Schmuckband Kreuzgang

Wohin mit den überfordernden Wünschen? – Werde Schaf und du wirst eine besondere Stimme hören...

Tagesimpuls zum 5. Mai von Dr. Peter A. Schult, Arzt und Psychotherapeut

Das Schaf und sein Hirte (c) Pixabay
Das Schaf und sein Hirte
Di 5. Mai 2020
Dr. Peter A. Schult
Impuls zum Tagesevangelium (Joh 10,22-30)

Es gibt wohl im Leben eines jeden Menschen fixe Daten, die  innerhalb eines Jahres automatisch wie eine Leuchtschrift aufflammen. Es sind dies nicht nur der eigene Geburts-oder Namenstag oder das Jahr des ersten Verliebt-Seins oder der Tag einer beruflichen Neueinstellung, geschweige jene Tage der Geburt unserer Kinder. Nein, ich meine die Tage, die unser Leben verändern. Tage, die einem deutlich machen, so geht es nicht weiter: ich muss in meinem Leben etwas ändern, wenn es anders werden soll. Der 5. Mai 1973 war ein solcher Tag in meinem Leben. Also vor genau 47 Jahren. Auf Details möchte ich hier verzichten. Sie sind in der Nachschau unbedeutend. Aber das Ergebnis war prägend; das Ergebnis brachte “eine wohltuende Nachhaltigkeit“, wie man dies heute formulieren würde. Was war passiert? Ich lernte damals einfach meine überbordeten Wünsche zu zähmen. Ich lernte, dass es nicht entscheidend ist, was man tut, sondern wie man es tut. Diese Erkenntnis machte mich damals von einem zum anderen Augenblick frei. Vorausgegangen war auch das Lesen des 10. Kapitels des Johannes-Evangeliums, Vers 22 bis 30. – Dies ist auch das heutige Tagesevangelium, da heißt es:

„Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben“.

Eigentlich ein banaler Satz. Aber wenn es mitten in das Herz eines suchenden, unruhigen, fragenden, zweifelnden sich selbst überfordernden Menschen gesprochen wird, hat es seine spezifische Wirkung. Wie wohltuend: einfach nur Schaf zu sein.

Womöglich ein gezähmtes oder gebremstes Schaf. Vielleicht sogar ein wunschloses Schaf.

Der besondere Trick: Das Schaf hat einen barmherzigen Transformator, den des immer präsenten und wachsamen Hirten! Ein Hirte mit einer besonderen Stimme. Eine Stimme, die Ruhe und Verwandlung schafft. Eine Stimme im großen All der Ungewissheit, die Stimme, die mich persönlich kennt und mich bei meinem Namen ruft. Eine einzigartige Stimme, die weiß, was das eigentlich Prägende und  Tröstende im Leben sein kann. Die Stimme Gottes also, die sich durch das Leben Christi unaufdringlich in mein Leben einweben möchte. - Meine Erfahrung: Wer seine Wünsche zähmt, ist immer reich genug: Werde Schaf, dann hast du Chancen Mensch und Christ zu werden. Denn diese Transaktion – in psychologischer und spiritueller Hinsicht – gibt ewiges Leben.

Der 5. Mai bleibt für mich deshalb ein persönlicher und besonderer Erkenntnistag. – Ich wünsche Euch ebenso solche fixe Daten.

Tagesimpulse

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