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Caritas als Basis kirchlichen Handelns

Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivi-tät, die man auch anderen überlassen könnte, sondern er gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst.“ (Deus Caritas Est, 25). 

Gott ist die Liebe

Wer ist Gott für dich? Eine Frage, auf die wahrscheinlich nur wenige Menschen sofort eine Antwort geben könnten. Und umso schwerer, sich dabei auf wenige Worte zu beschränken. Auf den Punkt gebracht hat es Papst Benedikt in seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas Est“ – „Gott ist die Liebe“. Er zeigt sich als YHWH – als der menschennahe Gott mit der Zusage: Ich bin da! Er hat Anteil am Leben der Menschen, er begleitet sie. Diese Radikalität der Liebe zu den Menschen wird besonders im Neuen Testament deutlich: Er liebt uns Menschen (mit all unserem Unvermögen) so sehr, dass er sich selbst zu einem von uns machte. Diese dienende Liebe führt uns vor Augen, was wir Gott „wert“ sind.

Gottes- und Nächstenliebe sind untrennbar verbunden

In der Person Jesus Christus zeigt sich aber auch: Gottes- und Nächstenliebe sind untrennbar miteinander verbunden. Gott zu lieben und gleichzeitig die Augen vor der Not meines Nächsten zu verschließen, ist unmöglich: „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.“ (1 Joh 4,20). Gottesliebe ohne Nächstenliebe bleibt abstrakt, bleibt bloße Theorie. Die Praxis soll sich in der Tat zeigen, im gelebten Glauben: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben“ (Joh 13,34). Gottes großes Geschenk an uns – seine unbedingte Liebe – ist Gabe und Aufgabe zugleich. Der Liebesdienst gehört seit jeher untrennbar zum Wesen der Kirche: „...ergehört zu ihrem  Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst“ schreibt Papst Benedikt in seiner Enzyklika. Und der evangelischen Theologe Dietrich Bonhoeffer betonte: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“.

 

Die drei Grunddienste der Kirche gehören zusammen

Der Liebesdienst, die Diakonie ist damit nicht nur „Nebensache“. Die sog. drei Grunddienste – Liebesdienst am Nächsten (Diakonia), Gottesdienst (Leiturgia) und Verkündigung (Martyria) – sollen sich gegenseitig durchdringen. Der Dienst am Nächsten gehört damit wesentlich zu den Grundvollzügen der Kirche und damit zu den Aufgaben jeder Seelsorgeeinheit. Das diakonische Handeln ist eben keine “...Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte“ (Deus Caritas Est, 25). – Die Not des Mitmenschen zu sehen und zu handeln, ist ureigenste Angelegenheit des Christenmenschen. Kirche und im konkreten Fall Gemeinde darf nicht wegschauen.

 

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 30-37) führt uns diese Aufgabe sehr plastisch vor Augen. Samariter, das kann jeder sein. Jemand, der sich beim Besuchsdienst auch den Menschen zuwendet, die nicht mehr am sonntäglichen Gottesdienst teilnehmen können und so aus der Gemeinde herauszufallen drohen. Jemand, den die Not der Nachbarin berührt und mit ihr nach einer Lösung sucht. „Samariter“ sind Menschen, die sich im Besuchsdienst, in der Nachbarschaftshilfe oder im Seniorenkreis um den Nächsten kümmern. Viele Bereiche könnte man hier aufzählen, in denen Menschen – oft im Verborgenen, ohne große Worte – einen wichtigen Dienst tun: Menschen, die am Nächsten nicht vorbeigehen, die sich angesprochen fühlen und handeln, auch wenn es die caritativen Einrichtungen von Kirche und Staat gibt. Das meint ebenso, dass der Liebesdienst nicht nur Aufgabe von „Spezialisten“ ist. Ohne den Blick auf die Hilfesuchenden verfehlt die Gemeinde ihren ureigentlichen Auftrag, der ihr von Anfang an aufgetragen ist. Sie läuft Gefahr, sich um sich selbst zu drehen. Denn: Gottes- und Nächstenliebe „gehören so zusammen, dass die Behauptung der Gottesliebe zur Lüge wird, wenn der Mensch sich dem Nächsten verschließt oder gar ihn hasst." (Deus Caritas Est, 16) Eine nicht ganz leichte Aufgabe. Doch eines macht das Gleichnis auch deutlich: Es ist nicht der barmherzige Samariter selbst, der den Kranken bis zum Ende pflegt! Er verbindet die Wunden des Mannes und bringt dahin, wo er ihn versorgt weiß: zu einer Herberge, wo er dem Wirt am anderen Morgen aufträgt: „Sorge für ihn...“ (Lk, 10, 35). Der Samariter tut das, was er leisten kann. Er sieht die Not und veranlasst, dass der Verletzte weiter gepflegt wird.

 

Missionarische Kirche

"Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist!" Diese Anderen können nicht nur die eigenen Mitglieder sein, nicht nur die getauften Christen. Gerade im Dienst der Caritas und Nächstenliebe ist die Kirche und jede Gemeinde immer wieder aufgerufen weit über ihre Grenzen hinauszugehen. Die Not eines jeden Menschen muss Ruf zum eigenen Handeln sein - und dies ohne Hintergedanken! Missionarisch Kirche-Sein meint in diesem Zusammenhang nicht, dass durch den Dienst der Caritas neue Mitglieder geworben werden, sondern dass deutlich wird, Kirche und Christen sind "Salz der Erde", wo sie sehen und handeln, dort wird etwas von der Liebe Gottes in dieser Welt lebendig, die er jedem seiner Geschöpfe schenkt!

 

Caritas in unserem Dekanat

Auf den folgenden Seiten werden Initiativen im Bereich der Caritas vorgestellt, in denen wir versuchen, den Liebesdienst Gottes an den Menschen erfahrbar werden zu lassen.