Schmuckband Kreuzgang

Einmaliger Weg innerhalb des Bistums

Dekanatsprojektteam trifft sich mit Vertretern des Bistums zum Statusgespräch

Königstädten, 26. Mai 2020: Statusgespräch zum Pastoralen Weg im Dekanat Rüsselsheim. (c) Markus Schenk
Königstädten, 26. Mai 2020: Statusgespräch zum Pastoralen Weg im Dekanat Rüsselsheim.
Fr 29. Mai 2020
Markus Schenk

Zu einem sogenannten Statusgespräch zum Pastoralen Weg traf am Dienstag (26. Mai 2020) das zwölfköpfige Dekanatsprojektteam mit zwei Vertretern des Bistums zusammen – natürlich unter Wahrung des Mindestabstands.

Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt und Dr. Wolfgang Fritzen von der Koordinierungsstelle des Pastoralen Weges waren in das Gemeindezentrum Johannes XXIII. nach Königstädten gekommen, um sich über den aktuellen Stand des Pastoralen Weges im Dekanat Rüsselsheim zu informieren. Auch die Frage nach dem weiteren Vorgehen war ein wichtiges Thema.

Pastoraler Weg in der Coronakrise

Durch die Coronakrise ist der Pastorale Weg in den Hintergrund gerückt und so wurde im Statusgespräch zunächst gefragt, welche Herausforderungen die Krise aufgeworfen hat. Die Krise wirke wie ein Brennglas, das viele bereits vorher vorhandene prekäre Situationen deutlicher sichtbar werden lasse – sowohl auf dem Arbeitsmarkt, als auch im sozialen Bereich oder in den Familien.

Kirchliche Seelsorge wurde nur selten aktiv angefragt, aber wenn Seelsorger*innen selbst zum Telefonhörer griffen oder im Ort präsent waren, wurde derGesprächsbedarf vieler Menschen sichtbar. "Einkaufen im Ort dauert jetzt viel länger", erzählte beispielsweise der Gernsheimer Gemeindereferent Markus Kiefer. Eine Pastoral, die nicht auf die Menschen wartet, sondern auf sie zugeht, erscheint als Schlüssel.

Im Bereich der Liturgie sowie des Gemeindelebens insgesamt wurden viele kreative Ideen spürbar, die auch über die Coronakrise hinaus ein Reichtum sein könnten. Die digitalen Möglichkeiten, die sich viele in einem "Crash-Kurs" angeeignet haben, könnten auch in der Zukunft verstärkt genutzt werden – wenngleich sie nicht die persönliche Begegnung ersetzen.

Stand des Pastoralen Wegs im Dekanat

Die Mitglieder des Dekanatsprojektteams erläuterten die bisherige partizipative Vorgehensweise im Dekanat Rüsselsheim: Für die Ergebnisse zur Pastoralen Bestandsaufnahme und zur Gesellschaftlichen Wahrnehmung wurden zunächst in den Gemeinden und pastoralen Einheiten Fragen beantwortet sowie viele Interviews geführt. In der Dekanatsversammlung im Februar sowie beim ersten Ratschlag im März, an dem sich rund 80 Personen aus allen Gemeinden und vielen Kirchorten des Dekanates beteiligten, wurden diese Ergebnisse weiter diskutiert und zusammengeführt.

Diese breite Beteiligung wurde von Beginn an durch das Dekanatsprojektteam gewünscht und gefördert und soll auch bei den weiteren Schritten (Schwerpunkte, Pfarreienzuschnitt…) beibehalten werden. Deutliche Zustimmung gab es dafür von der Bistumsleitung: „Ihr Weg ist einmalig. Den sollen Sie auch weitergehen“, so Domkapitular Eberhardt. 

Auch die zusätzliche "Schleife", die im Schritt der "Gesellschaftlichen Wahrnehmung" gedreht werden musste, wurde thematisiert. Christine Breser, Vorsitzende des Dekanatsrats betonte, diese Schleife sei nicht negativ, sondern könne sich als fruchtbar erweisen: "Schließlich ist das Dekanat ja als Ganzes auf einem Weg, den wir selbst noch nicht kennen und auf dem man sich gegenseitig anregen und manchmal auch korrigieren kann." Die AG „Geistlicher Weg“, die immer wieder das Hören aufeinander sowie auf die Stimme des Geistes in das Bewusstsein aller Beteiligten rücke, setze wichtige Akzente. Gelobt wurde auch die Rolle der beiden Prozessbegleiter, die mit ihren Hinweisen und dem Blick von außen Hilfestellung geben. 

