Buchbesprechnung vom 19.02.2026

Lesekreis am 19.2.2026

Datum:
So. 1. März 2026
Von:
Désirée Ahlheim

Froh und alle (fast) gesund haben wir uns am Donnerstagabend nach der Ausleihe in der
Bücherscheune getroffen. In der kalten Jahreszeit haben wir viel gelesen.


Gut gefallen hat der autofiktionale Roman von Dmitrij Kapitelmann „Russische Spezialitäten“
(2025). In den 90er Jahren ist der jüdische Autor mit russisch-ukrainisch-moldawischen Wurzelnmit seinen Eltern nach Leipzig gekommen. Ihr Laden mit Spezialitäten aus der Heimat wurdeschnell zum Treffpunkt der Zugereisten. Aber mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ändert sich das, besonders weil die Mutter des Erzählers nur den russischen Falschinformationen aus dem Radio glaubt. Mit dem Flixbus fährt der Erzähler in die Ukraine, er möchte die Wahrheit sehen und seine Mutter davon überzeugen. Nichts ist dort mehr, wie er es zuletzt gesehen hat, aber die Mutter glaubt ihm nicht.
Der Roman schildert eindrucksvoll die Situation der Ukrainer in diesem hoffnungslosen Krieg
gegen den übermächtigen Aggressor.

Zur Entspannung sollte man dann den ersten der fünf Bände „Die Blumentöchter“ von Tessa
Collins (Pseudonym von Silke Ziegler) lesen. Damit beginnt die Saga um fünf Frauen auf fünf
Kontinenten. Zuerst lernen wir Dalia kennen, die in Cornwall bei ihren Großeltern aufwächst und ein Geheimnis entdeckt, dessen Lösung sie in México zu finden hofft. Spannend!


Im Sommer 2025 erschien der Roman von Beatrix Gerstberger „Die Hummerfrauen“. Im
„Lesering“ schreibt man „In einem kleinen Fischerdorf an der Küste von Maine treffen sich
Vergangenheit und Gegenwart, Schmerz und Zugehörigkeit.“ Es ist ein leiser Roman über Verluste und Menschen, die weitermachen.

Hark Bohm, eigentlich Regisseur, hat zusammen mit Philipp Winkler seine Kindheitserinnerungen aus der Zeit der zu Ende gehenden Naziherrschaft auf Amrum in einen Roman namens "Amrum" gepackt. Es ist „eine Hommage an die Insel Amrum, ...ein teils bitterer Blick auf die eigenen familiären Verstrickungen in die NS- Gräuel und nicht zuletzt auch eine Insel-Abenteuergeschichte... Einrichtig schönes Buch.“ (LiteraturReich)

Selbstverständlich waren auch Krimis dabei, hier wieder ein Psychothriller von Sebastian Fitzek (2019), „Das Geschenk“. Wikipedia schreibt: Der Analphabet Milan Berg ist einer Entführung auf der Spur. Während der Verfolgungsjagd eröffnen sich ihm schließlich familiäre Abgründe, die ihn nicht nur seine Vergangenheit hinterfragen lassen, sondern auch wer er selbst wirklich ist. Aufregend!

Normalerweise mögen wir die Bücher von Bernhard Schlink, aber „Das späte Leben“ (12/2023) konnte nicht überzeugen. Ein 76jähriger erfährt, dass er Pankreaskrebs hat. Wie soll er seine verbleibende Lebenszeit füllen? Er möchte seinem kleinen Sohn etwas Bleibendes hinterlassen: er schreibt einen Brief, aber das, was ihm einfällt, hat mit Emotion nichts zu tun. Auch seine Reaktion auf die Tatsache, dass seine junge Frau ihn betrügt und schwanger ist, scheint ihn nicht unglücklich zu machen. Na ja!

Auch der von vielen gerühmte Familienroman „Schönwald“ (2023) von Philipp Oehmke, Journalist und Autor, konnte nicht überzeugen. Der Rezensent der Süddeutschen ordnet den Roman „als etwas billige deutsche Kopie US-amerikanischer Familien- und Gesellschaftstableaus ein, dem es an stilistischer Brillanz ebenso fehlt wie an eingehender Figurenzeichnung. Möglicherweise ein Fall von Selbstüberschätzung...“

Das nächste Mal treffen wir uns erst ausnahmsweise am Montag, 30.3.2026, um 19 Uhr. Das
Team der Bücherscheune hat den evangelischen Frauenkreis zu einem Leseabend eingeladen.

Wir möchten den Damen neue „Lieblingsbücher“ vorstellen, die alle auch in der Bücherscheune
ausgeliehen werden können. Auch Leserinnen aus dem Lesekreis werden dabei Bücher empfehlen.

Text von Mechthild Stephan

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