Schmuckband Kreuzgang

„Ich bin der Weg“

Tagesimpuls zum 10. Mai von Katharina Unkelbach, Leitung Katholisches Bildungswerk Südhessen

Ich bin der Weg (c) Katharina Unkelbach
Ich bin der Weg
So 10. Mai 2020
Katharina Unkelbach
Impuls zum Tagesevangelium (Joh 10, 1-12)

Als Christ*innen glauben wir, dass das irdische Leben nur ein klitzekleiner Teil unseres Weges ist, und hoffen darauf, nach dem Tod einen festen Platz, „eine Wohnung bei Gott“, zu haben. Das beruhigt und doch sind wir im hier und jetzt – der Gegenwart – gefordert: Wir kennen alle hin und wieder das Gefühl „ein verwirrtes Herz“ zu haben, das nicht so recht weiß, wohin es gehen soll. Mal sind es kleine Momente, mal größere Schicksalsschläge im Leben, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen.

2002 veröffentlicht Herbert Grönemeyer das Lied „Der Weg“, das seiner 4 Jahre zuvor an Krebs verstorbenen Frau Anna gewidmet ist. Für mich eines der traurigsten Lieder überhaupt, aber gleichzeitig auch ein Lied voller Hoffnung und Liebe, dass daran erinnert, dass aufgeben keine Option ist, weil „immer was geht“:

„Ich bin viel zu träge

Um aufzugeben

Es wär' auch zu früh

Weil immer was geht…

Wir haben uns geschoben

Durch alle Gezeiten

Haben uns verzettelt

Uns verzweifelt geliebt“

Nicht nur Herbert Grönemeyer, wir alle wissen es: Das Leben liebt es, uns mit Scheidewegen, Sackgassen, Einbahnstraßen, Kurven und manchmal sogar Hamsterrädern auf Trapp zu halten. Es gibt nicht DEN EINEN geradlinigen, ebenen, vorgezeichneten Weg. Ich finde, das ist gut so, denn ansonsten wäre unser Leben ganz schön langweilig.

Im heutigen Evangelium haben auch die Jünger Angst „sich zu verzetteln“. Sie möchten von Jesus ganz genau wissen: wo geht es wann, wie, warum und mit wem entlang. Bei den Worten Jesu: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“, denke ich sofort an den Spruch „Der Weg ist das Ziel“. Ich glaube, dass Jesus dies auch den Jüngern mitgeben wollte. Es kommt nicht nur darauf an, von A nach B zu kommen und das finale Ziel zu erreichen. Entscheidend ist, wie wir unser Leben beschreiten. Wenn wir Jesu Vorbild folgen und unseren Lebensweg mit Barmherzigkeit, Hoffnung, (Nächsten-)Liebe, Freude, Glaube, Vertrauen, Mut, Einsatz für die Schwachen, Kranken und Armen gehen, ist völlig egal, ob wir dabei in Zickzacklinien rennen, Kurven schneiden oder uns hüpfend fortbewegen.

Wenn wir es zulassen, kann Jesu Art zu leben und zu wirken, immer Orientierung und Wegbereitung für unsere persönlichen Lebenswege sein. So kann Gott für uns und wir für andere das sein, was Anna für ihren Mann Herbert Grönemeyer war:

„Du hast jeden Raum

Mit Sonne geflutet

Hast jeden Verdruss

Ins Gegenteil verkehrt“.

Zum Lied „Der Weg“ von Herbert Grönemeyer

Das Tagesevangelium: Joh 10, 1-12

1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? 3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. 4 Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. 5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? 6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. 7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. 9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? 10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. 11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke! 12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

Tagesimpulse

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