Schmuckband Kreuzgang

Christus – König und Bettler

"Wort zum Sonntag"

Wann habt Ihr mir zu essen gegeben? (c) pixabay.com
Wann habt Ihr mir zu essen gegeben?
Datum:
So. 22. Nov. 2020
Von:
Karl Zirmer

Zum heutigen Sonntag (22. November) hat Dekan Karl Zirmer (Mainspitze) die folgenden Gedanken verfasst.

Das Wort zum Sonntag (zu Mt 25, 31-46)

Christkönig feiern wir am letzten Sonntag im Kirchenjahr. Wir bekennen Christus als unseren König und Sieger, als Herrn in Ewigkeit. Auch im Evangelium heute vergleicht sich Jesus ja mit einem König, der die Völker vor seinem Thron zusammenruft und Recht spricht. Aber dann plötzlich spricht er von sich auch noch in ganz anderen Bildern. Und die stehen in einem großen Kontrast zum Bild des Königs. Jesus sagt: „Ich war hungrig. Ich war durstig. Ich war fremd und obdachlos. Ich war krank. Ich war nackt.“ Auf einmal ist Christus nicht mehr nur der König. Er ist der Bettler. Und genau in dem will er von uns wiedererkannt werden.

Christus als Bettler: Davon wird auch in der Geschichte von Sankt Martin erzählt. Da sitzt ein Bettler frierend am Straßenrand, als Martin, der römische Soldat, auf seinem Pferd vorbeikommt. Er reitet nicht einfach an ihm vorbei. Martin steigt vom Pferd und teilt mit dem Bettler seinen Mantel. In der Nacht, so geht die Geschichte weiter, da hat er einen Traum: Christus erscheint ihm – und er trägt seinen halben Mantel, den Mantelteil, den Martin verschenkt hat. Der Bettler, dem Martin geholfen hat, das war Jesus Christus selbst. So wie es heute im Evangelium steht: „Ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben.“ Bis heute ist das die Botschaft des heiligen Martin und die Botschaft dieser Sätze des Matthäusevangeliums: Im Bettler, im armen, fremden und frierenden Menschen sollen wir Jesus Christus selbst sehen. Eine Herausforderung und Provokation ist das schon.

Natürlich kann ich nicht allen Armen und Notleidenden helfen. Aber die große Frage heute an Christkönig ist doch wirklich die: Wann habe ich Christus wiedererkannt im Armen und im Hungrigen? Was habe ich dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern Gutes getan? Ich soll nicht nur vor Christus, dem König, auf die Knie gehen, sondern auch und vor allem: vor Christus, dem Bettler.