Predingt zum 2. Fastensonntag

Predigt lesen (c) PG Heusenstamm
Predigt lesen
Datum:
Mi. 19. März 2025
Von:
noh

Liebe Schwestern und Brüder,

Im heutigen Evangelium haben wir von der Verklärung Jesu Christi gehört. Es ist eine Vorschau auf die Herrlichkeit und den Glanz der Auferstehung Jesu Christi. Wenn wir dieses Evangelium richtig verstehen wollen, dann müssen wir begreifen, in welcher Situation Jesus damals war. Es war die Zeit, als die Pharisäer entschieden haben, Jesus umzubringen. Es war die Zeit, als es Jesus selbst klar wurde: Mein Weg endet am Kreuz. Es war die Zeit, in der Jesus den Jüngern sagte: „Wer mein Jünger sein will, der muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen.“ Mitten in diese Situation hinein, wo alles zum Sterben und zum Kreuz drängt, schenkt Gott ihm eine Vorschau auf das Ziel und zeigt: Das Ende ist nicht Dunkelheit, sondern Glanz. Das Ende ist nicht das Kreuz, sondern Auferstehung - die Herrlichkeit.

Petrus will diese Herrlichkeit festhalten. Er sagt zu Jesus: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind; lass uns hier drei Hütten bauen“. Die Apostel können aber die Herrlichkeit nicht festhalten, weil sie nur die Vorschau auf das Ziel ist. Jesus und seine Apostel müssen wieder vom Berg herunter. Sie müssen den dunklen Weg des Leidens gehen bis zum Kreuz, bis zum Karfreitag. Aber eins gilt: Nach dieser Erfahrung auf dem Berg Tabor, gehen sie den dunklen Weg anders als vorher. Es heißt im Evangelium: „Von diesem Augenblick an ging Jesus entschlossen seinen Weg nach Jerusalem, zur Kreuzigung.“

inde! Jeder von uns wird auch mal auf einen Weg der Dunkelheit geführt. Der eine so, der andere anders. Gott bewahrt uns nicht vor dem Kreuz und nicht vor dem Leid. Aber eins tut Gott: Auf diesem dunklen Weg ist er an unserer Seite. Er leidet mit. Er schenkt Lichtblicke, in denen er uns das Ziel zeigt.

Ich will Ihnen dafür zwei Beispiele nennen. Sie kennen alle die Geschichte von Stephanus, dem ersten Märtyrer:  Als die Steine fliegen, „sehen die Leute sein Angesicht leuchten wie das eines Engels.“ Stephanus ist unter den Steinen tot zusammengebrochen. Im Sterben ruft er aus: „Ich sehe den Himmel offen, und ich sehe den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ Seine Erfahrung: Mitten im Leid darf er die Herrlichkeit Gottes sehen.

Ein anderes Beispiel. Ich habe einmal einem kranken Mann die Hauskommunion gebracht. Er hat arge Schmerzen gelitten. Der Arzt konnte ihm nicht helfen. Er war zu Hause, im Kreis der Familie. Alle, die ihn sahen, standen hilflos da. Die Angehörigen haben mir gesagt: Es ist manchmal nicht zum Aushalten, wenn wir mit ansehen müssen, wie unser Opa leidet. Als ich ihm die Kommunion brachte, strahlte und leuchtete sein Gesicht. Ich habe ihn einmal gefragt: Haben Sie denn jetzt keine Schmerzen mehr? „Doch“, sagte er, „die Schmerzen sind genauso groß, aber nun ist doch Jesus da.“ Am letzten Herz-Jesu-Freitag vor Weihnachten, als ich mich verabschiedete, sagte er: „Wissen Sie, Weihnachten bin ich zu Hause.“ Ich sagte zu ihm: „Sie sind doch zu Hause.“ „Nein“, sagt er, „das meine ich nicht. Weihnachten wird Jesus mich nach Hause holen.“ Liebe Gemeinde! Der Mann hat das Sterben vor Augen, leidet Schmerzen und sagt mit einem leuchtenden und strahlenden Gesicht: „Jesus holt mich nach Hause“. Das ist Verklärung auf dem dunklen Weg, die Gott uns schenkt.

Liebe Gemeinde! Wir müssen den dunklen Weg zu Ende gehen. Aber Gott schenkt uns eine Vorschau auf das Ziel. Er lässt uns spüren, was er mit den Menschen vorhat, was er mit dir vorhat, was er mit der Kirche und mit der Welt vorhat. Ja, jede Freude, die wir täglich erleben, ist eine Vorschau der Herrlichkeit bei Gott. Wir können in der Hoffnung leben, dass wir einmal in der Herrlichkeit Gottes für immer geborgen sein dürfen. Auch uns gilt das Wort: „Dies ist mein geliebter Sohn – auf ihn sollt ihr hören“ Das Wort: Auf ihn sollt ihr hören“, dürfen wir auch jeden von uns beziehen. Wir haben nämlich etwas zu sagen! Uns ist die Botschaft Jesus Christi anvertraut! Wir alle sind Apostel Christi.

Am vergangenen Sonntag haben wir von der dreifachen Versuchung Jesu gehört. Da stand die Menschlichkeit Jesu im Mittelpunkt. Jesus, der ein volles menschliches Schicksal auf sich genommen hat mit Hunger, Durst, Schmerz, Freude, Versuchung, Bewährung, usw. Am heutigen Sonntag steht die Göttlichkeit Jesu im Mittelpunkt. Diese beiden Evangelien sollen uns klar machen, dass sowohl Versuchung als auch Verklärung zu unserem Leben gehören. Trotz aller Versuchungen soll uns die Stimme Gottes während der Fastenzeit immer begleiten mit dem Satz: „Dies ist mein geliebter Sohn, den ich erwählt habe, auf ihn sollt ihr hören“. Amen

Pfarrvikar Sudhakar Reddimasu