Schmuckband Kreuzgang

Der gute Hirte

Tagesimpuls zum 24. April von Katharina Unkelbach, Leitung Bildungswerk Südhessen

Der Gute Hirte (c) Pixabay
Der Gute Hirte
Fr 24. Apr 2020
Katharina Unkelbach

Impuls zum Tagesevangelium (Johannes 10,11-15)

Im heutigen Evangelium geht es um gute und schlechte Hirten, Schafe und reißende Wölfe. Mir gefällt das Bild des Hirten gut, es hat etwas Beruhigendes, Vertrautes und entlastet uns von dem Gefühl, alles alleine regeln zu müssen: Wir können unser Leben Gott anvertrauen, uns leiten lassen und darauf vertrauen, dass er uns im Blick hat, auch wenn wir uns auf der Weide des Lebens verlaufen haben oder über einen Stein gestolpert und hingefallen sind.

Ich suche im Internet nach den Ausbildungsvoraussetzungen für den Beruf des Tierwirts. Dabei fallen mir die Worte „Verantwortungsbewusstsein“, „Sorgfalt“ und „flexible Einsatzbereitschaft“ auf. Von guten Tierwirten / Hirten wird also einiges abverlangt, sie arbeiten bei Wind und Wetter, müssen das Wohlergehen des Einzelnen im Auge behalten und das alles rund um die Uhr. Ob sie gut in ihrem Beruf sind, scheint zu einem großen Teil von ihren Werten und Motiven, die sie leiten, abzuhängen: Der schlechte Hirte ist angetrieben von Profit und macht sich bei kleinsten Widerständen aus dem Staub. Der gute Hirt jedoch ist getrieben von Mut, Risikobereitschaft und der Liebe zu seinen Tieren. 

Viele Menschen würden das, was sie tun, in andere Worte fassen, aber sie werden dennoch zu Hirtinnen und Hirten: Sie sorgen, helfen, handeln, hoffen, beten, sprechen, sind ehrlich und fürsorglich zugewandt. Ich denke an all die Ärzt*innen, Pflegepersonal, Sozialarbeiter*innen und viele weitere, die sich gerade jetzt in der Coronakrise selbstlos für unser aller Wohlergehen einsetzen und hierbei auch immer ihre eigene Gesundheit riskieren. Wir dürfen uns ihnen anvertrauen und darauf hoffen, dass sie das bestmögliche für uns möchten und unser Leben bei Ihnen in guten Händen ist. Ich finde, sie sind ein Exzellenzbeispiel guter Hirt*innen.

Manchmal hören wir in diesen Tagen auch von ‚schlechten Hirten‘. Einige Menschen setzen ihre Tiere aus, da sie eine Corona-Infektion durch diese befürchten. In einem kanadischen Pflegeheim sterben 31 Menschen, da die Angestellten aufgrund der Angst vor Covid-19 nicht mehr zur Arbeit kommen und die Bewohner sich weitgehend selbst überlassen wurden. Solche Nachrichten machen mich traurig und fassungslos. Auch wenn ich die Angst einer Ansteckung gut nachvollziehen kann, fällt es mir schwer zu verstehen, weshalb man hilflose, abhängige Tiere und Menschen so im Stich lassen kann und das eigene vermeintliche Wohl so sehr über das von anderen stellt. Ich denke, dass diese Menschen sich grundlegend aus falschen Motiven für ein Tier entschieden haben. Und ich denke auch, dass die kanadischen Pflegekräfte besser einen Beruf mit weniger Verantwortung und Einsatzbereitschaft hätten wählen sollen.

Die Qualität einer menschlichen Gesellschaft zeigt sich immer auch an der Art und Weise, wie sie mit  ihren schwächsten Mitgliedern umgeht. Ein Hirte läuft nicht weg, wenn es schwierig wird. Es ist beruhigend, dass wir so viele ‚gute Hirt*innen‘ in unserer Gesellschaft haben und die Zahl der ‚bezahlten Knechte‘ überschaubar bleibt.

Das Tagesevangelium: Johannes 10,11-16

Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. 12 Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Er flieht, 13 weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. 14 Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. 16 Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.

Tagesimpulse

Viele Gruppen, Treffen, Zusammenkünfte in unseren Gemeinden, in denen wir uns normalerweise auch über den Glauben austauschen und gegenseitig bestärken, fallen im Moment aus. Können wir uns in anderer Weise gegenseitig Ermutigung zusprechen?

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