Weiteres Vorgehen

Während der Coronakrise wurde deutlich, dass im Zusammenhang mit dem Pastoralen Weg die richtigen Fragen gestellt wurden: Was brauchen die Menschen? Wie wollen wir Kirche sein? Was ist unsere Vorstellung von Kirche? – In den letzten Wochen wurden diee Fragen brennender und mögliche Antworten deutlicher sichtbar. 

Dennoch wurde der Pastorale Weg in den letzten drei Monaten ausgebremst. In den letzten Wochen ging viel Zeit für Beratungen verloren. Der für 20. Juni geplante zweite Ratschlag („Schwerpunkte“) musste verschoben werden, sodass sich auch die nachfolgenden Beratungen verschieben. Das Kontaktverbot stellt für größere Treffen noch immer eine Herausforderung dar. In manchen Bereich gibt es einen regelmäßigen digitalen Austausch, der aber nicht flächendeckend ist. Dadurch sind die einzelnen Gemeinden und Kirchorte auf einem unterschiedlichen Stand.

Alle Ratschläge sollen aber mit der gewünschten breiten Beteiligung, transparent und in einem gemeinsamen Prozess aller Gemeinden und Kirchorte erfolgen. Bei den verschiedenen Themen braucht es eine gute und solide Vorarbeit in den Gemeinden. "Ich vertraue auf den Prozess bei Euch und Ihnen", so Domkapitular Eberhardt.

Allerdings entsteht für das Dekanat ein gewisser Zeitdruck, denn das Bistum – für das sich durch die Coronakrise die finanzielle Situation verschärft hat – erhofft sich möglichst früh Aussagen zu Schwerpunkten und zum zukünftigen Pfarreizuschnitt, um die Personalplanungen weiterführen zu können. Nach der Sommerpause, wenn alle Dekanate angehört worden sind, wird das Bistum verbindliche Aussagen zum Zeitplan für das weitere Vorgehen treffen.

Schwerpunkte – Strukturen – Kooperation

Mit der „Pastoralen Bestandsaufnahme“ und der „Gesellschaftlichen Wahrnehmung“ wurde die ersten Hürden genommen, auch wenn der Schritt der "Gesellschaftlichen Wahrnehmung" noch nicht offiziell vom Dekanatsrat  verabschiedet werden konnte. Die weiteren Schritte „Schwerpunkte setzen“, „Pfarreizuschnitt“ und „Klärung weiterer Strukturen“ stehen noch aus.

Zu den „Schwerpunkten“ gab es bereits die ersten Impulse, die bereits an die Gemeinden und Kirchorte verschickt wurden und die (in physischen Treffen vor Ort oder über digitale Formate) möglichst bald in den Blick genommen werden sollen. Unter dem Leitwort: „Von welcher Kirche träume ich?“, können sich alle Interessierten schon jetzt an einem Austausch auf der Dekanats-Homepage beteiligen; weitere Formate sollen bald vorgestellt werden. Die Erkenntnisse aus der Phase der Wahrnehmung – der Blick auf die vorhandenen Stärken, auf die Kirchorte sowie auf die Bedürfnisse und Themen der Menschen – sollen einfließen und zu den ersten Schwerpunkten führen. "Wo können wir gemeinsam mit den Menschen das Reich Gottes leben?“, gab Domkapitular Eberhardt den Anwesenden als Leitfrage mit auf den Weg.

Allen Beteiligten ist klar, dass in den zukünftig zu bildenden neuen Pfarreien die Kooperation in den Pfarreiräten und den Pastoralteams nur auf Augenhöhe gelingen kann. Hilfreich könnte hier die Erfahrung des Dekanatsprojektteams sein, wo dies schon geschieht. Aber auch Hilfestellungen für die einzelnen Gemeinden und Kirchorte dürfen nicht vernachlässigt werden.

Fazit

Obwohl vieles noch weiter offen bleibt, zeigten sich die Anwesenden zufrieden mit dem Austausch. „Ein erfreulicher Abend“, so Domkapitular Eberhardt und Dr. Fritzen dankte für die „tollen Gespräche“, die sehr ermutigend gewesen seien. Der Pastorale Weg nimmt also nach der Zwangspause wieder etwas Fahrt auf; der Kurs scheint zu stimmen.