Schmuckband Kreuzgang

Über Tante Thekla, den Neujahrskuchen, den Tannenzweig und die Friedhofsvögel

Tagesimpuls von Dr. Peter A. Schult, Arzt und Psychotherapeut

Ein Waffelhörnchen – noch ungefüllt (c) pixabay.com
Ein Waffelhörnchen – noch ungefüllt
Datum:
Fr. 15. Jan. 2021
Von:
Dr. Peter A. Schult

... ein ermutigender Gedanke im Alltag

Wenn Tante Thekla aus dem Emsland ihren beliebten Neujahrskuchen anbot, dann standen ihr immer Tränen in den Augen. Es waren Freudentränen. Eigentlich war es ja gar kein richtiger Kuchen; eher eine schmackhafte Waffeltüte. Also ein dünnes Hörnchen-Gebäck, das ungefüllt oder wahlweise mit Sahne oder Kirschen verzehrt werden konnte. Lecker. Entscheidend war, was sie in ihrer gemütlichen Küche jährlich dazu wiederholte:  „So wie das Hörnchen jetzt gefüllt wird, so muss auch das neue Jahr gefüllt werden“. Und nach einer andächtigen Pause ergänzte sie: „Legt eure Wünsche, eure Hoffnungen und Stärken und eure guten Absichten mit in das Hörnchen hinein – dann wird euch das Jahr fein gelingen“. Das brachte Appetit: 1 Esslöffel Teig = 1 Waffel, dann 25 bis 30 Sekunden heißes Eisen – dann war das neue Jahr auch für den Magen und die Seele vorbereitet. – Schließlich schloss sich dann noch eine unmissverständliche Mahnung von Tante Thekla an: „Denkt aber daran, dass Gott am besten weiß, was er in das Füll-Hörnchen legen muss“. Dann packte sie ein Dutzend solcher mit Anis oder Zimt gebackenen Neujahrs-Hörnchen in eine kleine Blechkiste und bat um Rückgabe der leeren Blechdose in einem Jahr. Zum Glück fragte sie später nie nach dem Erfolg des entsprechenden Jahres.

Zwischen-Fazit: Neben ihren Backkünsten wurde das eigene Vertrauen wie zu einer persönlichen „Backhefe“. Mir kommt dazu immer ein Wort von Alfred Delp (Widerstandkämpfer und Priester) in den Sinn: „Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt“. Das klingt wie eine Geburtszange, wenn Ängste sich querstellen wollen.

Zurück zu Tante Thekla mit ihrem etwas dunkleren Teint.  Sie war schon eine besondere Frau: Bereits am 1. Weihnachtsfeiertag schnitt sie einen kleinen Zweig ihres im Wohnzimmer  geschmückten Tannenbaumes ab und legte ihn still auf das Grab ihres Mannes. Es konnte nur dieser kleine Ast sein, kein anderer. – Ebenso legte sie am Neujahrsmorgen eine Neujahrswaffel auf das Grab. Vermutlich war diese dünne Waffel durch die Kälte schnell zerbröselt oder wurde später zu einem Picknick der Friedhofsvögel.

Was mag diese Tante sich wohl dabei gedacht haben? War es eine unvergängliche Verbundenheit? War es Hoffnung auf ein Wiedersehen? Psychologen wissen durchaus, dass Hoffnung eine viel größere Stimulans des Lebens sein kann als irgendein Glück. Wie eine „Narrheit eines einfältigen Herzens“ sah es bei der frommen Tante jedenfalls nicht aus. Sie wusste um die Zusammenhänge zwischen Himmel und Erde, Leben und Tod.

Themenwechsel: Jetzt,  am 13. Dezember ist mein Doktor-Vater Hermann B. unverhofft gestorben. Ein großer Medizin-Wissenschaftler und Arzt. Er liebte Weihnachtsbräuche und sammelte Weihnachtskrippen. Ihm habe ich einen „Neujahrskuchen“ aufs Grab gelegt. Er liebte die verschiedensten Formen von Volksfrömmigkeiten. Zu guter Letzt ist auch noch eine Freundin, Christel, plötzlich am 29.12. gestorben. Sie erinnerte mich selbst an Tante Thekla, unermüdlich, lebensfroh und lebenstüchtig: Für sie ist das letzte Waffelgebäck bestimmt, gefüllt mit der Gewissheit, dass Liebe und Fürsorge immer Ewigkeits-Charakter haben. Übrigens: Tante Thekla würde sich über meine Nachahmungen wohl sehr freuen und rufen: „Möge euch das neue Jahr trotz aller Rückschläge gut gelingen“.

Tagesimpulse

Viele Gruppen, Treffen, Zusammenkünfte in unseren Gemeinden, in denen wir uns normalerweise auch über den Glauben austauschen und gegenseitig bestärken, fallen im Moment aus oder können nicht in gewohnter Weise stattfinden. Können wir uns in anderer Weise gegenseitig Ermutigung zusprechen?

Während der Corona-Krise wird an dieser Stelle in der Regel immer wieder – im Moment in der Regel wöchentlich, an jedem Mittwoch – ein kleiner Impuls gepostet: eine Botschaft, oft angelehnt an die Tageslesung oder das Tagesevangelium, dazu ein paar Impulsfragen, ein Hinweis auf ein Lied, eine kurze Bildmeditation oder ähnliches.

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