Schmuckband Kreuzgang

Komm wie du bist!

Von welcher Kirche träume ich?

Sei du selbst! (c) Pixabay.com
Sei du selbst!
Fr 19. Jun 2020
Katharina Unkelbach

In einem Moment des Hörens auf den Geist Gottes stellen wir uns die Frage: "Von welcher Kirche träume ich?" – Ein Beitrag von Katharina Unkelbach, Leiterin des katholischen Bildungswerks Südhessen.

„Komm' wie du bist
Und bring alles an dir mit
Komm' wie du bist
Hier ist Platz für dich“
(Lied: „Komm wie du bist“ von Wilhelmine)

„Komm wie du bist. Und bring alles an dir mit.“ Das bedeutet für mich, vollkommen als Person angenommen zu werden, mit all den Marotten, (Selbst-)Zweifeln, der alten Jogginghose, Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen, Interessen und Orientierungen, die jeder von uns mitbringt.

Ich glaube, sich so zu zeigen, wie man ist und angenommen zu werden, ist eines der tollsten Gefühle überhaupt. Menschen zu kennen, bei denen man in den Höhen und Tiefen des Lebens, nachts um 3 mit den krudesten Ideen und jeglichen Gefühlszuständen auftauchen kann und die dann selbstverständlich die Tür öffnen, das Sofa und die Großpackung Eis anbieten – das ist ein wahres Geschenk. „Komm wie du bist“ – ein Satz, den wir vielleicht von der Familie oder guten Freunden hören.

Ich träume von einer Kirche, die den Menschen genau dieses Gefühl vermittelt.

Einer Kirche also, die

  • nicht nur Offenheit predigt, sondern diese auch nach außen hin ausstrahlt und lebt
  • mit stets offenen Armen auf Menschen zugeht und ausstrahlt: Hier ist Platz für DICH, egal welche Herkunft, Lebensanschauung oder sexuelle Orientierung du hast
  • die Vielfalt gesellschaftlicher Lebensmodelle und Lebensrealitäten wahrnimmt, annimmt und ihre Angebote dementsprechend ausrichtet (z.B. Singles, Patchwork, Leben in Kommunen oder Selbstversorgerhöfen, Digitalnomadentum etc.)

Ich träume von einer mutigen und glaubwürdigen Kirche, in der nicht erst jahrelang über lange überfällige Reformen debattiert wird, sondern deren Ziel eine schnelle, mutige und kreative Umsetzung in flachen Hierarchien ist.

Ich träume auch von einer Kirche, die in der öffentlichen Wahrnehmung weniger durch die „klassischen Reizthemen“ (Zölibat, sexueller Missbrauch, verstaubtes Image, Homophobie, Rolle der Frau, Finanzskandale) auf sich aufmerksam macht, sondern dadurch auffällt, dass sie Gutes tut: Menschen – insbesondere Arme, Minderheiten und Ausgegrenzte – unterstützt, sich um verlorene Seelen sorgt, offene Gemeinschaft bietet, freundlich und hilfsbereit ist, ermutigt und sich in Liebe begegnet.

Im Evangelium wird es ganz deutlich: Jeder Mensch wird von Gott bedingungslos geliebt. Jede*r Einzelne ist gut so, wie er/sie ist. Leben können wir das als Kirche, wenn wir uns Jesu Leben und Wirken als Beispiel nehmen. Folgen wir seinem Vorbild, sind wir in jedem Fall auf dem richtigen (synodalen, pastoralen) Weg.

Von welcher Kirche träume ich?

Im Moment können wir uns nicht face-to-face sehen und austauschen. Aber vielleicht können wir die Corona-Zeit für einen Moment des Innehaltens nutzen und uns in einem Prozess des Hörens auf den Geist Gottes mit der Frage "Von welcher Kirche träume ich? – Meine Vision für die Kirche Jesu Christi" auseinanderzusetzen. Was ist unser Auftrag, was ist unser Bild von Kirche? Gerade in der Zeit der Corona-Krise zeigt sich dabei vielleicht auch manches deutlicher, als wir es bisher wahrgenommen haben.

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