Schmuckband Kreuzgang

Bei wem das Licht der Frohen Botschaft gezündet hat, der muss von diesem Licht weitergeben!

Gedanken zum Weltmissionssonntag

Weltmissionssonntag 2020 (c) missio Aachen
Weltmissionssonntag 2020
Datum:
Sa. 24. Okt. 2020
Von:
Karl Zirmer

Zum Weltmissionssonntag, der am letzten Sonntag im Oktober gefeiert wird (25. Oktober), hat Dekan Karl Zirmer ein geistliches Wort verfasst.

Am letzten Sonntag im Oktober feiert die Katholische Kirche den Weltmissionssonntag. Wir werden an Jesu Auftrag an seine Jünger erinnert: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet die Frohe Botschaft.“

„Mission“, „Missionieren“ hat heutzutage bei vielen Menschen einen negativen Beigeschmack bekommen. Wer um die Missionsgeschichte weiß, kann diese Zurückhaltung verstehen. Tatsächlich ging die Missionierung früher oft einher mit dem Kolonialismus. Erfreulicherweise hat in den letzten Jahrzehnten bezüglich Mission eine Neubesinnung stattgefunden. Es geht dabei nicht um Überredung oder Propaganda. Es geht auch nicht darum, die eigene Überzeugung einem anderen aufzudrängen. Wer aber angerührt ist von der grenzenlosen Liebe Gottes, der kann das einfach nicht für sich behalten. „Wir können und dürfen nicht davon schweigen, was wir gesehen und gehört haben“, sagt Petrus selbst vor Gericht. Bei wem das Licht der Frohen Botschaft gezündet hat, der muss einfach von diesem Licht weitergeben und mit allen Menschen teilen.

„Missionarisch Kirche sein“ – das ist das Gebot der Stunde. Der frühere Bischof von Erfurt, Joachim Wanke hat schon vor mehr als 20 Jahren im Blick auf die deutsche Kirche geschrieben: „Unserer katholischen Kirche in Deutschland fehlt etwas. Es ist nicht das Geld. Es sind auch nicht die Gläubigen. Unserer katholischen Kirche in Deutschland fehlt die Überzeugung, neue Christen gewinnen zu können. Das ist ihr derzeit schwerster Mangel.

„Neue Christen zu gewinnen“ – ist das nicht weltfremd und ein Wunschtraum? Wir erleben doch zur Zeit das Gegenteil: wir werden weniger, unsere Gemeinden schrumpfen, volkskirchliche Strukturen brechen immer mehr weg. Dieser Prozess ist schon lang im Gange und wird durch die Corona-Krise noch mehr beschleunigt.

Und dennoch: es gibt auch die andere Bewegung, auch wenn sie erst wie ein zartes Pflänzchen aus dem Boden wächst, auch wenn es bisher nur Einzelne sind, die Interesse an der Kirche und ihrer Botschaft bekunden. Es gibt sie – die Suchenden, die nach dem Sinn des Lebens Fragenden, die Nachdenklichen – und das ist unsere Chance! Aus dem Kreis dieser Menschen können auch „neue Christen“ gewonnen werden.

Ich mach mir keine Illusionen: Die Zahl derer, die wir in nächster Zeit verlieren werden, ist bei weitem größer als die Zahl derer, die neu hinzukommen. Aber es gilt, was Karl Rahner schon vor mehr als 50 Jahren geschrieben hat: „Befreien wir uns doch von der Tyrannei der Statistik; in den nächsten hundert Jahren wird sie immer gegen uns sprechen, wenn wir sie am falschen Platz zu Wort kommen lassen.“ Die Sache Jesu ist großartig! Es lohnt sich, dass wir uns dafür einsetzen!