Schmuckband Kreuzgang

Wer kann Brücken bauen? – Über Songs, Päpste und Philosophen

Tagesimpuls von Dr. Peter A. Schult, Arzt und Psychotherapeut

Mainbrücke zwischen Hochheim und Gustavsburg (c) Klaus Friedrich
Mainbrücke zwischen Hochheim und Gustavsburg
Datum:
Mi. 23. Juni 2021
Von:
Dr. Peter A. Schult

... ein ermutigender Gedanke im Alltag

„Ein guter Mensch ist zuverlässiger als eine steinerne Brücke“. Ein tiefgehender und vielsagender Satz. Er stammt von Mark Aurel, großer Philosoph und römischer Kaiser (2. Jhd). Eine mächtige Weisheit, die er da formuliert; vermutlich auf dem Boden von reichen Erfahrungen. Brücken haben immer eine große Bedeutung. Und Menschen mit Rückgrat noch mehr. Heute werden zu wenig Brücken gebaut; dafür aber mehr Mauern, Zäune, Gräben und Profit-Abgrenzungen jedweder Art. Offenkundig fehlt uns einfach der Mut neue Brücken der Versöhnung, der Solidarität oder des Verstehens zu bauen. Warum? Wir scheuen diese harte Arbeit. Lieben eher den Rückzug. Wer alte Brücken abbricht, hat es nur scheinbar leichter; muss aber gut schwimmen können. Oft dann sogar im trüben Wasser. Isolation. Macht auch keinen Spaß. Eine Garantie für ruhiges Fahrwasser gibt es nicht.  Deshalb bauten bereits 1970 „Simon and Garfunkel“ ihren legendären Song: „Bridge over troubled water“, was uns wissen ließ: Die beiden wollten ihr Leben wie eine Brücke gestalten, die über unruhiges Wasser führt. Alter Titel; aber immer noch gern gehört. Also gute Absichten. Die Menschen ticken aber vermutlich anders. Nicht nur weil sie die musikalischen „Töne der Versöhnung“ überhören, sondern weil „Brückenbauen“ zu mühsam bleibt.

Auch unsere Päpste tragen einen alten Titel: Pontifex Maximus, was soviel wie „oberster Brückenbauer“ bedeutet. (Diese Bezeichnung gab es schon im röm. Reich im 3. Jhd. v. Chr.) Aber es macht deutlich: Religion, Kirche und Gemeinde will und soll Brücken bauen. Im evangelischen Gesangbuch (EG 669) findet man/frau dazu ein wunderschönes Lied, das da heißt: „Herr, gib mir Mut zum Brücken bauen – gib mir den Mut für den ersten Schritt“. Das bedeutet: Änderung ist gefragt. Kann sehr schwer sein. Sich zu ändern, dazu ist man nie zu alt. Aber es braucht Luft. Doch wer zu lange wartet, dem könnte am Ende die Luft dazu ausgehen. Wieder Isolation. Eine Brücke zu bauen macht hingegen Spaß. Sich selbst zu überwinden schafft Freude. Eine Hand zu reichen ist der schönste Brückenschlag. Nur Mut: Auch antrainiertes Starrsein lässt sich verlernen. – Das haben die Menschen bereits im Neuen Testament erfahren und lernen müssen: Jesus baut dort unentwegt zu den Menschen seine Brücken der Barmherzigkeit. Angenommen-Sein und Stabilität pur. Ganz zu schweigen von der Brücke zwischen Gott und den Menschen.

Szenenwechsel: 5 Brücken führen über die beiden Heimatflüsse, Rhein und Main, direkt zu uns in die Mainspitze. Die eindeutig schönste Brücke ist die 4-teilige und 200 Meter lange  Stahlbogenbrücke von Hochheim nach Gustavsburg. Mit ihren vier hohen Brückentürmen aus rotem Sandstein gleichen die Portale einem Kulturdenkmal. (Erbaut 1887, bzw. 1947 wieder aufgebaut). – Im Abendlicht leuchtet sie so intensiv, als wolle sie zu uns sprechen: schaut, wie ein Brückenschlag leuchten kann. Und mit dem Beginn der Dunkelheit, könnte sie sagen: die beste Brücke zwischen Verzweiflung und Hoffnung ist eine gut durchschlafene Nacht; schlaft also gut! – Eine Illusion? Nein. Fragen wir doch den Philosophen Mark Aurel.

Tagesimpulse

Viele Gruppen, Treffen, Zusammenkünfte in unseren Gemeinden, in denen wir uns normalerweise auch über den Glauben austauschen und gegenseitig bestärken, fallen im Moment aus oder können nicht in gewohnter Weise stattfinden. Können wir uns in anderer Weise gegenseitig Ermutigung zusprechen?

Während der Corona-Krise wird an dieser Stelle in der Regel immer wieder – im Moment in der Regel wöchentlich, an jedem Mittwoch – ein kleiner Impuls gepostet: eine Botschaft, oft angelehnt an die Tageslesung oder das Tagesevangelium, dazu ein paar Impulsfragen, ein Hinweis auf ein Lied, eine kurze Bildmeditation oder ähnliches.

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um Kraft zu tanken und den eigenen Glauben zu stärken! Gerne dürfen Sie die Impulse auch weiter teilen.

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