Wort zum Sonntag von Pfarrer Martin Sahm

„Ihr aber seid alle Brüder!“

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Fussball
Datum:
Sa. 17. Juli 2021
Von:
Martin Sahm

Was hier klingt, wie die abgedroschene Phrase eines Fußballtrainers – analog zu den „11 Freunden“ die auf dem Rasen stehen sollen – ist doch viel stärker: Es betrifft nicht nur die Spieler, den Trainerstab und den Staff, sondern auch die Fans – selbst die der gegnerischen Mannschaft! Jesus gibt diese Worte seinen Jüngern als Mahnung und Erinnerung mit auf den Weg, dass kein Mensch über dem anderen steht. So klar, einfach und eindeutig. Dennoch ist dieser unsägliche Gedanke nicht totzukriegen.

Vergangenen Sonntag haben die Engländer das Finale der Fußball EM gegen Italien verloren; sportlich denkbar knapp im Elfmeterschießen. Das ist ärgerlich, kann aber passieren. Doch was danach geschah, macht mich sprachlos!

Im Fokus standen schnell drei sehr junge Spieler (Alter: 19, 21, 23). Sie waren es, die ihre Elfmeter verschossen hatten. Drei Spieler, denen in den Spielen zuvor zugejubelt wurde, oder deren Einsatz auf dem Spielfeld von den Fans gefordert wurde! Man verlangte mehr Spielzeit für diese jungen Männer. Von ihnen erhoffte man sich Tore, erfolgreiche Spielzüge und vor allem Siege!

Doch jetzt, in diesem einen Moment – für alle drei der Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere – gelingt es ihnen nicht, die in sie gesteckten Hoffnungen zu erfüllen. Und die Liebe mancher Fans schlägt um in Hass. Plötzlich gehören sie angeblich nicht mehr zum Team. Jetzt werden tolle Fußballer auf einmal reduziert auf ihr Geburtsland, oder gar auf das Geburtsland ihrer Eltern.

Ich kann das nicht mehr hören!

Ich kann verstehen, dass das englische Fußballherz enttäuscht ist. Die Hoffnungen waren groß und der Titel zum Greifen nahe. Aber warum kann denn die Kritik nicht sachlich bleiben? Ich bin mir sicher: hätten die drei Jungs getroffen, dann wären sie heute die Helden – von allen!