Liebe TheoBuchKlub-Interessierte,
wann oder haben Sie überhaupt schon einmal die Behauptung abgelehnt, dass Gott das höchste Wesen sei? Für Caputo liegt darin - in der Überwindung der Vorstellung von Gott als "höchstem Wesen" - die Zukunft der Theologie (S. 30; vgl. Kapitel 7).
Morgen feiern wir Christi Himmelfahrt - und ich frage mich, welch' dekonstruktive Kraft sich entfalten würde, wenn wir uns auf Caputos Forderung einlassen würden, "eine neue Grammatik (zu) erfinden, neue Wege, eine neue Ausrichtung, ein neues theoglobales Navigationssystem." (S. 29)
Vielleicht geht es Ihnen und Euch wie mir: Die Lektüre im 2. Quartal fordert mich heraus. Sie hat aus meiner Perspektive tatsächlich das Prädikat "radikal" verdient. Diese Radikalität fasziniert mich - nicht zuletzt auch in ihrer nahezu paradox dazu erscheinenden Sanftheit und Berührbarkeit, wenn Caputo etwa von der "Theopoesie über das Reich Gottes" (Kapitel 9) spricht: "Es geht dabei nicht so sehr darum, das Ereignis zu erläutern als vielmehr darum, zuzulassen, dass wir uns dem Ereignis aussetzen, es kommen lassen und uns von ihm in Bann schlagen lassen. In der Theopoesie versuchen wir nicht, Sätze zu formulieren, die einen bestimmten Sachverhalt darstellen, sondern das Ereignis geschehen zu lassen - und es an uns geschehen zu lassen." (S. 55f) In diesem Kapitel schließt für mich vieles an unsere fragenden Überlegungen zu Schüsslers "Frei geben" an.
Mitten im zweiten Quartal stecken wir am TPI also mitten in der Lektüre. Und wir machen noch einmal Lust, mitzulesen, sich anfragen zu lassen, aber auch Caputo anzufragen - und die gesammelten Lektüreerfahrungen in den Austasuch mit uns zu bringen: am 23. Juni 2026 von 10-11.30 Uhr. Eine Anmeldung ist weiterhin möglich über folgenden Link: https://bistummainz.de/bildung/tpi/kurse/termine/veranstaltung/TheoBuchKlub-2026.03.20/?instancedate=1773993600000
Die Einwahldaten verschicken wir rechtzeitig vorab über den Newsletter.
Herzliche Grüße Luisa Fischer |