Wort zum Sonntag von Pfarrer Hermann Heil

Mission – Sendung!

Missio (c) missio
Missio
Datum:
Sa. 24. Okt. 2020
Von:
Hermann Heil

Seit 1922 gilt in der katholischen Kirche weltweit der Oktober als Missionsmonat und der letzte Sonntag im Oktober als Weltmissionssonntag. In allen Kirchen wird eine Kollekte gehalten für die Kirchen in den „Missionsländern“. Damit sind vor allem die armen Länder in Afrika und Asien gemeint.

Wir können allerdings gar nicht mehr unreflektiert von „Missionsländern“ reden; denn wir sind wohl selber ein „Missionsland“. Bereits am 22. Oktober 1941 sagte der Jesuitenpater Alfred Delp in einem Vortrag in Fulda: „Wir sind Missionsland geworden… Die Umwelt und die bestimmenden Faktoren alles Lebens sind unchristlich.“ Pater Delp wurde als Mitglied der Widerstandsbewegung vom nationalsozialistischen Regime umgebracht. Aber seine Diagnose ist aktuell geblieben. Die Auflösung der überkommenen konfessionellen Sozialmilieus, der moderne Individualismus haben zu einer tiefgreifende Veränderung in der kirchlichen Praxis und bei nicht wenigen gleichsam zur Verdunstung des Glaubens geführt.

Wenn Deutschland ein Missionsland ist, wer sind dann die Missionare? Anders gefragt: Wo können Menschen in unserem Land, die auf der Suche nach Sinn und Orientierung für ein gelingendes Leben sind, die Erfahrung machen, dass es Menschen gibt, die in den christlichen Grundsätzen eine tragfähige Lebensgrundlage gefunden haben, die in ihrer christlichen Glaubensgemeinschaft Halt und Stärkung erfahren und denen so ihr Leben gemäß dem Lebenswissen Jesu gelingt? Bei den Christinnen und Christen in den katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirchen in unserer Stadt und Region?

Das Wort Mission bedeutet Sendung. Missionarisch sein heißt: Botschafter sein in Wort und Tat, gleichsam auf Sendung sein. Vielleicht sind Christinnen und Christen ja manchmal auf Sendung, ohne dass es ihnen bewusst ist.