Wenn man Menschen fragt, was für sie Glück bedeutet, haben viele recht handfeste Vorstellungen davon, was dies sein könnte: Ein Lottogewinn, eine Familie gründen, Gesundheit, einen Partner*in finden, eine Weltreise machen, das bestandene Examen, den „Traumjob“ finden.
Häufig glauben wir daran, erst glücklich sein zu können, wenn mit einem bestimmten Tag x, ein bestimmtes Ereignis y eintritt. Die Wahrnehmung dessen, was Glück also bedeutet, ist häufig auf die Zukunft ausgerichtet, Glück also als ein ersehnter Zustand, auf den wir hinarbeiten müssen.
Manchmal treten diese konkreten Vorstellungen von Glück ein, manchmal aber auch nicht.

Wir kennen alle das euphorische, berauschende Gefühl, ein „Glückspilz“ zu sein. Denken wir zurück an unsere persönlichen Glücksmomente wie Abiturfeiern, die Geburt des eigenen Kindes, bestandene Examen, die Heirat der Partnerin. Dies sind Ereignisse, auf die wir manchmal Monate oder gar Jahre hin gefiebert und hingearbeitet haben. Erreichen wir den ersehnten Zustand dann endlich, ist die Freude oft groß.

Als ich 2009 mein Abiturzeugnis in der Hand hielt und beim Abiball die halbe Nacht mit meinen Freund*innen durchgetanzt habe, hat sich das nach purem Glück angefühlt. Doch schon wenige Tage später, war ich ernüchtert: Das große Ziel war erreicht, doch was kommt jetzt? Ewig kann die Freude über das Abitur ja nicht währen. Ein neues Glücksziel musste her, das war dann auch recht schnell gefunden und hieß Studienwahl & Studienabschluss. Ein paar Jahre später war auch dies erreicht, es war toll und dann kam mit der Jobsuche das nächste Ziel. So können viele von uns ihr Leben durchdeklinieren.
Ich finde, das Streben nach Glück in dieser Form hat ziemlich viel mit einem Hamsterrad zu tun: Wir laufen beständig, wenn es eintritt, währt es nur einige Augenblicke und ist im Zustand des Erreichens irgendwie meist schon wieder flüchtig. Anstatt uns eine Pause zu gönnen und uns selbst auf die Schulter zu klopfen, rennen wir bereits dem nächsten Glückspunkt auf der Liste hinterher.
Es wird also immer irgendetwas (Neues) geben, von dem wir meinen, es zu unserem Glück erreichen zu müssen. Weder jedoch ist das Erreichen dieser Ziele ein Garant für lange währendes Glücksempfinden, noch führt das Nichterreichen dazu, dass wir zu ewigem Unglücklich sein verdammt sind.

Ich bin bemüht, mein persönliches Empfinden von Glück nicht primär vom Eintritt der großen Lebensziele abhängig zu machen. Das heißt ganz konkret eine Abkehr von „Ich bin glücklich, wenn…“ und eine Hinwendung zu „Ich schätze mich glücklich, weil…“.

Gerne denke ich hierbei an das bekannte Zitat von Buddha:

„Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment“.

Mir fallen viele kleine Glücksmomente ein, die mir in Summe das Gefühl geben, ein Mensch zu sein, der mit seinem Leben insgesamt glücklich und zufrieden ist. Das ist zum Beispiel der Geruch des Waldes, ein Lachen, wenn mir nach Weinen zumute ist, das Lesen eines guten Buches unter einem schattigen Baum mit Blick auf einen strahlend blauen Himmel, es sind unverhoffte Komplimente von Fremden, die morgendliche Ruhe bei gutem Kaffee, eine Umarmung genau zur rechten Zeit oder gespeicherte Telefonnummern von Menschen, die ich zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kann. All dies sind Dinge, die - mit ein bisschen Glück - immer wieder unverhofft eintreten oder mich dauerhaft begleiten. Eigentlich haben wir alle ganz schön viele Gründe, uns glücklich zu schätzen. Wir müssen sie (nur) erkennen, sie zu- und uns auf das Glück einlassen.

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Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen. (Pearl S. Buck)

Was hast du heute schon Wunderbares erlebt, gesehen, getan oder gehört?

©Katharina Unkelbach, Päd. Leitung Kath. Bildungswerk Südhessen

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Impuls zum Tagesevangelium:

(Halb-) Wahrheiten, Lügen, alternative Fakten. Das gibt es nicht erst seit dem neusten Aufflammen von Verschwörungserzählungen und sogenannten "Fake Facts" im Zuge der Coronakrise. Doch besonders im Zuge gesamtgesellschaftlich bedeutender Einschnitte und Krisen beschleunigen und verbreiten sich solche Theorien rasant...

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