Predigt vom 1. Weihnachtsfeiertag

Predigt lesen (c) PG Heusenstamm
Predigt lesen
Datum:
Fr. 26. Dez. 2025
Von:
noh

Im Hintergrund des heutigen Evangeliums stand die Erfahrung der Johanneischen Gemeinde, die sich öffentlich zu Jesus bekennt, dass sie sich mit ihrer Lebensweise und ihrem Bekenntnis an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus in die Gefahr begeben hat, von den religiösen, politischen und gesellschaftlichen Mächten zermahlen zu werden. Dahinein verkündete das Evangelium:

Jesus ist der Ursprung von allem, der Urgrund vor der Erschaffung der Welt. Seine Menschwerdung zeigt Wirkung, ist Licht für die Menschen und die Welt und lässt sich nicht von der Finsternis zerstören.

Wer auch heute noch daran glaubt, dass das Wort an Weihnachten eine geschichtliche Wirklichkeit geworden ist, kann nicht einfach schweigen. Er wird selbst zum Wort, das die menschgewordene Liebe Gottes erfahrbar macht. Rette unsere Welt - Zukunft Amazonas. Die Weihnachtsaktion 2025 von Adveniat lenkt den Blick auf den Amazonas – das grüne Herz unserer Erde und die Heimat unzähliger indigener Völker. Ihr Schicksal ist untrennbar mit der Zukunft unseres Planeten verbunden.

Der österreichische Bischof Erwin Kräutler aus dem brasilianischen Amazonas-Gebiet ist so eine Stimme, die ungeachtet aller Bedrohung aus tiefstem Glauben an die Menschenwürde und Menschlichkeit den Kampf gegen die Zerstörung des Regenwaldes, den Kampf gegen die Unterdrückung und Ausrottung der indigenen Amazonas-Völker und den Kampf gegen die Macht der Großgrundbesitzer und der Drogen-Bosse aufgenommen hat. Er sagt zu Weihnachten:

 „Weihnachten ist, wenn wir Gottes Gegenwart erfahren und an seine Liebe glauben. Die Gewissheit, dass er bei uns ist, verleiht uns die Kraft, trotz aller Rückschläge nicht mutlos zu werden, für Gerechtigkeit einzutreten, unsere Mit-Welt zu schützen und das Leben und die Würde aller Menschen zu verteidigen.“

Angesichts der Ohnmacht der Bevölkerung im Amazonas-Gebiet gegenüber den politischen, wirtschaftlichen und Menschen-verachtenden Interessen der Mächtigen zeigt sich in seinem priesterlichen und bischöflichen Dienst und in seinen Worten die soziale Sprengkraft der Weihnachtsbotschaft. Und er hat den Mut, die Worte der Frohen Botschaft an der eigenen Lebensgeschichte trotz aller Bedrohung und Ausgrenzung lebendig und wirklich werden zu lassen.

Inmitten dieser seiner so bedrückenden Realität  überlieferte er uns eine wunderbare, fast romantische Weihnachtsgeschichte:

Er war zur Christmette zu einer Dorf-Kirche im Amazonas-Gebiet unterwegs. Die Kirche war noch leer als er ankam, aber vorne saß schon eine junge Mutter mit einem Baby auf dem Arm und gab ihm die Brust.

Bischof Kräuter ging hin, begrüßte die Mutter und fragte, wie alt das Baby sei: 30 Tage sagte die Mutter freudenstrahlend.

Bischof Kräuter segnete das Kind an der Brust seiner Mutter und beglückwünschte die Mutter.

Dann begann die Christmette, wie jedes Jahr war sie von Laien sehr gut vorbereitet. Das Evangelium wurde lebendig und mit vollem Ernst von jungen und älteren Dorfbewohnern vorgespielt.

Wie durch Zauberhand hatte dann bei der Geburt-Szene auf einmal das Mädchen, das Maria darstellte, das Baby in der Hand, das eben noch bei seiner Mutter an der Brust genuckelt hatte.

Zärtlich und liebevoll wurde es in die Krippe gelegt, dann knieten die Darsteller nieder und beteten das lebendige Jesus-Kind an.

Tiefes Schweigen herrschte dabei in der Kirche.

Bischof Kräuter war so gerührt, dass er das Mädchen, das Maria darstellte bat, doch das lebendige Jesus-Kind hochzuhalten.

Die ganze Gemeinde klatschte vor Begeisterung.

Dann fragte Bischof Kräuter, wie  denn das Jesus-Kind mit richtigem Namen heißt. Da stand die stolze Mutter auf und rief laut durch die ganze Kirche: Juliana

Das Jesuskind aus dem brasilianischen Urwald, kein Junge, sondern ein kleines, reizendes, dunkelhäutiges Mädchen mit Namen Juliana.

Ich erkenne in dieser Geschichte einen versteckten und verschmitzten Hinweis von Bischof Erwin für all diejenigen in seiner Kirche, für die das Wort nicht Fleisch geworden ist, sondern Gesetz und Ideologie wurde.

         Und das Licht leuchtet in der Finsternis,  und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Finsternis in unserer Kirche, Finsternis in unserer Glaubens-Welt, trotzdem leuchtet das Licht.

Wie abgrundtief muss die Liebe Gottes sein, um uns Menschen in sein göttliches Geheimnis des Lebens und der Liebe hineinzunehmen.

Es ist die Geschichte einer Liebe, die jede Unmöglichkeit auflöst, die auch in meinem Leben jede Unmöglichkeit auflöst.

         Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er die Voll-Macht, Kinder Gottes zu werden 

Exousia – Macht, Vollmacht, eigentlich bedeutet ex-ousia aus sich heraus, aus unserem göttlichen Kern heraus handeln:

»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.

Ebenso wichtig ist das zweite:

Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Wir ahnen gar nicht, was alles in uns steckt, wenn wir Kinder Gottes sind, wenn wir endlich Mensch werden.

Suddakar Redamisu, Vikar