Schmuckband Kreuzgang

Zwei Ziele im Pastoralen Weg – wie passen sie zusammen?

Von welcher Kirche träume ich?

Viele Ideen – was ist realistisch? (c) Pixabay.com
Viele Ideen – was ist realistisch?
Datum:
Di 8. Sep 2020
Von:
Walter Montigny

In einem Moment des Hörens auf den Geist Gottes stellen wir uns die Frage: "Von welcher Kirche träume ich?" – Ein Beitrag von Walter Montigny, Kelsterbach.

Der neue Newsletter des Dekanats empfiehlt einen Impuls von Pfarrer Bardo Maria Haus. Mein Weiterlesen führte mich auf die Seite des Dekanats, das Archiv bisheriger "Kirchenvisionen" und den Hin­weis „Der Schatten muss nicht bleiben“. Wow. Das sind ja meine Empfindungen, Berührungspunkte, Überlegungen, Gedanken.  

Und das Ergebnis: Meine persönlichen geistigen Berührungspunkte mit dem Pastoralen Weg.

Nicht erst Corona gibt mir die Möglichkeit und zeigt die Notwendigkeit, über mein Christ-Sein, meine Berufung, meine Visionen von Kirche, aber auch über die Kirche als Hierarchie und die Wechselwirkungen nachzudenken.

Unbestreitbar notwendige Veränderungen, die mit dem Pastoralen Weg eingeleitet wurden, hatten in der pastoralen Bestandsaufnahme mit der zusätzlichen Quelle einer Befragung innerhalb der Gemeinden einen nicht erwarteten Fundus an Wortmeldungen ans Tageslicht gebracht. In der Pfarrei Herz-Jesu in Kelsterbach waren dies drei vollgeschriebene DinA4 Seiten.

Für mich persönlich ist dies ein Spiegelbild der Gemeinde. Konstruktive Kritiken, Wünsche, Visionen und auch Hilferufe; alles das ist vorhanden. Damit hätte die Gemeinde sofort loslegen können!

Die gesellschaftliche Wahrnehmung: „Was brauchen die Menschen?“ wurde per Interview recherchiert. Hier wurden auch Menschen, die außerhalb der Gemeinde stehen und Nichtchristen angesprochen. Vergleiche ich unseren obengenannten Fundus mit den komprimierten Ergebnissen der Interviews (aller Pfarreien) stelle ich fest, dass sich diese häufig überschneiden und die Interviews nur unwesentlich ergänzen.

Nun denn, wir haben jetzt ein fast wissenschaftlich ermitteltes Ergebnis, also Visionen, denen Gehör geschenkt werden könnte und sollte.

Aber so einfach ist es nicht. Ein weiterer Schritt des pastoralen Weges ist der sogenannte „Pfarrei-Zuschnitt“. Und diese Bezeichnung hat es in sich. Denn diese Bezeichnung steht für die sich an finanziellen und personellen Voraussetzungen orientierende Veränderung unserer Pfarreistruktur. Einfacher gesagt bedeutet dies, sparen bei den Finanzen und weniger Personal. Hinzu kommt, dass sich das Personal in den neuen Strukturen neu finden muss. Mit neuen Konzepten, neuen Zielen (prozessoptimierte Visionen?). Mit all den bekannten Reibungspunkten.

Aus dem Gesagten kann und muss ich folgern, dass Visionen und Sparen nicht so recht zueinander passen. Es sei denn, die Visionen werden soweit optimiert (zurechtgestutzt), dass sie mit den erforderlichen Einsparungen nicht unrealistisch werden. Ein solches Handeln würde zu einem Vertrauensverlust führen.

Beide primären Ziele, nämlich die Weiterentwicklung unserer Berufung an einer „Erwartungshaltung“ und der sich daraus ergebenden Definition Missionierung und auch die Berücksichtigung der personellen und finanziellen Sachzwänge sind gleichberechtigt anzuerkennen. Aber es sind zwei Ziele, die sich nicht einseitig negativ beeinflussen dürfen.

Meines Erachtens wäre es daher notwendig, das Weiterentwickeln erst dann zu fixieren, wenn die Strukturen geregelt sind. Beide Primärziele könnten so gefestigte Form annehmen, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen.

Von welcher Kirche träume ich?

Im Moment können wir uns nicht face-to-face sehen und austauschen. Aber vielleicht können wir die Corona-Zeit für einen Moment des Innehaltens nutzen und uns in einem Prozess des Hörens auf den Geist Gottes mit der Frage "Von welcher Kirche träume ich? – Meine Vision für die Kirche Jesu Christi" auseinanderzusetzen. Was ist unser Auftrag, was ist unser Bild von Kirche? Gerade in der Zeit der Corona-Krise zeigt sich dabei vielleicht auch manches deutlicher, als wir es bisher wahrgenommen haben.

Gerne können Sie uns Ihre Gedanken zukommen lassen (e-Mail: david.hueser@bistum-mainz.de), damit wir Sie an dieser Stelle auch anderen zur Verfügung stellen können (bitte mit Ihrem Namen). Auch Kommentare zu bereits veröffentlichten Überlegungen möchten wir gerne veröffentlichen, sodass wir virtuell miteinander ins Gespräch kommen können (ebenfalls mit Namen). Leider gibt es keine direkte Forums-Funktion auf unserer Homepage. Schicken Sie daher bitte Ihre Kommentare ebenfalls an die oben genannte Mailadresse. Sie werden dann (soweit sie nicht anstößig oder beleidigend sind) unter dem betreffenden Beitrag veröffentlicht.

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